Innenminister Karl Nehammer umringt von seinen Spitzenbeamten bei der Vorführung der neuen Munition

© BMI/J.Makowecz

Chronik Österreich
06/28/2021

Mannstoppende Polizeimunition gegen Kollateralschäden

Größere Energieentfaltung im Ziel, dafür keine Splitterbildung und Gefäßzerstörung außerhalb des Wundkanals.

von Patrick Wammerl

Sie steckt seit Kurzem in jedem Magazin, dass ein Polizist bei sich trägt. Nach jahrelanger Debatte hat das Innenministerium eine neue, mannstoppende Einsatzmunition für den gesamten Polizeiapparat eingeführt. Die Entscheidungsfindung dauerte mehrere Jahre. Am Montag lüftete Innenminister Karl Nehammer das Geheimnis und präsentierte die bleifreie Munition, Action Austria AED 9mm, auf der Sonderschießanlage des Einsatzkommandos Cobra in Blumau (NÖ).

Im Schnitt schießen Polizisten in Österreich acht Mal pro Jahr auf Personen. Meistens waren mehrere Treffer nötig, bis das Gegenüber handlungsunfähig war. Weil die alte Munition so ausgelegt war, dass sie möglichst wenig Schaden anrichtet und durch ihr Ziel durchgeht, wurde sie intern auch „Mickey-Mouse-Munition“ bezeichnet.

Gerichtsmedizin

2014 hat das Ministerium daher unter Beteiligung der Universität Bern (Ballistik) und der Gerichtsmedizin der Uni Innsbruck ein Forschungsprojekt gestartet, das die Frage einer mannstoppenden Deformationsmunition prüfen sollte. Das Ergebnis des langwierigen Prozesses veranschaulichte Generalmajor Peter Skorsch am Schießplatz. Wie die Schießvorführung auf Gelatineblöcke demonstrierte, hat die Munition der Firma „RUAG Ammotec“ eine wesentlich höhere Energieabgabe im getroffenen Objekt, was eine geringere Durchschlagskraft bewirkt. „Dadurch werden unbeteiligte Personen im Umfeld nicht gefährdet“, sagt Nehammer.

Wie Skorsch betont, sind trotz der größeren Energieentfaltung die Verletzungen der Getroffenen nicht schwerwiegender als vorher. Das liege daran, dass der Wundkanal entgegen der alten Munition gerade wie ein Strich mit nur geringer Abweichung verlaufe. Außerdem kommt es zu keiner Splitterbildung, wodurch das Projektil beim Verletzten besser chirurgisch entfernt werden könne.

Blutgefäße

Der wesentlichste Unterschied liegt aber darin, dass die Energieabgabe des Projektils in Weichteilen maximal 60 Joule/cm beträgt. Lebensbedrohliche Gefäßeinrisse außerhalb des Wundkanals würden aber erst ab einer Energie von mehr als 100 Joule/cm entstehen, sagt die Gerichtsmedizin. Einen Vorteil sieht man im Innenministerium auch darin, dass die Geschosse genügend Durchschlagskraft haben, um in Autoreifen entsprechend eindringen zu können. Es entstehen wesentlich größere Löcher als bei der alten Munition. Dadurch entweicht bei flüchtenden Fahrzeugen viel schneller die Luft.

Die Munition wird auch von der Polizei in Deutschland, der Schweiz oder in den Niederlanden eingesetzt. Nehammer stellte klar, dass beim polizeilichen Einschreiten weiterhin auf Deeskalation gesetzt und eine Schussabgabe immer nur das letzte Mittel sein werde.

Die neue Einsatzmunition kostet pro Patrone nun 40 Cent, das ist der doppelte Preis des Vorgängers.

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