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Chronik Österreich
01/15/2020

67 Millionen Schuss: Polizei kauft "schärfere" Munition

EU-weite Ausschreibung für "mannstoppende" Einsatzmunition und bleifreie Trainingsmunition.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Lange wurde diskutiert, geprüft und überlegt. Nun ist es so weit – das Innenministerium hat eine EU-weite Ausschreibung für neue Polizeimunition veröffentlicht. Bis Monatsende werden in drei Losen 67 Millionen Projektile (mit Option auf weitere 45 Stück Munition) ausgeschrieben.

Die neue Übungsmunition soll erstmals bleifrei (und weniger gesundheitsschädlich für die Polizisten) werden, die Einsatzmunition für Glock und Sturmgewehr mit Weicheisenkern ausgestattet sein. Bei einem Treffer platzt dieser Kern im Körper auf. Damit durchdringt das Projektil den Getroffenen nicht, was gefährliche Querschläger verhindert. Gleichzeitig richtet die Munition mehr Schaden beim Angeschossenen an, weshalb sie als „mannstoppend“ bezeichnet wird.

 

Weniger Gefährdung

„Deformationsmunition hat eine höhere Energieabgabe im Körper und geringere Durchschlagskraft, damit eine reduzierte Hintergrundgefährdung. Somit kommt es zu einer höheren Wahrscheinlichkeit einer schnelleren Herbeiführung der Wirkung“, heißt es aus dem Innenministerium. „Mit der neuen Einsatzmunition wird auf die gestiegene Gewaltbereitschaft reagiert und die Sicherheit der Polizisten und anderer betroffener Personen erhöht. Mit der neuen Trainingsmunition wird außerdem mit bleifreiem Geschoß wird umwelt- und arbeitsmedizinischen Forderungen einer möglichst geringen toxischen Belastung der Polizistinnen und Polizisten beim Training Rechnung getragen.

Debattiert wurde seit Jahrzehnten über neue Munition, auch nach dem Amoklauf in Annaberg (2013 mit drei toten Polizisten). Viele Innenminister machten aber Rückzieher, überraschend kündigte dann Wolfgang Sobotka den Ankauf vor der vorletzten Nationalratswahl an. Unter Herbert Kickl kam keine Ausschreibung zustande, diese setzte sein Nachfolger Wolfgang Peschorn um.

Ursache für die lange Dauer war, dass es erstmals eine EU-weite Ausschreibung gab, die sehr kompliziert war. Zu den Kosten gibt es keine offiziellen Angaben, aber der Auftragswert beträgt mit Sicherheit mehr als 20 Millionen Euro.