Chronik | Österreich
23.10.2017

Neue Polizeimunition kommt 2018

Die neuen Projektile sollen sicherer sein als die alten, dürften aber auch um einiges teurer werden.

Etwa einmal pro Woche gibt ein Polizist in Österreich im Dienst einen Schuss ab. Einer der Aufsehen erregendsten Fälle war dabei jener am 14. Juni 1993, als sich ein Polizistenmörder in einem Kindermodegeschäft mit Geiseln verschanzte. Die Polizei gab tausende Schüsse auf das Geschäft ab, doch der Täter richtete sich selbst. Einer der Gründe, warum die Beamten damals so oft schossen, soll laut Zeitzeugen jener gewesen sein, dass viele ihre Privatmunition testen wollten. Denn damals war es üblich, dass Polizisten die offizielle Munition geladen hatten, aber ab der dritten Patrone eigene ins Magazin gesteckt hatten.

Denn die offizielle Munition hat Schwachstellen (siehe Grafik).

Nach vielen tödlichen Vorfällen, etwa als in Annaberg 2013 drei Polizisten starben, gab es deshalb mehr oder weniger öffentlich eine Diskussion über einen Wechsel. Schon seit rund zehn Jahren läuft die Entscheidungsfindung im Innenministerium; manchen Ressortchefs fehlte der Mut zum Wechsel. Zur Überraschung von Beobachtern erfolgte dieser auf Betreiben von Wolfgang Sobotka (ÖVP) kurz vor der Nationalratswahl.

Mannstoppend

Das bisher verwendete Vollmantelgeschoß erwies sich nämlich als nicht mannstoppend genug. "Es hat eine schlechte Anhaltewirkung", sagt Generalmajor Erwin Strametz von der "Cobra". "Mit der neuen Munition erreicht man mit einem Schuss nun das gleiche wie bisher bei drei bis vier, und die hatten eine Fremdgefährdung."

Aktuell ist man laut Innenministerium in der "Vorbereitung eines europäischen Ausschreibungsverfahrens". Vermutlich ab 2018 wird die neue Munition ausgeliefert. Zu den höheren Preisen für die Teilmantelgeschoße könne man noch nichts sagen, kolportiert werden aber inoffiziell Summen von bis zu einer Million Euro pro Jahr.

Besser gegen Terror

Die neuen Projektile haben für alle Beteiligten Vorteile. Für die Beamten wäre der Einsatz etwa bei Terrorangriffen oder Amokläufen leichter, betont Strametz. Mit der alten Munition wäre die Fremdgefährdung weitaus höher als mit der neuen.

Doch auch für die Täter sind die Teilmantelgeschoße laut Innenministerium weniger gefährlich. Die alten Projektile hätten den Körper durchdrungen und beim Austritt eine große Wunde hinterlassen. Die neuen Geschoße würden im Körper stecken bleiben und seltener Organe treffen. Diese Darstellung ist allerdings umstritten: Laut Jägern würden Teilmantelgeschoße sogar viel schwerere Verletzungen verursachen.

Doch auch die neue Munition wird nicht erreichen, was in Filmen suggeriert wird – so können Autos weder durch Schüsse in Reifen gestoppt, noch können Menschen durch einen Schuss ins Bein kampfunfähig gemacht werden. Videos aus den USA zeigen, dass Kriminelle mit mehreren Körpertreffern minutenlang einsatzfähig bleiben. Auch eine Autotür hält keinen Schuss auf, deshalb gehen echte Polizisten hinter dem Motorblock in Deckung.

Für das Innenministerium stellt sich vorerst aber noch ein anderes Problem: So ist unklar, was mit Millionen alten Projektilen geschehen soll. Nach aktueller Planung dürfte diese Munition vermutlich in der Ausbildung verschossen werden.