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Chronik Österreich
02/09/2020

Liebe am Arbeitsplatz: Ein Bussi ist erlaubt, Sex nicht

Der österreichische Gesetzgeber hält sich aus dem Privatleben der Arbeitnehmer nobel zurück.

von Michaela Reibenwein

In der Liebe gibt es keine Regeln. Zumindest wenige. Wenn es um die Liebe am Arbeitsplatz geht, hält sich der Gesetzgeber in Österreich nobel zurück. Grundsätzlich gilt: „Ein Busserl sollte für den Arbeitgeber kein Problem sein“, sagt Roland Gerlach.

Der Wiener Rechtsanwalt ist auf Arbeitsrecht spezialisiert. Das Liebesleben der Arbeitnehmer beschäftigt ihn in juristischer Hinsicht immer wieder. Doch Patentrezept kann auch Gerlach keines nennen. Im Einzelfall kommt es auf den jeweiligen Richter an. Urteilt der eine Richter, dass der Austausch von Zärtlichkeiten nichts im Büro verloren hat, sieht es der andere schon wieder lockerer. „Es gibt einfach keinen roten Faden“, sagt Gerlach.

Zumindest eine Entscheidung gibt es diesbezüglich vom Obersten Gerichtshof – auch wenn die schon aus den 1980er-Jahren stammt: Ein verheiratetes Paar, das am Arbeitsplatz Sex hatte, wurde fristlos entlassen. Derartige Intimitäten sind am Arbeitsplatz unangebracht, urteilte damals der OGH.

Liebe kostete den Job

Während in den USA Verhältnisse zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern von der Firmenleitung oft strikt untersagt werden – das kostete unter anderem auch den McDonald’s-Chef Steve Easterbrook den Job –, ist das in Österreich grundsätzlich kein Problem. „Ein derartiges Verhältnis ist so lange kein Kündigungsgrund, so lange es nicht die betrieblichen Abläufe stört“, sagt Gerlach.

Bedeutet: Problematisch wird es erst, wenn etwa Informationen aus der Chefetage bei Untergebenen landen – und diese Informationen dort nichts verloren haben. „Oder wenn der Partner oder die Partnerin öfter auf Dienstreisen mitgenommen wird – und dadurch bevorzugt wird“, sagt Gerlach.

Doch internationale Konzerne versuchen, auch in Österreich entsprechende Richtlinien vorzugeben – mit mäßigem Erfolg. „Um solche Abmachungen in einem Betrieb verbindlich zu machen, braucht es die Zustimmung des Betriebsrats“, sagt Gerlach. Die gibt es in der Praxis selten.

Außerdem muss genau definiert werden, ab wann es Konsequenzen für die Mitarbeiter gibt. „Ab wann ist es ein Verhältnis? Wo beginnt es? Was, wenn die Liebe nur einseitig ist? Und was passiert bei gleichgeschlechtlichen Avancen? Die Bandbreite ist einfach zu groß“, meint Gerlach.

Abteilungswechsel

Vor allem bei Banken und Versicherungen ist es aber auch in Österreich üblich, dass Liebschaften in derselben Abteilung nicht gern gesehen werden – ein Arbeitnehmer muss dann die Abteilung wechseln. Wenn sich dadurch allerdings die Arbeitsbedingungen verschlechtern, kann sich der oder die Betroffene dagegen wehren.

Klare Regeln gibt es, wenn ein Partner die Firma verlässt, sich selbstständig macht – und damit dem alten Arbeitgeber Konkurrenz macht. Der Partner, der in der alten Firma geblieben ist, darf dann gekündigt werden. „Weil angenommen werden darf, dass in einer Ehe auch betriebliche Informationen ausgetauscht werden“, sagt Gerlach. Beweis braucht es dafür keinen.

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