Die Lawinengefahr ist extrem hoch: "Verzichten Sie auf Touren"
Die Bergrrettung ist dieser Tage im Dauereinsatz (Symbolbild)
33 Lawinen gingen allein am Mittwoch ab - und das nur in einem einzigen Bundesland, Tirol. Im Westen Österreichs ist die Lawinengefahr dieser Tage enorm hoch: In weiten Teile gilt Warnstufe 4 auf der fünfteiligen Skala, darunter etwa in den Kitzbühler Alpen, Tuxer Alpen, Zillertaler Alpen oder dem Kauner Grat.
18 Menschen kamen ums Leben
Entsprechend hoch ist in dieser Saison auch bereits die Anzahl der Todesopfer, 18 Menschen kamen seit November 2025 ums Leben. In der gesamten Vorjahressaison starben zehn Wintersportler in Folge von Lawinenunglücken.
Doch was macht die Lage derzeit so prekär? "Der Neuschnee und starke Verfrachtungen durch den Wind führen zu einer äußerst instabilen Schneedecke", erläutert Matthias Walcher vom Lawinenwarndienst Tirol.
Der "tödliche Knick"
15 bis 20 Minuten, allerhöchstens: In dem Zeitraum müssen Verschüttete gefunden werden - dann besteht eine Chance von 91 Prozent, zu überleben. Das fand das Institut für Notfallmedizin im Südtiroler Bozen heraus. Danach setzt ein, was in der Literatur als "tödlicher Knick" bezeichnet wird:
- Nach 30 Minuten sind 70 Prozent der Opfer tot.
- Nach 60 Minuten sterben 97 Prozent der Opfer.
Abgesehen von einer umfassenden Vorbereitung auf Touren - dazu gehört auch der Blick in den aktuellen Lawinenwarnbericht, der online regelmäßig aktualisiert wird - gibt es auch am Berg Warnhinweise, die Gefahren erkennen lassen.
- Risse im Schnee: Sie sind Anzeichen für Spannungen und eine instabile Schneedecke.
- Geräusche: Beginnt eine Schneedecke zu brechen, ist das von lauten Geräuschen begleitet - diese "Wummgeräusche" sind weithin zu hören.
Die aktuelle Gefahr im Westen ist aber nicht gebannt. Im Lauf des Donnerstag werden weitere Schneefälle erwartet. Österreichweit prognostizieren Meterologen bis Freitagvormittag zehn bis 20 Zentimeter Neuschnee. "Spätestens in der Nacht zum Freitag schneit es überall, auch bis in tiefe Lagen", betont Lukas Bodinger von der Geosphere Austria.
Schnee in fast ganz Österreich
Auslöser ist ein vom Westen kommendes Tiefdruckgebiet, das binnen 24 Stunden auch den Osten und Süden Österreichs errreicht: Auch in Wien und im Burgenland wird Niederschlag erwartet, ebenso in der Südsteiermark und Kärnten. Das könnte zu den bei dieser Wetterlage übliche Problemen im Straßenverkehr führen, aber auch für Verzögerungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln.
Im Bergland spitzt der Neuschnee die Lawinengefahr aber noch einmal zu, das trifft speziell auf Tirol zu. 20 bis 40 Zentimeter dürften es oberhalb von 2.000 Metern Seehöhe werden.
Große Lawinen möglich
Außerden wird auch starker Wind erwartet, was wiederum zu Ansammlungen von Triebschnee führen kann, beschreibt der Lawinenwarndienst Tirol am Donnerstag: "Diese Konstellation führt dazu, dass Lawinen sehr leicht ausgelöst werden können – auch große Lawinen sind möglich", warnt Experte Matthias Walcher.
Über das gesamte kommende Wochenende sei die Schneedecke "äußerst störanfällig", warnt Walcher. Schneebretter können ohne jegliche Zusatzbelastung abgehen. "Das bedeutet, dass Lawinen auch aus sicher geglaubter Distanz ausgelöst werden können."
"Auf Touren verzichten"
Landesrätin Astrid Mair (ÖVP) nimmt die Situation zum Anlass, vor Touren im freien Skiraum abzuraten. "Unser eindringlicher Appell lautet: Auf den gesicherten Pisten bleiben und auf Touren im alpinen Gelände vorerst verzichten."
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