8 Tote bei Lawinenunglücken: "Graben, graben, graben!"
Fünf Todesopfer gab es am Samstag allein in Salzburg
Zusammenfassung
- Acht Menschen starben am Wochenende bei drei Lawinenabgängen in Salzburg und der Steiermark, darunter erfahrene Alpinisten auf einer Trainingstour.
- Die Rettungseinsätze waren extrem belastend, da die Verschütteten teils einen Meter tief unter dem Schnee lagen und die Überlebenschancen nach 15 Minuten stark sinken.
- Die Umstände des Unglücks werden untersucht, während Experten und Bergretter vor Touren bei erhöhter Lawinengefahr warnen.
Acht Menschen starben am Wochenende bei drei Lawinenabgängen in Salzburg und der Steiermark: Die Tourengeher aus Österreich und Tschechien waren bei Lawinenwarnstufe 3 beziehungsweise 2 unterwegs gewesen.
Zwei Lawinen knapp hintereinander
Dramatisch waren die Einsätze in Salzburg, wo die Bergrettung im Pongau gleich zwei Mal hintereinander ausrücken musste: Samstagmittag wurde eine Tourengeherin aus Niederösterreich (58) vor den Augen ihres Ehemannes im Bereich der Schmugglerscharte (Bad Hofgastein) von einer Lawine mitgerissen und starb. Kurz darauf wurde eine siebenköpfige Gruppe auf dem Finsterkopf am Großarl verschüttet.
Dies war, so beschreibt Gerhard Kremser, Bezirksleiter der Bergrettung Pongau, einer der herausforderndsten Tage überhaupt für seine Kolleginnen und Kollegen: "Die psychische Belastung war enorm."
Einen Meter tief unter dem Schnee
Speziell für die Einsatzkräfte, die als Erste beim Lawinenkegel auf am Finsterkopf eintrafen, wo am Nachmittag sieben Menschen von einem Schneebrett mitgerissen und verschüttet wurden. Jeder Einzelne von ihnen lang zumindest einen Meter tief unter den Schneemassen.
"Graben, graben, graben": Die Rufe des Einsatzleiters waren am Samstag immer wieder zu hören, berichtete Kremser, der aber auch weiß, wie schwer der Einsatz auf mehr als 2.100 Metern Höhe war. Während die Helfer an einer Stelle gruben, meldeten sich Lawinenpiepse anderswo.
Chance sinkt ab 15 Minuten
"Dann musst du dich fragen, fange ich hier mit der Reanimation an oder grabe ich den Nächsten aus?", beschreibt der Bergretter am Sonntag. 15 Minuten nach dem Verschütten sinkt die Chance, gerettet werden zu können, massiv.
Für vier Menschen dieser Gruppe gab es aber keine Rettung mehr, sie konnten nur noch tot geborgen werden. Am Sonntag gab die Landespolizeidirektion Salzburg bekannt, wer die Opfer sind:
- Zwei Männer aus Tirol (63 und 65 Jahre).
- Ein Mann aus Oberösterreich (53 Jahre).
- Eine Frau aus der Steiermark (63 Jahre).
Drei Personen überlebten den Lawinenabgang, zwei wurden verletzt.
Unter den Überlebenden auch jene Frau, die als Bergführerin mit den Tourengehern unterwegs war: Bei der Gruppe handelte es sich um langjährige Mitglieder des Österreichischen Alpenvereins und erfahrende Alpinisten, die an einem Winterausbildungsprogramm teilgenommen hatten.
Sie wurden schon beim Aufstieg von dem Schneebrett überrascht. "Unsere Gedanken sind bei den Familien, Freundinnen und Freunden der Verstorbenen und Verletzten", betonte Alpenvereinspräsident Wolfgang Schnabl.
Die Umstände des Unglücks werden nun untersucht. Experten des Alpenvereins prüfen, doch auch die Alpinpolizei erhebt den Sachverhalt und berichtet an die Staatsanwaltschaft Salzburg. Sie wird dann darüber entscheiden, ob sie Ermittlungen aufnimmt.
"Unglück schmerzt zutiefst"
„In unseren Kursen stehen Risikokompetenz und Sicherheitsbewusstsein an oberster Stelle“, versichert indes Jörg Randl, Leiter der Abteilung Bergsport im Alpenverein. "Dieses Unglück schmerzt zutiefst."
Kritik an der Entscheidung, am Samstag auf den Großarl aufzubrechen, kam jedoch vom Landesleiter der Salzburger Bergrettung, Richard Freicham: "Touren über der Waldgrenze und an Hänge mit 30 Grad sind zu gefährlich", mahnte er gegenüber der APA.
Wann die meisten Unfälle passieren
In dem Gebiet in Salzburg herrschte Warnstufe 3, erhebliche Gefahr. Im Pusterwald in der Steiermark, wo drei Tourengeher aus Tschechien von einer Lawine getötet wurden, Stufe 2, mäßige Gefahr. Eine Einstufung, die unterschätzt wird: In der Wintersaison 2024/25 passierte beinahe die Hälfte aller Lawinenunglücke, bei denen Menschen betroffen waren, bei Warnstufe 2.
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