Trauriger Tag in den Bergen: Acht Lawinenopfer an nur einem Nachmittag
Auf der sogenannten Schmugglerscharte soll ein Schneebrett einen Skifahrer mitgerissen und getötet haben. Im Bild: Lawinenabgang am Samstag auf der Schmugglerscharte in Bad Hofgastein Foto zur Verfügung gestellt von der Bergrettung Salzburg.
„Diese Tragödie zeigt schmerzhaft, wie ernst die aktuelle Lawinenlage ist. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, betonte Gerhard Kremser, Leiter der Bergrettung Pongau in Salzburg: Zwei Mal mussten seine Kolleginnen und Kollegen am Samstag ausrücken. Beide Male mussten sie Todesopfer bergen – bei zwei Lawinenabgängen wurden insgesamt acht Menschen verschüttet. Fünf starben.
Die erste Alarmierung ging um 12.30 Uhr bei der Bergrettung Bad Hofgastein ein. Eine Skitourengeherin wurde im Bereich „Schmugglerscharte“ auf rund 2.200 Meter Seehöhe von einem Schneebrett mitgerissen und verschüttet – vor den Augen ihres Mannes. Er konnte zwar den Notruf absetzen, aber seiner Frau nicht mehr helfen. Das Ehepaar war laut Bergrettung im freien alpinen Gelände unterwegs gewesen.
Nur drei überlebten
Eineinhalb Stunden später folgte der nächste Alarm. Im Bereich des „Finsterkopf“ im Großarltal ging auf 2.150 Meter Seehöhe eine Lawine ab: Sieben Skitourengeher – unterwegs gewesen im freien Skiraum – wurden als verschüttet gemeldet. Für vier von ihnen kam jede Hilfe zu spät, sie konnten nur noch tot aus den Schneemassen geborgen werden.
Drei Menschen überlebten das Unglück, eine Person wurde schwer, eine weitere leicht verletzt. Einer der Tourengeher konnte unversehrt aus dem Lawinenkegel gerettet werden. 90 Einsatzkräfte rückten aus, um den Verschütteten zu helfen, darunter die Bergrettungen Großarl, Bad Hofgastein, Bad Gastein, Dorfgastein, Großarl und Hüttschlag. Unterstützt wurden sie von Hundestaffeln, dem Roten Kreuz und vier Teams von Notarzthubschraubern und Kriseninterventionsteams.
Lawinenabgang im Murtal
Am späten Samstagabend dann die nächste Hiobsbotschaft: Auch in der Steiermark kam es zu einem tödlichen Lawinenunglück. Im Murtal kamen drei Skitourengeher aus Tschechien ums Leben gekommen, nachdem insgesamt sieben Personen am Nachmittag im Gemeindegebiet von Pusterwald betroffen waren. Drei von ihnen wurden von der Lawine erfasst und vollständig verschüttet. Sie konnten nur noch tot geborgen werden.
Die um 16:24 Uhr alarmierte Alpine Einsatzgruppe Murtal konnten die Verschütteten lokalisieren und teilweise ausgraben. Im Einsatz standen 150 Einsatzkräfte der Bergrettung aus dem Bezirk Murtal und Liezen, mehrere Einsatzteams der Lawinen- und Suchhundestaffel der Bergrettung Steiermark, die Alpinpolizei, weitere Polizeikräfte, drei Notarzthubschrauber der ÖAMTC-Flugrettung, Freiwillige Feuerwehren aus dem Bezirk Murtal und Liezen sowie das Kriseninterventionsteam.
Gerhard Kremser, Bezirksleiter der Bergrettung Pongau, erinnerte aus dem traurigen Anlass erneut an die derzeit labile Situation in den Bergen abseits gesicherter Pisten: Durch den Neuschnee der vergangenen Tage und die Wetterlage gelte verbreitet Lawinenwarnstufe 3, in exponierten Lagen auch Warnstufe 4: Jederzeit könne ohne viel Belastung ein Schneebrett ausgelöst werden. Wie auch in Hüttschlag am Plattenkogel oder in Großarl am Frauenkogel: Auch dort gingen Samstagmittag Lawinen ab, es kamen aber keine Menschen zu Schaden.
Fünf Tote bei Lawinenabgängen im Pongau
Die Bergrettung warnte eindrücklich davor, sich in den freien Skiraum zu wagen; Appelle, die zuletzt jedoch nicht gehört wurden: „Trotz klarer und mehrfacher Warnungen kam es am Samstag erneut zu zahlreichen Lawinenabgängen. Leider mit tödlichem Ausgang“, bedauert Bergretter Kremser.
Gefahr im freien Gelände
Das trifft nicht nur auf Salzburg und die Steiermark zu. Erst diese Woche kam ein Urlauber in Ischgl in Tirol ums Leben: Der 39-jährige Chinese, der im deutschen Dresden wohnte, dürfte bereits am Donnerstag im freien Skiraum von einem Schneebrett mitgerissen worden sein. Als er am Abend nicht in seine Unterkunft zurückkam und das Mobiltelefon im Zimmer gefunden wurde, schlug der Wirt Alarm, am Freitag wurde die Leiche des Mannes nach einer Suchaktion geborgen. Der 39-Jährige hatte keine Lawinenausrüstung getragen.
In Vorarlberg geriet im freien Skiraum im Skigebiet Golms – ebenfalls am Donnerstag – eine Frau unter eine Lawine: Die 70-Jährige war Teil einer fünfköpfigen Skitourengeher-Gruppe und konnte lebend geborgen werden, nachdem sie 150 Meter weit mitgerissen wurde.
Neun Todesopfer
forderten Lawinenabgänge in Österreich seit November 2025. Kurz vor dem Unglück im Pongau starb zuletzt ein Mann am Donnerstag in Ischgl. In Bad Gastein kam am Dienstag ein 13-jähriger Bub ums Leben.
309 Alpintote
gab es im Jahr 2024, so das Kuratorium für Alpine Sicherheit. Besonders häufig gab es Unfälle in Tirol. Für das Jahr 2025 wurde noch keine Jahresstatistik veröffentlicht.
Die Warnstufen
Stufe 1 (Gering): Lawinen sind nur in seltenen Fällen auf sehr steilen Hängen mit starker Belastung möglich.
Stufe 2 (Mäßig): Lawinen können auf sehr steilen Hängen bei großer Zusatzbelastung (z. B. Skifahrer, Gruppen) ausgelöst werden.
Stufe 3 (Erheblich): Warnsignale (z. B. Knacken im Schnee) können auftreten. Steilhänge in der angegebenen Ausrichtung und Höhenlage möglichst meiden.
Stufe 4 (Hoch): Lawinen lassen sich leicht auslösen, die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen nur noch schwach verfestigt. Auch erfahrene Wintersportler sollten Gefahrenzonen meiden.
Stufe 5 (Sehr hoch): Wintersport abseits gesicherter Pisten ist nicht möglich. Die Schneedecke ist weitgehend instabil.
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