KÄRNTEN: UNWETTER - MURE ZERSTÖRTE HAUS IN BAD KLEINKIRCHHEIM

© APA/GERT EGGENBERGER / GERT EGGENBERGER

Chronik Österreich
11/18/2019

Erdrutsch in Bad Kleinkirchheim: "Man macht sich Sorgen ums Haus"

In Bad Kleinkirchheim ist ein Haus nach einem Erdrutsch weitgehend zerstört worden. Die vermisste Person hat nicht überlebt.

von Kevin Kada, Nikolaus Tuschar, Matthias Nagl

Polizisten mit Suchhunden, Bergrettung und Feuerwehr suchten stundenlang angespannt nach einem Bewohner eines Hauses in Bad Kleinkirchheim. Es war von einem Erdrutsch verschüttet worden. Gegen 10.30 hatten sich Erdmassen von dem aufgeweichten Hang gelöst und waren gegen das Gebäude gedonnert. Ein Teil des Hauses wurde schwer beschädigt und stürzte ein.

Gegen 13:15 Uhr schlug ein Suchhund in den Trümmern an. Der Hausbesitzer ist ums Leben gekommen. Die Rettungskräfte konnten den 79-Jährigen nur noch tot bergen.

Der Nachbar des Vermissten, Manfred Brunner, hat noch kurz vor dem Erdrutsch mit seinem Nachbarn gesprochen: "Das ist alles heute Vormittag passiert. Am Abend war noch gar nichts. Natürlich macht man sich auch Sorgen um das eigene Haus."

Stefaan Kinable aus Belgien wurde nach dem Einkaufen von dem Unglück überrascht.

Manfred Brunner ist der unmittelbare Nachbar des Vermissten.

Für viele Nachbarn beginnt nun das Hoffen auf Entspannung. So auch für Stefaan Kinable aus Belgien. Der Mann wohnt in Bad Kleinkirchheim und wurde nach dem Einkauf von dem Erdrutsch überrascht: "Ich war gerade einkaufen und als ich am Heimweg war, habe ich das gesehen und mich gefragt, was los ist. Ich kenne den Vermissten und habe ihn noch vor zwei Tagen im Auto vorbeifahren gesehen. Hoffentlich bleiben wir von weiteren Unwettern verschont."

Mure in Bad Kleinkirchheim

Mure in Bad Kleinkirchheim

In Bad Kleinkirchheim im Bezirk Spittal ist am Montag, 18. November 2019, ein Wohnhaus von einer Mure getroffen und fast völlig zerstört worden.

KÄRNTEN: UNWETTER - MURE ZERSTÖRTE HAUS IN BAD KLEINKIRCHHEIM

KÄRNTEN: UNWETTER - MURE ZERSTÖRTE HAUS IN BAD KLEINKIRCHHEIM

KÄRNTEN: UNWETTER - MURE ZERSTÖRTE HAUS IN BAD KLEINKIRCHHEIM

Das Haus, das im Ortsteil Kleinkirchheim in der Nähe des Römerbades steht, sei de facto völlig kaputt. Bürgermeister Matthias Krenn war rund eineinhalb Kilometer entfernt und hörte einen lauten Knall: "Die hintere Seite des Hauses ist total eingedrückt, es steht nur noch die Vorderfront."

Laut Bürgermeister gab es auch weitere Abgänge in Bad Kleinkirchheim, doch dies soll der einzige gewesen sein, bei dem eine Person betroffen war.

Wassermassen im Kärntner Gurktal

Und auch in anderen Teilen des Landes sorgten die Niederschläge für Bangen. Die Hochwasserlage im Kärntner Gurktal hat sich in der Nacht auf Montag zugespitzt. Im Bezirk Sankt Veit an der Glan ist die Gurk ist an mehreren Stellen über die Ufer getreten. Bei Weitensfeld erreichte der Fluss den Pegel eines 30-jährlichen Hochwassers, berichtet das Bezirksfeuerwehrkommando.

Sabine Haberl, Anrainerin in Pöckstein-Zwischenwässern, kann ohne Gummistiefel nicht einmal mehr ihr Haus betreten. Der Zugang über die Brücke ist nicht mehr möglich: "Jetzt bleibt nichts anderes mehr übrig, als abzuwarten."

Leichtes Hochwasser ist für Haberl keine Seltenheit. Aber die aktuelle Situation ist selbst für sie neu: "Vor neun Jahren ist das Wasser einmal bis zum Brückenabgang geklettert. Aber jetzt stehen unsere Garagen unter Wasser."

In der Gemeinde Gurk im Ortsteil Sandboden mussten vorsichtshalber 15 Häuser evakuiert werden. Die Bewohner wurden in einem Gasthaus untergebracht. 

"Mystisches Krachen" 

Auch in Salzburg krachten immer wieder Erdmassen die Berge hinab.

Die Feuerwehreinsätze in Bad Gastein (Salzburg) waren am späten Sonntagabend eigentlich schon beendet. Als der letzte Feuerwehrmann gerade die Türe beim Zeughaus im Ortsteil Badbruck absperrte, hörte er ein „mystisches Krachen“, wie er es seinen Kollegen später schildern sollte. Eine gewaltige Mure ging nur wenige Meter oberhalb des Zeughauses ab, traf auf zwei Wohnhäuser und zerstörte diese komplett.

Das gesamte Ausmaß der Katastrophe zeigte sich erst am Montag. Die beiden Bewohnerinnen überlebten wie durch ein Wunder, von den beiden Häusern steht nicht mehr viel. Sessel, die vor gut zwölf Stunden noch im Haus standen, stehen nun auf der Ruine. „Mit so einer Mure hätten wir in diesem Bereich nie gerechnet“, sagt Klaus Kaltenecker, Einsatzleiter der Feuerwehr in Badbruck. Er war beim nächtlichen Einsatz im ersten Fahrzeug, das zum Unglücksort kam.

„Es war unvorstellbar. Wir sind um die Kurve gekommen und die Häuser, die schon ewig hier gestanden sind, waren einfach weg“, erzählt Kaltenecker im Gespräch mit dem KURIER. „Es war ein äußerst schwieriger Einsatz, weil wir nicht wussten, wie stabil der restliche Hang ist. Wir haben eine Minute gearbeitet, dann hat es wieder gerumpelt, und wir mussten den Rückzug antreten“, sagt der Einsatzleiter.

Die erste Frau hatten die Feuerwehrleute schon nach 20 Minuten befreit, bei der zweiten dauerte die Bergung mehr als zwei Stunden. Eine 79-Jährige wurde bei dem Unglück schwer verletzt, ist aber außer Lebensgefahr. Am Montag konnten die Feuerwehrleute nicht viel mehr tun, als die Unglücksstelle zu sichern.

Von lautem Knall geweckt

Gezeichnet von den Ereignissen der Nacht ist am Montag auch noch Nachbarin Rosa Pichler. „Wir haben schon geschlafen und sind von einem Knall munter geworden. Ich habe gedacht, es war ein Autounfall. Wir haben ein eigenartiges Getöse gehört und hinausgeschaut, aber nichts gesehen“, erzählt Pichler. „Kurze Zeit später ist schon die Feuerwehr gekommen und mein Mann ist nachschauen gegangen.“

An das Schlafen war dann nicht mehr zu denken, am Montag hat Frau Pichler der Katze der Nachbarin Futter neben die Ruine des Hauses gestellt.

Sie ist immer noch schockiert über das Unglück in der direkten Nachbarschaft. „Ich habe nie im Leben gedacht, dass hier so etwas herunterkommt“, sagt Pichler.

Wer wegen  Naturereignissen wie heftigen Schneefällen, Überflutungen und Murenabgängen - wie aktuell in Kärnten und in der Steiermark - gar nicht oder nicht pünktlich zur Arbeit kommen kann, braucht keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu fürchten. „Es handelt sich um einen Verhinderungsgrund, der das Fernbleiben rechtfertigt“, sagt ÖGB-Arbeitsrechtsexperte Martin Müller.

Das Gleiche gilt für den Fall, dass Eltern bei ihren Kindern bleiben müssen, weil Kindergarten oder Schule wegen des Unwetters geschlossen bleiben und sie keine andere Möglichkeit für die Kinderbetreuung haben.

Der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin muss aber alles ihm bzw. ihr Zumutbare unternehmen, um den Arbeitsplatz rechtzeitig zu erreichen. In diesem Fall kann der Arbeitgeber eine Verspätung oder das Fernbleiben auch nicht zum Anlass für eine Entlassung nehmen. Einfach daheim bleiben, das geht also nicht. Außerdem muss der Arbeitgeber vom Zuspätkommen oder der Verhinderung informiert werden.