© Fridays for Future Wien

Chronik Österreich
05/24/2019

"Keine Ausreden": Tausende demonstrierten für Klimaschutz

Schüler, die für ihre Zukunft kämpfen und Mütter, die um die Zukunft ihre Kinder fürchten. Sie alle demonstrierten für Klimaschutz.

von Markus Strohmayer, Katharina Zach, Wolfgang Atzenhofer

Mehr als tausend Schüler nahmen auch im Zuge des zweiten weltweiten Klimastreiks am Freitag Fehlstunden in Kauf, um für den Klimaschutz zu kämpfen.

Um 9 Uhr versammelten sich am Wiener Heldenplatz hunderte Demonstranten, um dann gemeinsam durch die Innenstadt zu ziehen. Eine erste Polizeizählung ergab wenig später schon rund 1500 Demonstranten – Tendenz zu diesem Zeitpunkt noch steigend. Die Jugendlichen, die zum Teil auch mit ihren Eltern und Lehrern anreisten, taten ihren Unmut auf vielen Plakaten kund.

Verbote hielten sie dabei nicht ab: Im Vorfeld des Streiks war in einem Erlass des Unterrichtsministeriums festgehalten worden, dass Demos kein Entschuldigungsgrund seien. Sogar Verwaltungsstrafen können daher drohen.

Richtungsweisende Wahl

Stattdessen hielten die Jugendlichen Plakate hoch, auf denen etwa „Make the climate cool again“, „Keine Ausreden mehr“ oder „Wir streiken, bis ihr handelt“ zu lesen war. Dazu passend der Appell einer Sprecherin von „Fridays for Future“, jener Organisation, die den Streik initiierte: „Heute haben wir noch Hoffnung – in zehn Jahren nicht mehr.“

Die Hauptforderung von „Fridays for Future“ ist eine Reduktion der Klimaerwärmung auf 1,5 Grad. Aus diesem Grund wurde bei der Demo auf die Bedeutung der EU-Wahlen hingewiesen. Jene die schon stimmberechtigt seien, sollen „im Sinne aller“ stimmen.

Da aber viele der streikenden Schüler am Sonntag noch nicht wahlberechtigt sein werden, wollten die Organisatoren auch ihnen eine Stimme geben. Bei dem Protest konnten alle eine sogenannte „Wahlkarte für die Zukunft“ ausfüllen und in eine Urne vor dem Haus der Europäischen Union werfen. Diese Wünsche an eine nachhaltige EU wurden dann noch vor Ort an einen Kommissionsvertreter übergeben.

Klimanotstand in Wien

Anschließend wurde vor dem Wiener Rathaus die Forderung nach der Ausrufung des Klimanotstandes an die Wiener Stadtregierung herangetragen. „Dies bedeutet eine Selbstverpflichtung, die Klimakrise als solche anzuerkennen, an die Bevölkerung zu kommunizieren und Klima- und Umweltschutzmaßnahmen in allen Belangen vorrangige Priorität einzuräumen“, hieß es.

Um 13.00 Uhr war dann am Wiener Heldenplatz die Schlusskundgebung angesetzt. Laut Organisatoren hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 7000 Menschen der Demonstration angeschlossen. Diese kündigten überdies an, die Proteste weiterhin solange fortzusetzen „bis die Politiker reagieren“.

Schwarzenegger und Thunberg kämpfen für das Klima

Schon am Dienstag wird es wohl erneut zu einem Massenaufmarsch der Klimaschützer am Heldenplatz kommen. Dann nämlich wird im Zuge des „Austrian World Summit“ die 16-jährige Greta Thunberg nach Wien kommen. Sie hat mit einem dreiwöchigen Schulstreik im Sommer 2018 die Initiative „Fridays for Future“ losgetreten.

Ab 17.00 Uhr soll sie gemeinsam mit Gastgeber Arnold Schwarzenegger eine frei zugängliche Rede halten.

Österreichweites Phänomen

Nicht nur in Wien gingen die Schüler auf die Straße: Die Demonstrationen waren zwar überschaubarer als bei der Erstauflage – damals waren 20.000 Aktivisten im ganzen Land unterwegs – nichtsdestotrotz wurden österreichweit erneut tausende Menschen mobilisiert.

Alleine am Linzer Hauptplatz sollen es rund 1000 Demonstranten gewesen sein, wodurch sich teils chaotische Szenen abspielten. Auf einer Hälfte des Hauptplatzes fand nämlich zeitgleich der große Wochenmarkt statt. Da zudem Straßenbahnen und Autoverkehr mitten durch den Hauptplatz geführt werden, stand während der Demo ein Polizeigroßaufgebot zur Absicherung im Einsatz.

Die streikenden Schüler ließen sich davon nicht abhalten. Sie sangen Lieder und Parolen, in denen sie endlich Maßnahmen gegen den Klimawandel forderten. Auffällig war in Linz, dass sich viele ältere Menschen unter die jungen Demonstranten mischten. Ein Mutter meinte etwa: „Ich bin dabei, weil ich Angst um die Zukunft meiner drei Kinder habe“.

2000 Demonstranten in Innsbruck

In Innsbruck startete der Demonstrationszug - passend zur skandierten Parole „Es ist fünf vor zwölf“ - umd fünf vor zwölf. Von der Universität ausgehend zogen Schüler und Studenten durch die Innsbrucker Innenstadt zum Marktplatz. Auch Kinder im Volksschulalter waren in Begleitung von Erwachsenen dabei. Laut dem Einsatzleiter der Polizei nahmen rund 2.000 Personen an der Demonstration teil.

In der Stadt Salzburg leisteten rund 1.000 Schüler ihren Beitrag zu der globalen Klimakundgebung. Im Mittelpunkt ihres heutigen Protestes stand dabei das Thema Verkehr - „Österreichs Klimakiller Nummer 1“.

Und die Teilnehmer wählten ein symbolisches Ziel für den heutigen Demonstrationszug: Sie marschierten zum Sitz der Porsche Holding Salzburg, dem größten Autohandelsunternehmen Europas. Die Schüler forderten einen Rück- und Umbau der Automobilindustrie und eine massive Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene.

Eltern sprangen für Kinder ein

In Niederösterreich sprangen Eltern für ihre Kinder ein. Wegen der Erlässe seitens des Unterrichsministeriums und des nö. Landesschulrats gründeten sie in Baden die Initiative "Parents for Future".

"Wir wollen unseren Kindern die Stimmen zurück geben die ihnen die Politik und die Bürokratie genommen haben. Wir wollen es nicht hinnehmen, dass die Ängste unserer Kinder mit Paragraphen und Vorschriften lächerlich gemacht werden", hieß es dazu von den Veranstaltern.