Chronik | Österreich
18.01.2013

Drei Bergretter von Lawine getötet

Obmann der Lesachtaler Bergrettung und Alpinisten-Ehepaar bei Skitour ums Leben gekommen.

Drei langjährige Mitglieder der Kärntner Bergrettung wurden Freitag am Mittagskofel im Kärntner Lesachtal von einer Lawine verschüttet. Das Ehepaar Helene und Konrad H. (51 und 42 Jahre alt) sowie Manfred St. (54) waren am frühen Nachmittag auf einer Skitour abseits der gesicherten Pisten unterwegs. Trotz der Lawinenwarnstufe vier. In den frühen Abendstunden stand fest, dass die drei bekannten Alpinisten unter den Schneemassen erstickt sind.

Profis am Berg

Warum der Obmann der Lesachtaler Bergrettung, Manfred St. und seine beiden Bergkameraden die Gefahr unterschätzt und ignoriert hatten, ist den Kollegen – sie konnten ihre Freunde nur noch tot bergen – ein Rätsel. Ein Bergretter, er wollte anonym bleiben, hatte Freitagabend nur eine Erklärung: „Die Routine ist am Berg ein gefährlicher Begleiter. Wir alle stehen unter Schock.“

Auch das Ehepaar H. aus dem Lesachtal war unter Bergführern und Alpinisten eine mehr als bekannte Größe. Denn Helene H. absolvierte als erste Kärntnerin die selektive Bergretter-Ausbildung. Und ihr Mann Konrad war Sanitätsrat im Ausbildungsteam. Alle drei galten als absolute Profis und Sicherheitsfanatiker.

Das zeigt auch der Umstand, dass sie ihren Familien vor dem Aufbruch zu der verhängnisvollen Bergtour, eine sehr genaue Rückkehr-Zeit angaben. Sollte man sich verspäten, müsse Alarm geschlagen werden. Gestern, Freitag, hätte man gegen 15 Uhr beim jeweiligen Treffpunkt ankommen sollen.

Alarm geschlagen

Als sich gegen 15.30 Uhr aber niemand zu Hause meldete, schlugen Angehörige auf dem Posten Liesing Alarm. „Daraufhin sind alle verfügbaren Kräfte auf den Berg“, erklärte Polizist Franz Mitterdorfer.

Bergretter aus dem Lesachtal, aus Kötschach, dem Oberen Drautal und Hermagor versuchten so schnell wie möglich auf den Mittagskofel zu kommen. Unterstützt wurden die Alpinisten dabei von der Alpinpolizei, den Feuerwehren, mehreren Suchhunden sowie den Hubschraubern Libelle und Martin 4. Insgesamt standen etwa 40 Retter im Einsatz. Da man nicht wusste, wann die Lawine abgegangen ist, standen die Chancen auf eine Lebendbergung denkbar schlecht. Zusätzlich gab es keinerlei Orientierungspunkte oder Augenzeugen, die zeigen konnten, in welchem Areal des Lawinenkegels die Opfer begraben wurden.

Am späten Nachmittag konnten schließlich zwei Opfer lokalisiert und geborgen werden. Der dritte Lawinentote wurde erst später gefunden. Die geschockten Bergkameraden der getöteten Alpinisten konnten ihren Freunden nicht mehr helfen.

Am Freitag ereignete sich auch in der Obersteiermark ein Lawinenunglück. Mehr dazu hier.

24-jähriger Steirer verschüttet

In der Obersteiermark ist am Freitag ein 24-Jähriger durch eine Lawine auf dem Seckauer Zinken (Bezirk Murtal) ums Leben gekommen. Das berichtete die Polizei Samstag Früh. Der junge Mann aus Deutschlandsberg war bei einer Skitour auf der Abfahrt von einem Schneebrett verschüttet worden. Sein 26 Jahre alter Begleiter konnte den 24-Jährigen orten und freilegen, alle Wiederbelebungsversuche blieben aber erfolglos.

Der 26-jährige Grazer fuhr daraufhin ins Tal ab, um einen Notruf abzusetzen. Mitglieder der Bergrettung sowie der Alpinpolizei stiegen zur Unglücksstelle auf. Der Bergrettungsarzt konnte jedoch nur noch den Tod des Lawinenopfers feststellen.