Der Kadyrow-Kritiker wurde in Gerasdorf erschossen

© APA/MATTHIAS LAUBER

Chronik Österreich
05/16/2021

Tschetschenen-Mord in Österreich: Präsident Kadyrow muss nicht vor Gericht

Nach Bluttat an Blogger und Kritiker des tschetschenischen Machthabers in Gerasdorf wurde die Anklage eingebracht.

von Patrick Wammerl

Der prominenteste Name in der fünfseitigen Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Korneuburg: Ramsan Kadyrow, Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien. Der umstrittene Machthaber ist für die Anklage zentrale Figur rund um jene Bluttat, die am 4. Juli 2020 dem in Wien lebenden Blogger und Kadyrow-Kritiker, Martin B. (alias Ansor von Wien) das Leben kostete. Hingerichtet mit sechs Schüssen, fünf davon in Herz und Oberkörper und einen – vermutlich finalen – Schuss in den Kopf.

Auch wenn sich die Hinweise auf einen politischen Auftragsmord im Ermittlungsverfahren verdichteten, wird Kadyrow nicht Teil des Prozesses sein. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg Friedrich Köhl gegenüber dem KURIER bestätigt, ist Anklage wegen Mordes erhoben worden.

Martin B. (42) ist demnach von seinem tschetschenischen Landsmann und Kadyrow-Anhänger Sar-Ali A. (47) auf einem Parkplatz in Gerasdorf (NÖ) in eine Falle gelockt und getötet worden. Die Anklage ist bereits rechtskräftig, erklärt der Strafverteidiger des Beschuldigten. Sar-Ali A. droht lebenslange Haft, er ist bisher nicht geständig. Er sei zwar am Schauplatz in Gerasdorf gewesen, habe diesen aber verlassen, als Ansor aus Wien noch am Leben war, sagt sein Anwalt. Diese Aussage steht im diametralen Widerspruch zu den Ermittlungsergebnissen. Dass Martin B. ins Visier von Kadyrow-Gefolgsleuten gekommen war, entging auch dem Verfassungsschutz und ihm selbst nicht. Im Sommer des Vorjahres wollte er zum Schutz zwei Pistolen und wandte sich so an den Waffenschieber Sar-Ali A.. Martin B. wusste, dass A. eine Gefahr für ihn darstellen könnte, weil er auf Kadyrows Seite stand, und nahm zu dem vermeintlichen Waffengeschäft seinen Leibwächter mit.

Laut Anklage stieg Sar-Ali A. ins Auto zu Martin B. und feuerte laut Schießgutachten mit einer Pistole aus 30 Zentimeter Entfernung in die Herzgegend des Opfers. Danach folgten weitere Schüsse. Der Angeklagte wird durch Spuren massiv belastet. Auf der Kleidung des Verdächtigen fanden sich Schmauchspuren, seine DNA war im Fahrzeug des Opfers. Außerdem klebte Blut des Getöteten an den Schuhen des mutmaßlichen Schützen.

Ein Prozess hat nach der Bluttat bereits stattgefunden:  Jener gegen den 37-jährigen Leibwächter des Mordopfers.

Ahmed A. soll in der Tatnacht auf den  mutmaßlichen Schützen,  den flüchtigen Sar-Ali A. gefeuert haben. Wegen eines Ladefehlers brach kein Schuss.

Die Geschworenen glaubten Ahmed A. nicht, dass er nur auf die Reifen schießen wollte. Es setzte 14 Jahren Haft wegen Mordversuchs; nicht rechtskräftig

Konten leer

Es gibt zahlreiche Hinweise im Verfahren für einen politischen Auftragsmord, beweisen ließ sich das aber nicht. Auch von den angeblich fünf Millionen Euro Kopfgeld, die aus Grosny, der Hauptstadt von Tschetschenien, auf den Regierungskritiker ausgesetzt wurden, „gibt es keinen einzigen tauglichen Hinweis, dass an meinen Mandanten Geld geflossen ist“, sagt sein Rechtsanwalt. Da es keine unmittelbare Spur zu Kadyrows Gefolge gibt, konnten aus seinem Umfeld auch keine Zeugen geladen werden.

Ganz haben Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. Eine Schlüsselfigur wird in Tschetschenien vermutet und ist international zur Haft ausgeschrieben, nämlich Salman M.. Er könnte als Mitwisser agiert haben und zudem  die Tatwaffe als symbolischen Akt der Treue nach Grosny gebracht haben. 

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