Nach dem Mord im Juli in Gerasdorf laufen noch die Ermittlungen

© APA/MATTHIAS LAUBER

Chronik Niederösterreich
03/18/2021

Hochrisiko-Prozess nach Bluttat an Kadyrow-Kritiker

Leibwächter wurde wegen Mordversuchs angeklagt. Das Gericht in Korneuburg wird zu einer Festung.

von Patrick Wammerl

Es wird ein Prozess mit höchster politischer Brisanz, die bis in die Kreise des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow führt. Vor dem Hintergrund, dass der tschetschenische Blogger und Kadyrow-Kritiker Martin B. alias „Anzor“ in Gerasdorf bei Wien eventuell aus politischen Motiven exekutiert wurde, wird das Landesgericht Korneuburg am 8. April zu einer Hochsicherheitsfestung.

An diesem Tag kommt es zum ersten Prozess im Zusammenhang mit dem aufsehenerregenden Mord vom 4. Juli 2020. An besagtem Abend war der regierungskritische Blogger „Anzor“ zusammen mit seinem 37-jährigen Leibwächter Ahmed A. auf einem Parkplatz in Gerasdorf, um dort von einem Landsmann namens Sar-Ali A. eine Glock im Tausch gegen einen alten Wagen zu bekommen. Laut Anklage hatte der Bodyguard jedoch eine Falle gewittert und seinen Freund in Gefahr gesehen. Dieser schrieb die Warnungen jedoch in den Wind und so kam es zum verheerenden Treffen.

Patrone durchfeuchtet

Ob politisch motiviert oder nicht: Sar-Ali A. soll Martin B. aus nächster Nähe erschossen haben, worauf der Leibwächter wiederum versuchte, den mutmaßlichen Todesschützen auszuschalten. Laut Staatsanwaltschaft war es einem Zufall geschuldet, dass es keine zweite Leiche gab. Als Ahmed A. auf den Flüchtenden schoss, soll sich eine defekte Patrone im Lauf verkeilt haben. Als der Beschuldigte den Abzug seiner Tokarev M57, die ihm Martin B. illegal besorgt hatte, betätigte, brach kein Schuss. Wie sich später bei einer ballistischen Untersuchung der Pistole zeigte, war die erste Patrone durchfeuchtet und defekt. Sar-Ali A. entkam und wurde wenig später wegen Mordverdachts festgenommen.

Spezialeinheit sicher das Gericht

Im April muss sich nun zuerst der Leibwächter wegen versuchten Mordes und anderer Delikte verantworten. Der Prozess wird unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen ablaufen. Ein Großaufgebot der Spezialeinheit Cobra sowie des Verfassungsschutzes wird das Gericht sichern. Nur sechs Medienvertreter dürfen dem Verfahren beiwohnen.

Wesentlich spannender wird es aber, wenn demnächst die Mordanklage gegen Sar-Ali A. fertiggestellt ist. Vor allem dann, wenn die Ermittlungen auf einen politischen Auftragsmord hindeuten. Der ermordete Blogger war auch Informant des Verfassungsschutzes. Die Ermittlungen wegen Mordes seien noch nicht abgeschlossen, sagte Friedrich Köhl, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, am Donnerstag.

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