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Schrägere Geschichten als Johanna Sebauer schreibt nur das Leben

Dem KURIER erzählt die-"Nincshof"-Autorin von privaten und beruflichen Umbrüchen - und über ihr nächstes Buch: "Popóm".
Eine Frau mit Brille und gemusterter Jacke sitzt vor einem Fenster.

Johanna Sebauer ist wieder Burgenländerin. So richtig. In Vollzeit.

Nach elf Jahren in Hamburg kehrte die „Nincshof“-Autorin 2024 nach Marz zurück, wo sie einen prägenden Teil ihrer Kindheit und Jugend verbracht hat. Der Anlass war leider ein trauriger: Sebauers Vater, der Journalist Wolfgang Weisgram, war schwer krank – und verstarb noch im Sommer desselben Jahres. Ihre Mutter, die Verlegerin Vera Sebauer, lebt bereits seit 2015 nicht mehr.

Die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln verlief also alles andere als unbeschwert – und doch gab es seither auch schöne Momente.

Johanna Sebauers Lebenspartnerin ließ sich auf das gemeinsame „Abenteuer Burgenland“ ein – und die beiden gingen noch einen Schritt weiter: Am Standesamt Mattersburg gab sich das Paar das Jawort. „Es war wahrscheinlich das erste Mal, dass dort zwei Frauen geheiratet haben. Zumindest hatte ich das Gefühl“, erzählt die 37-Jährige ironisch lächelnd im KURIER-Gespräch. Heute lebt das Ehepaar in Johanna Sebauers Elternhaus in Marz.

Das Vollzeitexperiment

Mit dem Umzug ins Burgenland wagte Sebauer auch beruflich einen Neustart. Sie beendete ihre Tätigkeit als Sprecherin für ein Forschungsinstitut und wurde Vollzeit-Autorin. „Ich sage aber immer dazu, das ist jetzt ein Experiment. Weil es schon schwer ist, auch wirklich langfristig vom Schreiben leben zu können. Aber letztes Jahr ist es sehr gut gelaufen. Wenn das so bleibt, dann geht es sich aus“.

Ihre Fans werden vermutlich schon dafür sorgen, dass sich Sebauers Lebensentwurf weiterhin ausgeht. Seit der Veröffentlichung ihres Debütromans im Jahr 2023 wurde die Marzerin mit positiven Kritiken und Preisen geradezu überschüttet.

Eine Frau mit Brille und rosa Jacke lächelt in die Kamera.

Johanna Sebauer

Darunter der bisher größte Meilenstein in Johanna Sebauers schriftstellerischer Laufbahn: Ihre Erzählung „Das Gurkerl“ wurde beim Bachmann-Wettlesen gleich zwei Mal ausgezeichnet. „Sebauer beweist, dass Literatur unterhaltsam und lustig und dennoch bedeutsam sein kann“, lobte die Jury. Die Autorin selbst bezeichnet ihre Teilnahme am Bachmann-Preis als eine Art Reifeprüfung: „Es fühlt sich auch genauso an. Ich habe mich gefühlt wie bei der Matura. Vor dieser Jury live im Fernsehen einen Text vorzulesen, war schon sehr nervenaufreibend.“

Nervosität? Gibt es nicht mehr

Was sie aus der Erfahrung mitnimmt: Nervosität vor Lesungen kennt Sebauer heute nicht mehr. Und: „Ich habe auch ein bisschen Selbstvertrauen gewonnen, dass ich einen Platz in der Literaturwelt habe“. Diesen Platz wird Sebauer mit ihrem neuen Roman aller Voraussicht nach weiter festigen. „Popóm“ erscheint am 14. Juli.

Das Buchcover von Johanna Sebauer zeigt eine Pfeife vor grünem, rosa und blauem Hintergrund.

Johanna Sebauer: „Popóm. DuMont. 224 Seiten. 24 Euro. Erscheint am 14. Juli.

Was sich die Leserschaft vom Buch erwarten kann? „Es ist vom Ton her ernster. Es geht um einen jungen Mann, eine eher tragische Figur. Er ist ein bisschen verloren, ein armes Würstel, das auch gerne über sich selbst jammert“, gibt Sebauer einen ersten Einblick in ihr neues Werk, das trotz des ernsteren Tonfalls auch wieder viele skurrile Ideen und Humor zu bieten hat. So begegnet der Protagonist Hendrik Popom einem Mann namens Popóm und ist überzeugt: Dieser Mann – obwohl fast doppelt so alt – bin ich.

Fortsetzung folgt – nicht

Was sich für Johanna Sebauer bei der Arbeit am neuen Roman verändert hat: Im Gegensatz zum ersten Buch hat sie die Erwartungshaltung des Publikums und der Kritiker gespürt. Eine Fortsetzung von „Nincshof“ zu schreiben, kam trotzdem nicht infrage. „Das werde ich nie machen. Eigentlich kannst du da nur verlieren. Es wäre auch für mich langweilig, immer das gleiche Buch zu schreiben. Meine Autorenstrategie ist, unberechenbar zu bleiben“, sagt Sebauer.

Wenn man so will, wird „Nincshof“ trotzdem fortgesetzt – auf der Bühne. Das Buch über ein kleines Dorf im Seewinkel, das vergessen werden will, wird als Theaterstück adaptiert. Die Premiere ist für 15. Oktober im Kulturzentrum Güssing angesetzt.

„Nincshof“ wurde in der Corona-Zeit in Hamburg geschrieben. Sebauer: „Durch das Schreiben war ich gedanklich viel im Burgenland“. Die Handlung des neuen Romans „Popóm“ spielt sich hingegen in einer deutschen „Stadt im Norden“ ab – und entstand fast vollständig im Burgenland. Beeinflusst ihr Aufenthaltsort, worüber Sebauer schreibt? „Das ist eine echt gute Frage, die ich mir selbst öfter stelle. Aber ich kann sie nicht beantworten. Vielleicht ist das ein bisschen die Verarbeitung des Abschieds von Hamburg oder so“, mutmaßt die Autorin.

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Was kommt als nächstes? „Ich bin tatsächlich schon ein bisschen im dritten Roman drin“, lässt die 37-Jährige anklingen. Doch zunächst will sich der Fußball-Fan möglichst alle Spiele der bevorstehenden WM anschauen – und daneben für den KURIER schreiben. Ab 6. Juni erscheint in der KURIER Freizeit die Kolumne „Am Feld“. Johanna Sebauer schreibt darin alle zwei Wochen über das Landleben.

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