Wie die Kulturzentren das Burgenland veränderten
Das generalsanierte KUZ in Güssing wird am 18. September offiziell eröffnet.
Es war eine kulturpolitische Idee mit sozialem Anspruch: Nicht der Wohnort, das Einkommen oder die Entfernung zur nächsten Großstadt sollten darüber entscheiden, ob Menschen Theater, Konzerte, Kabarett, Lesungen oder Ausstellungen besuchen können. Kultur sollte nicht nur in den Städten stattfinden, sondern auch am Land. Niederschwellig, leistbar und für möglichst viele zugänglich.
Dieser Gedanke stand am Anfang der burgenländischen Kulturzentren. Heuer feiern die KUZ ihr 50-jähriges Bestehen. Den Auftakt machte Mattersburg: Dort wurde am 22. Mai 1976 das erste Kulturzentrum des Landes eröffnet. In den Jahren danach entstand ein Netzwerk über das gesamte Burgenland.
Zwei Wegbereiter
Vorbereitet worden war das Modell 1972 mit der Gründung des „Vereins zur Planung, Errichtung und Erhaltung von Kultur- und Bildungszentren“. Zu den treibenden Kräften zählten der spätere Kulturlandesrat Gerald Mader und der damalige Landesrat und spätere Bundeskanzler Fred Sinowatz (beide SPÖ). Ihr Ziel: Kulturveranstaltungen hinaus in die Regionen zu bringen.
Zwischen 1976 und 1982 entstanden fünf Kulturzentren in Mattersburg, Jennersdorf, Güssing, Eisenstadt und Oberschützen. Heute gehören zum Netzwerk der Kultur-Betriebe auch Schloss Tabor (Bezirk Jennersdorf) und das Liszt Zentrum Raiding (Bezirk Oberpullendorf). Bald kommt ein weiterer Standort dazu: In Neusiedl am See ist im leer stehenden Seerestaurant ein neues Kulturzentrum geplant. Inhaltlich soll der neue Standort einen Schwerpunkt auf die Verbindung von Kultur, Natur und Welterbe Fertő/Neusiedler See legen. Damit wäre das kulturpolitische Ziel erreicht, in jedem Bezirk ein KUZ zu haben.
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) spricht anlässlich des Jubiläums von einem Erfolgsmodell. „Vor 50 Jahren wurde im Burgenland der Anspruch formuliert, Kultur für alle zugänglich zu machen, unabhängig von Wohnort oder Einkommen. Heute sehen wir: Dieser Weg war richtig“, so Doskozil. Die Kulturzentren seien Orte der Begegnung, der Kreativität und des kulturellen Austauschs.
Krutzlers Handschrift
Das Programm der Kulturzentren ist breit angelegt. Geboten werden Kabarett, Theater, Konzerte, Lesungen, Kinovorführungen, Ausstellungen und Kindertheater. Die Häuser sollen nicht nur Veranstaltungsorte sein, sondern auch einen Beitrag zur kulturellen Bildung leisten.
Seit Jänner verantwortet Schauspieler Christoph Krutzler die künstlerische Leitung der Sparte Erwachsenentheater. Sein Ziel ist ein Theater, das zugänglich, anspruchsvoll, vielfältig und regional verankert ist. Den Auftakt bildet „Nincshof“ von Johanna Sebauer, als zweite Eigenproduktion folgt Goethes „Faust I“ in der Inszenierung von Christoph Kohlbacher. Ergänzt wird das Programm durch Gastspiele, etwa „Eingeschneit“ von Peter Quilter.
Auch baulich und symbolisch setzt das Jubiläumsjahr Akzente. Anfang Mai wurde das generalsanierte Haus in Güssing als „Frank Hoffmann Kulturzentrum“ wieder in Betrieb genommen.
Begleitet wird das Jubiläum von der Kampagne „Hier funkt’s seit 1976“. Der Slogan soll zeigen, was die Kulturzentren seit fünf Jahrzehnten sein wollen: Orte, an denen Menschen zusammenkommen – unabhängig davon, ob sie in einer Stadt wohnen oder in einem kleinen Ort am Land.
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