Der Goldschakal meidet den Wolf und liebt das Burgenland
Goldschakal oder Wolf, das ist hier die Frage. Wie eine Studie der österreichischen Wildtierökologin Jennifer Hatlauf herausgefunden hat, siedeln sich Goldschakale lieber dort an, wo keine Wolfsrudel zu finden sind.
Im Vergleich zu anderen Ländern war Österreich zum Zeitpunkt der Langzeitstudie, für die Forscherinnen und Forscher an fast 9.000 Standorten in 13 europäischen Ländern nach Goldschakalen gesucht haben, kaum von Wolfsrudeln besetzt.
Wo das Land im Jahreszyklus nicht allzu lange von Schnee bedeckt ist, Gewässer in der Nähe und lichte Wälder sind, war die Chance höher, dass Goldschakale auf die von den Forschern abgesetzten Goldschakal-Rufe antworteten – also dort ein Revier hatten.
„Die Anwesenheit von Wölfen erwies sich hingegen als stärkster Faktor, der das Vorkommen der Schakale einschränkt“, heißt es in der Fachpublikation: „Goldschakale sind am ehesten dort anzutreffen, wo keine Wölfe leben, und am seltensten in den Kerngebieten stabiler Wolfsrudel.“
Burgenland prädestiniert
Weil in Österreich eben wenige Wölfe angesiedelt sind, hätten diese hierzulande bisher wohl wenig Einfluss auf die Ausbreitung der Schakale, die 2023 bereits in allen Bundesländern außer Vorarlberg nachgewiesen wurden.
Laut Analysen der Forscherinnen und Forscher würden die Goldschakale in ganz Kontinentaleuropa viele gute Lebensräume vorfinden. Nicht zuletzt mithilfe des von Menschen hervorgerufenen Schutzschirms könnten sie theoretisch bis zu 75 Prozent des Kontinents besiedeln. „Dies ist fast sechsmal so viel wie das derzeitige Gebiet“, schrieben sie.
In Österreich stellten sich tiefer gelegene, wärmere, strukturreiche und schneearme Landschaften wie das Burgenland als besonders geeignet heraus, also viele außeralpine Gebiete im Osten und Südosten. Aber auch das Inntal in Tirol und die Gegend um den Bodensee wären laut der in der Fachpublikation veröffentlichten Karte ein guter Lebensraum für die goldgelben Verwandten von Fuchs, Wolf und Hund.
„Seit der Datensammlung für die nun veröffentlichte Studie gab es aber auch wiederholt Nachweise sogar in höheren Lagen“, sagte die Expertin und ergänzt: „Es bleibt also spannend, zu beobachten, wo die Goldschakale tatsächlich überall leben können.“ Verglichen mit anderen heimischen Wildtieren sei noch recht wenig über ihre Lebensweise bekannt.
Kommentare