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Kein Fehler erlaubt: Oberwarter Graveur arbeitet für die Superreichen

Armin Bundschuh graviert Luxusgüter für Scheichs, Sammler und Millionäre – mit einer Hand, die sich keinen Fehler erlauben darf. Einzelne Stücke erfordern bis zu 1.200 Arbeitsstunden.
Armin Bundschuh sitzt an einem Arbeitstisch mit Mikroskop und Werkzeugen und arbeitet konzentriert an einem kleinen Objekt.

Von Vanessa Halla

Andere Teenager gingen feiern. Armin Bundschuh saß zuhause und zeichnete Ornamente. Nicht, weil er musste. Sondern weil ihn diese Welt plötzlich gepackt hatte.

Als Schüler kommt der Oberwarter auf der Frühjahrsmesse an einem Stand vorbei, an dem Graveure und Büchsenmacher arbeiten. Funken fliegen, Stahl glänzt, irgendwo wird graviert. Für viele nur ein Handwerk. Für ihn: ein Volltreffer. Wenige Monate später landet Armin Bundschuh in der HTL Ferlach in Kärnten. Hier werden Graveure und Büchsenmacher unter einem Dach ausgebildet. Für den Teenager heißt das: vier Jahre Schule, wenig Schlaf und sehr viel Geduld.

„Ein Graveur braucht eine fast schon stählerne innere Ruhe und ein spezielles Gemüt“, sagt Bundschuh heute. Ein Satz, den man erst versteht, wenn man ihm bei seiner Arbeit zusieht: Ein falscher Stich, ein Millimeter daneben, und viele Hunderte Stunden an Arbeit sind ruiniert.

Fünf Euro Stundenlohn

Armin Bundschuhs Einstieg in die Welt der Gravur war alles andere als glamourös. Fünf Euro Stundenlohn. Kaum Werkzeug. Kleine Aufträge. Viel Improvisation. Der Oberwarter wohnt bei den Eltern und arbeitet sich Stück für Stück nach oben. Wo andere längst aufgeben, sagt sich der heute 49-Jährige damals: „Das wird schon.“

Selbst in einer schwierigen Phase, als er parallel bei einem Tätowierer arbeitet und überlegt, ganz in diese Richtung zu wechseln, bleibt die Gravur sein eigentliches Zuhause. Dann kommt plötzlich der Wendepunkt. Eine von ihm gravierte Waffe landet auf einer Ausstellung in Abu Dhabi – und wird dort verkauft. Von da an öffnet sich für den Oberwarter Graveur die Tür zu einer Luxuswelt.

Mittlerweile arbeitet der zweifache Familienvater seit 20 Jahren regelmäßig für Luxusausstellungen in Abu Dhabi. „Dort treffen sich Waffenhersteller, Sammler, Superreiche und Menschen, die beim Wort ,Sonderanfertigung‘ nicht einmal nach dem Preis fragen. In dieser Liga zählt nicht, was etwas kostet, sondern wer es besitzt“, weiß der Oberwarter aus langjähriger Erfahrung. Bundschuh graviert Jagdgewehre, Messer, Luxusuhren und Einzelstücke, die später in Schatzkammern landen oder bei besonderen Anlässen präsentiert werden.

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Tigergravuren mit Rubinen und Diamanten – vom Oberwarter Atelier direkt in die Schatzkammern arabischer Kronprinzen.

„Zwei Töchter eines Kronprinzen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bekamen eigens angefertigte Jagdgewehre mit Gravuren von mir. Anfragen aus der Welt der Superreichen lauten nicht selten so: ,Ich brauche 20 gravierte Luxusmesser. Übermorgen.‘“

Armin Bundschuh kann mittlerweile darüber lachen – weil gerade sein Handwerk eben nicht wie Fast Food funktioniert. Manche seiner Arbeiten brauchen Wochen, ehe sie fertig sind. Andere Monate. Und manche ein ganzes Jahr.

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Manche Werke brauchen über 1.000 Arbeitsstunden.

1.200 Arbeitsstunden

Etwa die beiden legendären Tigergravuren, besetzt mit Diamanten und Rubinen: 1.200 Arbeitsstunden – für ein einzelnes Stück. Wer Armin Bundschuh bei der Arbeit zusieht, versteht schnell: Das hier ist keine Bastelarbeit, das ist Hochpräzisionskunst. Unter Mikroskopen zieht er Linien, die endgültig sind. In seiner Arbeitswelt gibt es kein Zurück, kein Hoppala, keine zweite Chance. „Ein Stich ist ein Stich, den kannst du nicht mehr ändern“, sagt er.

Gravuren sind für den Experten seines Faches wie Handschriften. Armin Bundschuh erkennt sofort, wer etwas gefertigt hat – weltweit. Zu dicke Linien, falsche Abstände, unsaubere Übergänge: Sein Auge registriert jeden Fehler innerhalb von Sekunden. Vielleicht gilt deshalb für ihn der eiserne Grundsatz: „Fehler dürfen in meinem Beruf nicht passieren. Wenn doch einmal etwas verrutscht, dann nur so minimal, dass es korrigierbar bleibt.“

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Der Letzte seiner Art

Diese kompromisslose Präzision ist sein Markenzeichen. Bundschuh arbeitet bevorzugt mit den Materialien Stahl, Gold sowie auch Platin. Schwierige Legierungen oder beschichtete Materialien lehnt er hingegen ab. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sie seinem Qualitätsanspruch nicht genügen.

Und auch moralische Grenzen zieht er klar. Politisch fragwürdige Aufträge? Werden nicht angenommen. Überhaupt wirkt der Graveur aus dem Südburgenland wie jemand, der lieber seinen eigenen Weg geht. Während viele traditionelle Handwerke ums Überleben kämpfen, erlebt Armin Bundschuh mittlerweile vor allem im arabischen Raum eine riesige Wertschätzung für seine Handarbeit. „Luxus und Tradition gehören dort zusammen – und genau zwischen diesen beiden Welten bewegt sich meine Kunst.“

Seit 26 Jahren arbeitet Armin Bundschuh mittlerweile als Graveur, mit seiner Schulzeit sind es insgesamt fast 30. Von 17 Mitschülern schlossen nur fünf die Ausbildung ab. Zwei arbeiten heute noch im Beruf. Einer davon sitzt in Oberwart zwischen Stahl, Gold und Mikroskopen. Und graviert weiter an Einzelstücken, die irgendwann in Schatzkammern aus aller Welt verschwinden.

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