"Weiße Frau" als tragische Figur zwischen Freiheit und Femizid

Künstlerinnen interpretieren sagenumwobene Frauenfiguren neu. Am 7. Mai feiert "Die Straße der Frauen" Premiere im Offenen Haus Oberwart.
Verschwommene, abstrakte Darstellung einer menschlichen Figur in Blau- und Grüntönen ohne erkennbare Gesichtszüge.

Mit „Die Straße der Frauen“ stellt die Theaterinitiative Burgenland mit dem „Landestheater der Autor:innen“ verschiedene Frauenfiguren in den Mittelpunkt. Premiere ist am 7. Mai im Offenen Haus Oberwart.

Der Theaterabend, kuratiert von Peter Wagner und inszeniert von Valentina Himmelbauer, ist eine Spurensuche.

Burgen, Ruinen und Ortsnamen werden zu Stationen, an denen überlieferte Geschichten neu befragt werden. Im Zentrum stehen Frauen, die als Tyranninnen, Geistergestalten oder historische Figuren tradiert wurden.

Die „Weiße Frau“ ...

Eine Episode widmet sich der „Weißen Frau von Bernstein“. Die Sage berichtet von einer Erscheinung, die seit 1859 wiederholt im Schloss gesehen worden sein soll. Beschrieben wird sie als zierliche Gestalt mit wallendem Haar, die die gefalteten Hände an die linke Wange legt. Sie trägt eine ungarische „Párta“ und einen weißen Schleier; vereinzelt wird von einer sichtbaren Halswunde oder einem Stilettgriff berichtet.

Eine große Burg mit Turm steht auf einem bewaldeten Hügel, umgeben von grüner Landschaft und Wiesen.

Theater Oberwart: „Die Straße der Frauen“ zeigt neue Perspektiven auf die Weiße Frau von Bernstein.

In den Erzählungen schwebt sie durch das Schloss, kniet in der Kapelle und verschwindet ebenso plötzlich, wie sie erscheint. Eine besonders eindrückliche Sichtung soll es 1912 bei einem Fackelzug der Dorffeuerwehr gegeben haben, bei dem zahlreiche Zeugen anwesend waren. Letztmals wird ihr Auftreten mit dem Jahr 1921 in Verbindung gebracht.

... wird neu interpretiert

Historisch wird die Figur mit Katharina Pongrácz von Szent-Miklós verbunden, die mit Lorenz von Ujlak verheiratet war. Entgegen anderen Überlieferungen wird sie als ungarischer Herkunft beschrieben und soll ihren Mann überlebt haben. Eine Sage führt ihr Erscheinen auf eine Ermordung wegen Untreue zurück. Im Volksmund wurde sie als „Böse Kathl“ bezeichnet.

Junge Frau mit braunen Haaren, Brille und Pony schaut nach links und trägt einen dunklen Pullover.

Theodora Bauer wirft einen neuen Blick auf die Sagengestalt.

Autorin Theodora Bauer greift diese Überlieferungen auf und stellt sie in einen neuen Zusammenhang. Sie beschreibt das Schicksal der Figur als tragisch und verweist darauf, dass ihr Leben in einem Femizid geendet habe. In ihrer Interpretation bleibt der Lebenswille der Figur jedoch bestehen.

Die „Weiße Frau“ tritt scharfsinnig und wortgewandt auf und bewegt sich durch die alten Gemäuer, wobei sie den Kontakt mit den Lebenden sucht. Dabei stellt Bauer Fragen nach Freiheit und Selbstbestimmung: Was bedeutet Freiheit in einer Zeit, die sie nicht zugesteht? Und muss sie um jeden Preis erkämpft werden?

Ältere Frau mit kurzem, weißem Haar und blauen Augen lächelt leicht und trägt eine dunkle Kapuze.

Elke Mischling

Auch die visuelle Umsetzung nimmt diesen Zugang auf. Elke Mischling beschreibt ihre Bühnenbilder als Annäherung an den Schmerz, der der Erscheinung zugrunde liegt.

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