"Die Straße der Frauen": Frische Sicht auf legendäre Frauenfiguren
Mit „Die Straße der Frauen“ bringt die Theaterinitiative Burgenland gemeinsam mit dem Landestheater der Autor:innen ein Projekt zur Uraufführung, das verschiedene Frauenfiguren in den Mittelpunkt stellt. Premiere ist am 7. Mai im Offenen Haus Oberwart (oho.at).
„War die grausame Rosalia von Forchtenstein am Ende gar eine feministische Kämpferin?“
Schriftstellerin
Der Theaterabend, kuratiert von Peter Wagner und inszeniert von Valentina Himmelbauer, versteht sich als Spurensuche: Burgen, Ruinen und Ortsnamen werden zu Stationen, an denen überlieferte Geschichten neu befragt werden. Im Zentrum stehen Frauen, die als Tyranninnen, Geistergestalten oder historische Figuren tradiert wurden und bis heute Fragen aufwerfen. Was erzählt der Volksmund über sie? Und was steckt tatsächlich hinter ihren Legenden?
Brutale Feministin?
Den Auftakt des Theaterstücks bildet die Episode über Rosalia von Forchtenstein. Die Sage kennt sie als grausame Burgfrau, die während der Abwesenheit ihres Gemahls Bauern unterdrückt haben soll. In der Interpretation von Johanna Sebauer tritt sie als eine Figur auf, die das überlieferte Bild infrage stellt.
Das Stück beginnt mit einer Episode zu den Legenden von Burg Forchtenstein.
„Ein sensationshungriger Lokalreporter ist dem ganz großen Coup hinterher: ein Interview mit der seit Jahrhunderten als Sagengestalt durch das Burgenland geisternden Rosalia von Forchtenstein“, beschreibt Sebauer den Ausgangspunkt. Im Gespräch zeige sich, „dass das, was man sich heute über die blutrünstige Tyrannin erzählt, auch ganz anders gewesen sein könnte“.
War alles anders?
Das Projekt setzt damit bereits zu Beginn auf einen Perspektivenwechsel: Überlieferte Zuschreibungen werden nicht bestätigt, sondern hinterfragt. Die Figur Rosalia wird nicht nur als Teil einer Sage gezeigt, sondern als Ausgangspunkt für die Frage, wie Geschichten entstehen und weitergegeben werden. Sebauer dazu: „War die grausame Rosalia von Forchtenstein, unter deren Herrschaft die armen Bauern Hunger und Folter erlitten haben sollen, am Ende gar eine feministische Kämpferin?“
„War die grausame Rosalia von Forchtenstein am Ende gar eine feministische Kämpferin?“, fragt Schriftstellerin Johanna
Die Sage berichtet von Rosalie, die als herzlos beschrieben wird, während ihr Ehemann Fürst Giletus als gerecht galt. Während seiner Abwesenheit im Krieg habe sie die Herrschaft übernommen und die Bevölkerung unterdrückt. Bauern seien bestraft und im Turm eingesperrt worden.
Nach seiner Rückkehr erzählte Giletus bei einem Fest die Geschichte einer anderen grausamen Herrscherin, die er auf seinen Reisen kennengelernt hatte und die ihr Volk ähnlich unterdrückte wie Rosalie. Er ließ die Gäste und auch Rosalie über diese Herrscherin urteilen – alle forderten den Tod. Daraufhin vollstreckte der Fürst dieses Urteil auch an seiner eigenen Frau. Der Sage nach starb Rosalie im Turm.
In der Folge soll ihr Geist um den Turm gespukt haben. Einer Überlieferung zufolge wurde die Rosalienkapelle errichtet, um den Spuk zu beenden – tatsächlich soll danach Ruhe eingekehrt sein. 1997 gab die Post eine Sonderbriefmarke mit dem Motiv „Grausame Rosalia von Forchtenstein“ heraus.
Insgesamt wirken sieben Autorinnen, sechs bildende Künstlerinnen und eine Komponistin mit Live-Musik am Projekt mit. Drei Darstellerinnen führen durch die Episoden, die unterschiedliche theatrale Formen verbinden. „Die Straße der Frauen“ versteht sich nicht als historischer Rückblick, sondern als Auseinandersetzung mit Erzählungen und deren Wirkung. Das Burgenland wird dabei zur Bühne, auf der Geschichte, Mythos und Gegenwart miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Die weiteren Figuren, die im Stück behandelt werden, und die beteiligten Künstlerinnen werden in den Wochen bis zur Uraufführung im KURIER näher vorgestellt. Nach der Premiere im OHO sind weitere Aufführungen in Großwarasdorf und Eisenstadt geplant.
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