© Wammerl Patrick

Chronik Österreich
04/29/2021

Impftermine für alle freigeben? Wien will noch abwarten

Ab Mai öffnet Niederösterreich Impftermine für alle. Die anderen Bundesländer bleiben bei ihrer zurückhaltenderen Strategie.

von Johannes Weichhart, Elisabeth Holzer, Christian Willim, Josef Gebhard, Michael Pekovics

Für Patientenanwalt Gerald Bachinger ist es „ein Befreiungsschlag im Kampf gegen die Pandemie“, für ÖVP-Landeshauptfraustellvertreter Stephan Pernkopf „der Start des Impfturbos“: Als erstes Bundesland hat Niederösterreich am Mittwoch die Freischaltung von Impfterminen für alle Altersgruppen angekündigt

Den Anfang machen Termine für Personen ab dem 50. Lebensjahr, ab 5. Mai folgen Reservierungen für jene ab dem 40. Lebensjahr, ab 7. Mai für die Gruppe ab dem 30. Lebensjahr und ab 10. Mai für alle ab 16 Jahren. Insgesamt werden 326.000 Termine freigegeben, die Injektionen sollen bis Mitte oder bis Ende Juni stattfinden. Danach, betonten Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) und Impfkoordinator Christof Constantin Chwojka, sollen jene überzeugt werden, die einer Impfung noch skeptisch gegenüber stehen.

Zwar werden sich trotz der Freischaltung der Termine viele noch mehrere Wochen gedulden müssen. Hinter den Kulissen wurde aber betont, dass für die Menschen die Planbarkeit eine wichtige Rolle spiele. „Zum Beispiel wenn es um den Sommerurlaub geht“, heißt es.

Dass in Niederösterreich nun aber schneller geimpft wird als im übrigen Österreich, scheint dennoch fraglich: Die Zuteilung der Impfstoffe erfolgt nämlich nach der Zahl der Einwohner.

Entsprechend verwundert reagiert der Impfkoordinator der Steiermark, Michael Koren: „Wir laden erst zu Terminen ein, wenn ich fix weiß, ich habe den Impfstoff.“ Er könne bloß für zwei Wochen definitiv planen, beschreibt Koren: „Bei uns ist jeder Termin fix mit Impfstoff hinterlegt. Sicher, ich kann umstellen und Termine für die jetzt noch 180.000 Registrierten freigeben. Aber dann kann’s passieren, dass ich Zehntausende Termine wieder absagen muss, weil ich den Impfstoff einfach nicht habe. Das ist das Risiko, das Niederösterreich jetzt geht.“ In der Steiermark werden derzeit die 50- bis 65-Jährigen sowie Risikogruppen geimpft.

Die Ankündigung Niederösterreichs hat in sozialen Netzwerken sofort die Debatte entfacht, warum es dort schneller geht, als anderswo – etwa in Wien. Dort denkt man derzeit aber nicht daran, NÖ zu folgen. „Dafür steht aktuell einfach nicht genug Impfstoff zur Verfügung“, sagt ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Dies werde wohl erst im Juni der Fall sein. Aktuell konzentriert man sich daher beim Impfen auf die über 65-Jährigen und bestimmte Berufsgruppen, die einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Keine Nachahmer

Ähnlich argumentiert das Burgenland, wo man sich ohnehin schon immer für eine Impfung vormerken konnte. „Unser System kann beides: Anmeldungen entgegennehmen und Einladungen verschicken“, heißt es aus dem Büro von SPÖ-Landeschef Hans Peter Doskozil. Somit folgt kein anderes Bundesland dem niederösterreichischen Weg.

In Tirol werden Termine erst vergeben, „wenn wir zu 100 Prozent wissen, dass der Impfstoff zur Verfügung steht. An diesem Weg werden wir weiter festhalten“, versichert ein Sprecher des Landes: Es gehe darum, Unannehmlichkeiten zu vermeiden, wenn zugesagte Lieferungen nicht halten.

„Kurzfristig, aber dafür sicher“, lautet auch weiter das Motto in Vorarlberg. Das Land Oberösterreich wechselt ebenfalls nicht zur Freigabe: Grund dafür sind die immer nur für zwei Wochen verbindlich zugesagten Lieferungen. „Unser Weg ist hier verlässlicher, weil wir wissen: Bei jeder Einladung können wir den Impfstoff garantieren“, begründet ÖVP-Gesundheitsreferentin Christine Haberlander. Im Mai stehen die über 50-Jährigen im Fokus.

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