© Land Tirol/Gerhard Berger

Analyse
05/27/2021

Impffortschritt macht Corona-Teststraßen zum Auslaufmodell

Vorarlberg baut als erstes Bundesland die Gratistest-Infrastruktur zurück. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis andere folgen.

von Christian Willim, Marlene Penz, Kevin Kada, Josef Gebhard

Es begann als einmalige Aktion und wurde zur Dauereinrichtung. Mit einem Massentest wollte die Bundesregierung im vergangenen Dezember Corona-Infizierte ohne Symptome vor dem Weihnachtsfest herausfischen. Allein: Die Massen waren nicht recht zu begeistern.

Erst als im Februar die Friseure wieder an die Scheren durften, ihre Kunden aber nur mit negativen Tests Einlass bekamen, gab es einen Ansturm auf die Gratistests in den Screeningstraßen.

In Wien wird auch gegurgelt. Aber die in allen Bundesländer von Behördenseite angebotenen Antigentests sind seit Monaten das Grundgerüst im Pandemiemanagement. Mit den an Zutrittstest geknüpften Lockerungen stiegen die Zahlen nun noch einmal sprunghaft an:

In den sieben Tagen vor dem 19. Mai wurden in ganz Österreich rund 1,4 Millionen Abstriche bei Ärzten und den Teststationen der Länder und Gemeinden durchgeführt. In der Woche ab dem Öffnungstag wurden dann etwas mehr als zwei Millionen Antigentests registriert (plus 46 Prozent). Der Tagesschnitte kletterte von 203.000 auf fast 300.000 Tests.

Effekt des Impffortschritts

Da scheint die Entscheidung, die Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) am Dienstag verkündete, zunächst verwunderlich. Das Angebot an öffentlichen Testmöglichkeiten wird in der Modellregion, die bei Öffnungen und Zutrittstests als Versuchslabor diente, in den kommenden Monaten schrittweise zurückgefahren.

Die Gruppe der Geimpften und der Genesenen sei in Vorarlberg bereits sehr groß. "Und die werden künftig keine Tests mehr benötigen", erklärte Wallner. Das trifft freilich auf ganz Österreich zu. "Es ist logisch, dass man in den kommenden Monaten mit den Testkapazitäten zurückfahren kann", sagt auch Tirols Corona-Einsatzleiter Elmar Rizzoli auf Nachfrage.

Im Osten Österreichs gibt man sich vorerst noch zurückhaltender. In Wien wird vorerst noch nicht ans Zurückfahren gedacht. "So lange geimpft wird, braucht es die Tests noch", heißt es von der Stadt Wien.

"So lange der Bund vorschreibt, dass es das Angebot braucht, werden wir es aufrecht erhalten", erklärt auch das Büro von Niederösterreichs Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Klar sei aber auch: Wenn immer mehr geimpft sind, sei damit zu rechnen, dass die Gemeinden sich anpassen.

Eine Frage der Kosten

Das Anbieten von kostenlosen Antigentests an Screeningstraßen ist jedoch nicht nur eine Frage von Angebot und Nachfrage. Das Aufrechterhalten der Infrastruktur bindet riesige Personalressourcen von Landes- und Gemeindebediensteten und der Blaulichtorganisationen. Und wie es in Vorarlberg vorerst nur hinter vorgehaltener Hand heißt: "Auf Dauer ist das auch nicht zu bezahlen."

Die Kosten holen sich die Länder zwar vom Bund zurück, letztlich handelt es sich aber um Steuergeld. Noch liegen die Kosten für die Massentestungen nicht final am Tisch. Aber allein über die Schiene über die Apotheken (sie erhalten 25 Euro pro Test) und der Betriebe (10 Euro pro Test) sind bis Mittwoch 182,8 Millionen Euro zusammengekommen.

Die Zahl der über die Länder abzurechnenden Antigentestungen ist mit 29,6 Millionen mehr als drei Mal so hoch. Hier gibt es keine fixen Sätze; der Bund bezahlt nach den anfallenden Kosten. Allein NÖ hat für Antigentestungen rund 15 Millionen Euro in Rechnung gestellt. Die Kosten für 5 Millionen Stück Nasenbohrertest – angeschafft für die Ausreisetestungen – will man sich ebenfalls zurückholen, heißt es: Noch einmal 20 Millionen Euro.

Nicht unbedingt gratis

Wie lange die öffentliche Hand diese Kosten tragen wird, ist noch offen. Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner hat aber bereits klar gemacht, dass es für ihn nicht in Stein gemeißelt ist, dass die Antigentests für immer gratis sind.

Das Gesundheitsministerium ließ eine Anfrage dazu am Mittwoch vorerst unbeantwortet. Was das Testangebot an sich betrifft, hieß es, dass "aktuell kein Rückbau" geplant sei. Was die Nachfrage betrifft, ist man aber ebenfalls der Ansicht: "Wenn man sich die Zahl der Geimpften und Genesenen anschaut, wird das dazu führen, dass sich weniger Menschen testen lassen."

Das Ausdünnen des Angebots, wie es nun in Vorarlberg beginnt, hat jedenfalls bereits einen Verlagerungseffekt im Visier. Wer nicht an jeder Ecke eine Teststation findet, wird eher auf die Wohnzimmertests ausweichen, so das Kalkül. Die sind nun in ganz Österreich als Eintrittskarten für Wirtshäuser und Veranstaltungen zugelassen. Und, da ohne Personal abzuwickeln, das billigste System. Daneben garantiert auch die Apothekenschiene ein breitflächiges Testangebot – auch ohne große Screeningstraßen der Behörden.

Gratistests für Urlauber?

Wem das alles zu mühsam ist, dem bleibt immer noch das Impfen – und schon wieder ein Kunde weniger für die Teststraße. Die Debatte, ob die öffentliche Hand auf Dauer Tests für Impfverweigerer bezahlen soll, hat bislang noch keiner zu eröffnen gewagt.

Die Tiroler Liste Fritz hat im Landtag zuletzt jedoch bereits eine ähnliche Frage im Tourismusbundesland aufgeworfen. "Wie kommen die Steuerzahler aus Tirol und Österreich dazu, jedem Urlauber diese Antigen-Tests zu bezahlen", so der Abgeordnete Markus Sint.

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