Chronik | Österreich
18.01.2019

Hofreitschule: Warum Sonja Klimas Ernennung Rücktritte auslöst

Der Beirat tritt zurück und spricht von Postenschacher, jetzt ist auch ein Aufsichtsratsmitglied weg.

„Ausübung und Bewahrung der klassischen Reitkunst („Hohe Schule“), traditionsgemäße Zucht der Pferderasse Lipizzaner, Bereitstellung bestgeeigneter Hengste für die Spanische Hofreitschule, Vertretung in nationalen und internationalen Organisationen sowie Belangen.“

Diese Fähigkeiten werden in der Ausschreibung des Geschäftsführers der Spanischen Hofreitschule definiert. Sonja Klima, die am Donnerstag vom Aufsichtsrat zur neuen Chefin der Hofreitschule ernannt wurde, erfülle die Kernkriterien der Ausschreibung nicht, sagt der Fachbeirat der Hofreitschule, der am Freitag sein Mandat zurückgelegt hat. „Nur einer der Kandidaten erfüllt diese Anforderungen, und das ist Bereiter Herwig Radnetter, der seit 42 Jahren an der Spanischen Hofreitschule arbeitet und seit 2012 als Leiter der Reitbahn tätig ist“, heißt es in einem Brief des Beirates an das zuständige Landwirtschaftsministerium, in dem wörtlich von „Postenschacher“ die Rede ist.

"Warum eigentlich, Herr Lang?"

Nach dem Fachbeirat tritt nun auch Ex-ÖVP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein von seinem Aufsichtsratsmandat zurück, wie die Kleine Zeitung berichtet.

Laut Beiratsmitglied wurde Druck ausgeübt

Warum sich der Aufsichtsrat am Donnerstag nicht für den bestgereihten Kandidaten entschieden habe? Michael Enzinger, Präsident der Rechtsanwaltskammer und Beiratsmitglied, sagt im KURIER-Gespräch, dass seitens des Landwirtschaftsministeriums Druck auf den Aufsichtsrat ausgeübt worden sei. Wer diesen ausgeübt habe, sagt er nicht. Nur so viel: Dass, wie kolportiert, gute Kontakte zwischen Sonja Klima und Philippa Strache, Vizekanzler-Gattin und FPÖ-Zuständige für Tierschutz dahinterstecken könnten, hält er für „denkmöglich“. Andere Quellen wollen wissen, dass sich Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) für Klima eingesetzt habe, ihr sei es wichtig gewesen, eine Frau an der Spitze der Hofreitschule zu haben. Eine Vertraute von Klima weist die Vorwürfe zurück: „Sonja Klima kennt Philippa Strache gar nicht. Dass politische Verflechtung unterstellt wird, ist lächerlich. Auch frühere Hofreitschul-Chefinnen hatten gute politische Kontakte.“

Aufstand in der Spanischen Hofreitschule

Elisabeth Gürtler hatte die nötige Qualifikation“, sagt Enzinger. „Sie war vor ihrer Managertätigkeit Vizestaatsmeisterin im Dressurreiten.“ Laut Presse ortet Klima eine Intrige, es sei Zeit für einen Neuanfang in der Hofreitschule.

Tierliebe genügt nicht

„Das Bewerbungsspektrum war bunt und leicht auf drei Personen zu konzentrieren, Tierliebe alleine genügt nicht. Für Verkauf und Marketing hatten wir die Kompetenz nicht im Haus, für das Reiten schon. Deshalb ist die Wahl auf Sonja Klima gefallen. Für die Finanzen und das Gestüt Piber ist weiterhin der zweite Geschäftsführer Erwin Klissenbauer zuständig.“ So erklärt Johann Marihart, Agrana-Chef und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hofreitschule die Entscheidung für Klima. In den Bewerbungsunterlagen Klimas heißt es unter anderem: „Für die Lipizzaner habe ich mich immer besonders interessiert und habe viele Reitvorführungen besucht.“

Den Beirat, dem außerdem Klaus Haim, Präsident des Tiroler Pferdesportverbandes und Dressur-Olympiasiegerin Elisabeth Max-Theurer angehören, beeindruckt das nicht: „Mit Sonja Klima wurde nun eine rein politische Entscheidung getroffen, die bereits zu zahlreichen kritischen Stellungnahmen im In- und Ausland geführt hat. Hier wird einer international einzigartigen Institution ein langfristiger Schaden zugefügt. Es schadet der Spanischen Hofreitschule, der klassischen Reitkunst und dem internationalen Ansehen unseres Landes.“

Sonja Klima ist Chefin der Hofreitschule