Chronik | Österreich
30.10.2018

Hochwasser in Kärnten: 10.000 Haushalte ohne Strom

Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden, Tausende Haushalte waren ohne Strom.

Die Hochwassersituation hat sich am Montagabend in Kärnten immer weiter zugespitzt. Die ganz große Katastrophe ist in der Nacht auf Dienstag aber vorerst ausgeblieben. Zwar war die Situation in Möllbrücke in den frühen Morgenstunden nach wie vor sehr angespannt, unzählige Straßen im ganzen Land wegen des Wassers oder umgestürzter Bäume gesperrt und 10.000 Haushalte ohne Strom. Lavamünd blieb von der ganz großen Flut aber verschont.

Video: Dramatische Hochwasserlage in Kärnten

Am Montagabend waren sowohl die Gail als auch die Möll an mehreren Stellen über die Ufer getreten, dazu kam der heftige Sturm, der zahlreiche Bäume umstürzen ließ. Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden, Tausende Haushalte waren ohne Strom.

Hauptursache für die Stromausfälle waren die Sturmböen, wie Kelag-Sprecher Josef Stocker am Abend gegenüber der APA erklärte. Stromausfälle gab es im Mölltal, im Lesach- und im Gailtal sowie im oberen Drautal, aber auch im Lavanttal im Bezirk Wolfsberg. Im Bereich zwischen Oberdrauburg und Drauhofen im Bezirk Spittal waren aber nicht die Sturmböen verantwortlich, sondern Stromabschaltungen, die aufgrund des ständig steigenden Wassers vorgenommen werden mussten, um verheerende Kurzschlüsse zu vermeiden.

Man arbeite intensiv daran, durch Umschaltungen und Reparaturarbeiten die Versorgung wieder herzustellen, sagte Stocker. Allerdings würden die Monteure aufgrund der Straßensperren teils gar nicht zu den Stellen vordringen können, wo die Leitungen beschädigt waren.

Zivilschutzalarme in Spittal

Der Sturm war auch Auslöser für mehrere Zivilschutzalarme im Bezirk Spittal. Zuerst wurde der Alarm im oberen Drautal und im oberen Mölltal ausgelöst, gut eine Stunde später war es in Flattach und Obervellach soweit. Auch im Bezirk Klagenfurt-Land waren die Feuerwehren am Abend im Großeinsatz, Sturmschäden wurden aus dem Gemeinden Krumpendorf, Pörtschach, Techelsberg und Schiefling gemeldet.

In Möllbrücke in Oberkärnten und in Lavamünd nahe der slowenischen Grenze herrschte indes noch immer Hochspannung, die höchsten Pegelstände samt Überflutungen wurden für die frühen Morgenstunden erwartet. In Möllbrücke stieg der Wasserstand praktisch minütlich, auch die Zuflüsse der Möll traten teilweise schon am Abend über die Ufer. Knapp vor 23.00 Uhr wurde beim Messpunkt Annabrücke östlich von Klagenfurt eine Durchflussmenge von bereits mehr als 1.400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde registriert. Nach den Prognosen musste man in Lavamünd mit maximalen Wassermengen von rund 2.000 Kubikmeter pro Sekunde rechnen.

Die Mölltalbundesstraße war in mehreren Abschnitten gesperrt, dazu kamen Dutzende Landes- und Gemeindestraßen in fast allen Bezirken Kärntens. Zur Gänze verschont blieben eigentlich nur die Bezirke St. Veit/Glan und Feldkirchen.

Polizistin verletzt

In Velden rückte eine Polizeistreife wegen eines umgestürzten Baums auf der Köttmannsdorfer Landesstraße aus, dabei wurde das Polizeiauto von einem weiteren umstürzenden Baum getroffen und schwer beschädigt. Die beiden konnten das Fahrzeug nur noch auf der Fahrerseite verlassen, eine 25 Jahre alte Polizistin musste verletzt im LKH Villach behandelt werden, ihr 58-jähriger Kollege erlitt leichte Verletzungen.

In Rattendorf im Gailtal gab es in der Nacht Großalarm, weil ein Damm gebrochen war, 15 Häuser mussten evakuiert werden. Das Lesachtal war auch in der Früh wegen Vermurungen noch von der Außenwelt abgeschnitten. Die Bevölkerung des eigentlich als am gefährdetsten eingestuften Lavamünd blieben vorerst verschont. Laut Verbund-Sprecher Robert Zechner gelinge es vorerst, die Hochwasserwelle über den Völkermarkter Stausee abzupuffern. Derzeit lasse man rund 1.550 Kubikmeter Wasser pro Sekunde nach Lavamünd durch, ob die Kapazitäten des Stausees für die Wassermassen reichen würden, sei aber noch nicht ganz sicher.

In Osttirol mussten die ÖBB am Abend nach der Einstellung des Zugsverkehrs auch den Busbetrieb einstellen. Damit war auch kein Schienenersatzverkehr mehr möglich, laut Angaben von ÖBB-Sprecher Christoph Posch dürfte der Busverkehr auch am Dienstag mindestens bis 10.00 Uhr vormittags eingestellt bleiben. Ein Ende bzw. Nachlassen der Regenfälle war für den Dienstag vorhergesagt.