© Daniel Schollar

Chronik Österreich
05/04/2020

Heute geht die Miliz in den "Corona-Einsatz"

Ab heute wird es für rund 2.300 Milizsoldaten des Bundesheers ernst: Sie gehen in den „Corona-Einsatz“.

von Armin Arbeiter

"Schon die erste Milizübung hat uns zusammengeschweißt“, sagte Jürgen Nolz im Gespräch mit dem KURIER vor etwa einem Jahr. Damals gehörte der 30 Jahre alte Student der Jägerkompanie Tulln, einer selbstständig strukturierten Milizeinheit des Bundesheeres an. Mittlerweile durchläuft Nolz die Ausbildung zum Milizoffizier. Seine Motivation: im Ernstfall für sein Land da zu sein.

Während der Niederösterreicher derzeit das Führen von Menschen lernt, bereitet Frau Hauptmann Anna Kaiser ihre "Tulln" auf den ersten Milizeinsatz in der Geschichte der Zweiten Republik vor. Ab heute werden rund 2.300 Soldatinnen und Soldaten in den "Corona-Einsatz" gehen, die Jägerkompanie Tulln ist Teil des Aufgebots.

"Bestens vorbereitet"

"Wir sind bestens vorbereitet, ein eingespieltes Team", sagt die Kompaniekommandantin im KURIER-Gespräch. Bereits drei Milizübungen haben die etwa 180 Soldaten in nicht einmal vier Jahren hinter sich gebracht, treffen sich jedoch regelmäßig zu Seminaren und Schulungen.

Das ist in Anbetracht der Tatsache, dass Milizeinheiten im Regelfall alle zwei Jahre gemeinsam üben, bemerkenswert.

"Bei den Soldaten herrscht größte Motivation darüber, dass es jetzt wirklich in den Einsatz geht. Vor allem freut sie die Wertschätzung für den Fleiß, den sie in den vergangenen Jahren aufgeboten haben und dass sie jetzt zeigen können, was sie können“, sagt Kaiser.

Hauptaufgabe der "Tulln" ist der Schutz kritischer Infrastruktur in der Region. Da der Großteil der Soldaten aus dem Großraum Tulln kommt, kennen sich viele aus dem privaten Leben – mit ein Grund, warum die Kameradschaft so gut funktioniert.

Enge Kommunikation

Durch die enge Kommunikation innerhalb der Kompanie gibt es einen guten Überblick über die Stimmungslage – für Kaiser eine Notwendigkeit: "Wenn es Fälle gibt, wo es für die Soldaten schwierig wird, können wir sofort eingreifen und unterstützen. Doch genau diese Unterstützung haben die Männer bereits in den Übungen gezeigt."

Beispielsweise, als bei einer Übung zwei ABC-Schutzmasken abhanden kamen: "Sofort haben alle zusammengelegt, um den Schaden zu ersetzen, sodass niemand auf den ganzen Kosten sitzen bleibt", erzählt Kaiser. Genau das habe sie 2017 endgültig davon überzeugt, die Jägerkompanie zu führen.

Vorbereitungen

Kaiser, die im zivilen Leben seit 2015 an der Donau-Universität Krems für Kulturgüterschutz zuständig ist und dort einige EU-Projekte leitet, musste nach ihrer Matura die Ausbildung zum Berufsoffizier verletzungsbedingt abbrechen. Aber als es für sie möglich war, Milizsoldatin zu werden, schlüpfte sie wieder in die Uniform.

"Jetzt werde ich noch genügend Vorarbeit leisten, damit die Projekte in den Monaten des Einsatzes gut über die Bühne gehen“, sagt die 33-jährige Niederösterreicherin. Drei Wochen wartete die Jägerkompanie Tulln, ob auch sie für den Einsatz aufgeboten wird. Kaiser: "Auch bei den Kameraden hat sich Erleichterung breitgemacht, als Klarheit herrschte. Jetzt wissen wir alle, was wir zu tun haben und regeln das berufliche Leben – das wird alles funktionieren."

Auch Oberleutnant Florian Weinkamer wird ab 4. Mai für drei Monate die olivgrüne Uniform anziehen. Der 27 Jahre alte Richteramtsanwärter unterbricht seine Ausbildung, um einen Zug der dritten Kompanie des Jägerbataillons "Erzherzog Rainer“ aus Salzburg in den Einsatz zu führen.

Erfahrung hat der Salzburger bereits: Von 2012 bis 2013 war er Teil der UN-Mission am Golan. Sorge, dass er seine Ausbildung nicht beenden kann, hat Weinkamer keine: "Es sind alle sehr verständnisvoll, das funktioniert Gott sei dank.“

Auf den Einsatz freut er sich: "Es ist eine historische Angelegenheit, bei der ersten Miliz-Aufbietung dabei zu sein.“ Für den Weg des Milizoffiziers entschied sich Weinkamer in seinem letzten Schuljahr – statt der sechs Monate Grundwehrdienst diente er nach seiner Matura als "Einjährig Freiwilliger“.

"Wir sind bereit"

"Ich wollte eine intensive militärische Ausbildung genießen und habe mich deswegen dafür gemeldet", sagt er. Während seines Studiums absolvierte er die notwendigen Laufbahnkurse zum Zugskommandanten. "Unsere Kompanie ist definitiv bereit für diesen Einsatz. Es spricht für unsere Leistungen der vergangenen Jahre, dass wir ausgewählt wurden und mit der entsprechenden Vorbereitung werden wir unsere Aufgabe zu aller Zufriedenheit durchführen", ist Weinkamer überzeugt.

Hohes Maß an Vertrauen

Von den Übungen kenne und verlasse man sich aufeinander, auch das Kompaniekommando genießt Weinkamers vollstes Vertrauen. Ein Vertrauen, das auch die Bevölkerung in die Soldaten der Miliz setzt: 88 Prozent befürworten den Einsatz.

 

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