Chronik | Österreich
06.07.2018

Grazer Olympia-Pläne abgestürzt

Keine Winterspiele: Das Österreichische Olympische Komitee zog Bewerbung für 2026 überraschend zurück

Gerade noch hat sich die Landesregierung Freitagvormittag die Formulierung der Volksbefragung abgerungen, mit der die Steirer am 23. September über Winterspiele 2026 entscheiden sollten. Vier Stunden später war diese hinfällig: Das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) gab bekannt, die Bewerbung für die Winterspiele 2026 zurückzuziehen.

Das kam überraschend. ÖOC-Präsident Karl Stoss wollte offensichtlich so einer möglichen zweiten Blamage Österreichs vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zuvorkommen. Das hat viel mit der steirischen Landesregierung zu tun. Deren Skepsis gegenüber Winterspielen wurde zuletzt immer deutlicher formuliert, auch wenn kein Vertreter der schwarz-roten Regierungsmannschaft offen „nein“ gesagt hätte.

Aber das war auch nicht nötig, die Botschaft zwischen den Zeilen war deutlich genug. Wiederholt betonte SPÖ-Finanzlandesrat Anton Lang, das Land habe kein Geld für Spiele übrig. Am Montag verkündete ÖVP-Personallandesrat Christopher Drexler, dass es eine steiermarkweite Volksbefragung geben werde. Am Dienstag beschloss der Landtag, das Land werde keinerlei Haftung übernehmen. Freitagvormittag setzte die Landesregierung einen Seitenhieb drauf: Das Wirtschaftsforschungsinstitut sollte beauftragt werden, die Machbarkeitsstudie zu „Graz 2026“ nachzurechnen. Die geht davon aus, dass „ Olympia 2026“ nicht mehr Geld kosten werde als jenes, das das IOC springen lässt. Diese Zahlen müssten erst „plausibilisiert“ werden, monierte die Landespolitik.

Unterstützung fehlt

Das war dem ÖOC dann um einen Misston zu laut. Präsident Stoss, dessen ÖOC die Bewerbung für „Austria 2026“ offiziell einbrachte, zog zurück. „Das OÖC muss aufgrund der derzeit herrschenden politischen Diskussion mit großem Bedauern feststellen, dass ein klares politisches Bekenntnis beziehungsweise eine entsprechende Unterstützung durch die steirische Landesregierung bis heute nicht erfolgt ist“, hielt Stoss fest. „Unter diesen Umständen ist ein Projekt dieser Dimension nicht umsetzbar und international kaum vertretbar.“ Das Risiko, ein zweites Mal „Nein“ bei einer Volksbefragung der Bewohner wie in Tirol im Herbst 2017 zu kassieren, schien auch durch die mangelnde Euphorie der Landesspitze offenbar zu groß.

Damit sind die Olympiapläne der ÖVP-Bürgermeister von Graz und Schladming, Siegfried Nagl und Jürgen Winter, geplatzt. Für Nagl ist die Abfuhr auch eine politische Blamage: Die Landes-ÖVP übernahm die Oberhand mit der Idee eines steiermarkweiten Votums. Nagl dagegen wehrte sich gegen eine Olympia-Volksbefragung in Graz.

Im Stich gelassen

Entsprechend gereizt wirkte Nagl am Freitag. Er ätzte über die „Verwalterkaste unter den Politikern“ die nur kritisiere und Nein sage: „Graz, Schladming und die Wintersportgemeinden wurden im Stich gelassen.“ Die bekrittelte Machbarkeitsstudie sei „wider besseren Wissens aus politischen Gründen“ angezweifelt worden, manche hätten sie gar nicht gelesen. Wen er damit meint, ließ Nagl offen, zischelte aber in Richtung KPÖ, Grünen und Landes-SPÖ: Deren „Achse der perspektivenlosen Neinsager“ habe sich durchgesetzt. Seine eigene ÖVP ließ Nagl außen vor, obwohl die Idee, die Studie nachzuprüfen, von Parteifreunden verbreitet wurde.

Grüne und KPÖ jubelten am Freitag. Die SPÖ ebenso, wenn auch nicht so offen. Immerhin, so merkte SPÖ-Finanzreferent Lang an, erspare man sich die Kosten für die Volksbefragung.