Chronik | Österreich
02.02.2018

Volksbefragung: Olympia-Nein "für mich nicht bindend"

Grazer Stadtchef Siegfried Nagl würde Bewerbung für Olympische Spiele auch bei "Nein"-Votum weiter verfolgen.

Am 15. März fällt im Grazer Gemeinderat ein entscheidender Beschluss: Mit ÖVP-FPÖ-Mehrheit wird die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026 abgesegnet. Graz soll als Gastgeberstadt fungieren, die einzelnen Bewerbe sollen auch in anderen Städten und Bundesländern stattfinden. So plant es der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, ÖVP.

KURIER: Warum wollen Sie keine Volksbefragung zuvor?

Siegfried Nagl: Ich hab’ den steirischen herbst auch nie befragen lassen. Außerdem geht da gar keine Volksbefragung, dann musst du auch überall anders eine machen, in Kärnten, in Salzburg.

Die KPÖ sammelt Unterschriften für eine Volksbefragung.

Das habe ich sowieso erwartet, dass die KPÖ populistisch gegen etwas ist. Ihre große Schwester in Peking, von der Partei aus betrachtet, hat sicher auch nie eine Befragung gemacht.

Wenn es aber genügend Unterschriften gibt, die Volksbefragung stattfindet und mit "Nein" endet - was tun Sie?

Wenn ein paar Tausend Grazer mit falschen Informationen hingehen und sich dann eine Mehrheit dagegen ergibt, wäre das für mich nichts Bindendes.

Weshalb überhaupt die Eile mit 2026? Nur, weil Innsbruck abspringen musste?

Daraus hat es sich ergeben, ja. Das war eine vertane Chance für Österreich, die würde ich gerne nützen. Das IOC wünscht sich Spiele für Menschen, wo schon Anlagen stehen und der Wintersport zuhause ist. Dass wir das auf die Beine stellen können, haben wir mit den Special Olympics gesehen. Da sind gleich viele Sportler wie bei den Winterspielen.

Wo liegt der Nutzen für Graz? In der Werbung?

Ich glaub’ an solche Chancen. Ich weiß noch, wie viele die Nase über die Kulturhauptstadt 2003 gerümpft haben. Aber Graz hat mit Großveranstaltungen noch immer einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. Innsbruck profitiert noch heute davon, Olympiastadt zu sein.

Bei der Volksabstimmung kam trotzdem ein "Nein" heraus.

Eh traurig. Dort konnte man das nicht so richtig darstellen. Da war eine falsche Diskussion um die Frage, was kann man mit einer Milliarde Euro sonst noch machen? Aber sie haben diese Milliarde ja nie gehabt.

Allein die Bewerbung soll neun Millionen Euro kosten. Wofür ist das Geld eigentlich?

Innsbruck hatte 14 Millionen dafür veranschlagt, das erscheint mir zu viel. Jetzt geben wir einmal vier Seiten ab, dass wir Interesse haben. Damit haben wir im Moment noch null Kosten. Danach haben wir ein dreiviertel Jahr Zeit für die eigentliche Bewerbung. Da geht es dann um Konzepte, Machbarkeitsstudie, Büroinfrastruktur, Medienbetreuung, weltweite Werbung.

Die Tiroler Machbarkeitsstudie kalkulierte mit 1,2 Milliarden Euro an Kosten. Aber bisher wurden alle Spiele stets teurer als geplant.

Dann sind wir die Ersten, die das einhalten. Es hat noch kein Projekt gegeben, bei dem ich nicht die Kostenprognose eingehalten hätte.

An Bürgern und Bewerbung gescheitert

Eine "riesige Chance für die Zukunft des Landes Tirol" witterte Landeshauptmann Günther Platter im Herbst 2016. Da kündigte er gemeinsam mit Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer eine Studie an, die klären sollte, ob Winterspiele 2026 für Tirol machbar wären. Ob die Bevölkerung über eine Bewerbung abstimmen sollte, hielt man sich zunächst noch offen.

Ein Jahr später, im Oktober 2017, ging dann doch eine Volksbefragung über die Bühne. Trotz eines Konzepts, das "redimensionierte" und "ökologische" Spiele abseits von Gigantomanie vorsah, erteilten 53 Prozent der Bürger dem Projekt eine Absage. Nicht nur in der bekannt olympia-kritischen Stadt, sondern auch am Land ging das Votum mit Nein aus.

Daran konnten auch eine kostspielige PR-Kampagne und eine Studie, die das Vorhaben als machbar bewertete, nichts ändern. Im Olympia-Strohfeuer verbrannte rund eine Million Euro. Bei der Bevölkerung wollte der Funke nicht überspringen.

In Salzburg sind die fünf Ringe ebenfalls ein leidiges Thema. Im Gegensatz zu Innsbruck brannte in der Mozartstadt aber nie das olympische Feuer. Die Bemühungen um die Winterspiele 2010 und 2014 verliefen jeweils erfolglos. Vor allem die letzte Bewerbung wirkte lange nach. Dubiose Zahlungen an einen undurchsichtigen Förderverein beschäftigten mehr als ein Jahr lang einen U-Ausschuss des Landtags.

Einen besonders bitteren Beigeschmack hat die gescheiterte Bewerbung für die Spiele 2014 wohl für den zurückgetretenen Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ). Erwin Roth, der als Olympia-Strategieberater geholten worden war, will bei der Vergabe 2007 in Guatemala ein Gespräch zwischen Schaden und der damaligen Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) mitgehört haben, als es um die Übernahme von faulen Finanzgeschäften der Stadt durch das Land ging. Die Aussage Roths trug maßgeblich zur erstinstanzlichen Verurteilung Schadens im vergangenen Juli bei.