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Chronik Österreich
05/16/2021

Grand Semmering: Denkmalhüter bremsen den Hotel-Turbo

Der Grazer Hotelier Florian Weitzer will 1909 errichtetes Gebäude neu eröffnen, doch der Bau liegt im UNESCO-Weltkulturerbe.

von Patrick Wammerl

Der vernichtende Bericht des Denkmalrats ICOMOS zum umstrittenen Wiener Heumarkt-Projekt hat Immo-Entwicklern das Fürchten gelehrt. Sogar der UNESCO-Weltkulturerbe-Status stand für Wien auf dem Spiel.

Nun schauen die Denkmalhüter mit Argusaugen auf den Semmering (NÖ). Denn dort plant – zur großen Freude der gesamten Tourismusregion – Hotelier Florian Weitzer Großes. Der Grazer Unternehmer hat 2019 eines der beeindruckendsten Bauwerke im Kurort gekauft und will dem altehrwürdigen Kurhaus neues Leben einhauchen. Allerdings steht der 1909 errichtete Monumentalbau nicht nur auf Landschafts- und EU-Schutzgebiet, sondern auch mitten im UNESCO-Weltkulturerbe Semmeringbahn.

Das bedeutet, dass auch nur jede kleinste bauliche Veränderung über den Tisch von Sachverständigen und Denkmalschützern muss und den Sanktus diverser Behörden benötigt. Für jemanden, der 40 Millionen Euro in ein Hotelprojekt investieren und den Semmering aus dem touristischen Dornröschenschlaf wecken will, sind das keine idealen Voraussetzungen, sagt der Geschäftsführer der Weitzer-Hotelgruppe, Michael Pfaller.

Für das Grand Semmering, wie das Haus in Anlehnung an Weitzers Grand Wiesler in Graz und das Grand Ferdinand in Wien heißen wird, sind zwei Zubauten eingereicht. Zum einen für eine Wellness-Landschaft und zum anderen für ein unterirdisches Parkdeck. „Die Umwidmung dafür ist gestartet, aber es ist ein langwieriger Prozess“, erklärt Semmerings Bürgermeister Hermann Doppelreiter. Auch er hätte aus touristischer und wirtschaftlicher Sicht das neue Hotel-Flaggschiff lieber heute als morgen, aber die komplizierten Behördenwege seien nun einmal einzuhalten.

180 Tierarten

Alleine was den Artenschutz am Semmering anbelangt, müssen Gutachter beurteilen, ob die Umbauten keine der 180 Tierarten in dem Landschaftsschutzgebiet negativ beeinflusst. „Es muss ganz genau nachgewiesen werden, dass das Projekt keine negativen Auswirkungen auf das UNESCO-Weltkulturerbe hat“, erklärt Doppelreiter. Was den Naturschutz anbelangt, läuft die Begutachtung der Sachverständigen von März bis Oktober. Coronabedingt fängt auch die UNESCO mit einigen Monaten Verspätung mit ihrer Arbeit an. Der Aufwand könnte nicht größer sein. Insgesamt sind sechs internationale Experten mit der Beurteilung beauftragt. „Wir rechnen damit, dass diese Verfahren das gesamte Jahr 2021 in Anspruch nehmen. Wir hängen damit leider in der Warteschleife“, sagt Pfaller. Grundsätzlich gehe man allerdings von einer positiven Beurteilung aus. An der Außenhülle des Prachtbaus soll so wenig wie möglich verändert werden und der typische Charakter des Kurhauses erhalten bleiben. Die Geschichte des Hauses spielt auch für Florian Weitzer eine wesentliche Rolle.

Das Kurhaus Semmering ging 2019 an die Unternehmensgruppe des Grazer Hoteliers Florian Weitzer. Mit 450 Mitarbeitern betreibt er fünf Hotels und fünf Restaurants


Das Haus wurde nach den Plänen der Architekten Franz von Krauß und Josef Tölk zwischen Historismus und Moderne fertiggestellt und war für 120 Gäste konzipiert. Mit Südbahnhotel und Panhans war es eines der drei Top-Hotels am Semmering. 1909 erfolgte die Eröffnung

Berühmte Gäste

Künstler wie Arthur Schnitzler, Anna Mahler, Franz Werfel oder Max Reinhardt zählten in der Zeit der österreich-ungarischen Monarchie und zwischen den beiden Weltkriegen zu den berühmten Gästen des Hotels. „Kunst und Kultur hat das Haus seit seinen Anfängen geprägt und wird dies wesentlich auch in Zukunft tun“, heißt es vonseiten der Weitzer-Hotelgruppe. „Mein Ziel für die kommenden Jahre ist es, mit viel Einfühlungsvermögen dem Kurhaus und damit auch dem Ort Semmering neues Leben einzuhauchen“, sagt Florian Weitzer.

Kulturelle Events sollen so wie bisher im Grand Semmering eine bedeutende Rolle spielen. Schließlich müssen die geplanten 170 Zimmer auch in der Nebensaison gefüllt werden. Weitzer will „den Gästen reichlich Luxus für die Seele bieten“.

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