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Kultur
03/01/2021

Baujuwelen, Bausünden: Kurhaus Semmering erhält Strahlkraft

Neue Architektur-Serie: Das Kurhaus hat eine faszinierende Vergangenheit – an seiner Zukunft wird gearbeitet.

von Werner Rosenberger

Es war Liebe auf den ersten Blick. „Das Kurhaus hat mich sofort mit seinem Charme berührt“, sagt Florian Weitzer. Der Grazer Hotelier steckt nach dem Kauf der morbiden und seit Jahren vor sich hin gammelnden Kuranstalt am Semmering mitten in einer mehrjährigen Revitalisierungsphase.

Der mondäne Sommerfrischeort der Monarchie hat nach zwei Weltkriegen und langer Zeit im Dornröschenschlaf wieder eine Zukunft als Rückzugsort für ruhebedürftige Städter, ist der 47-Jährige überzeugt:

„Nur eine Stunde von Wien entfernt hat der Semmering etwas zu bieten, sowohl im Sommer als auch im Winter. Und ich bin Profi genug, das Potenzial einschätzen zu können, aber genauso Amateur genug, eine Verbundenheit zu gewissen Orten zu entwickeln.“

Der Semmering sei zum Wachküssen bereit wie auch Bad Gastein. Die 1909 eröffnete physikalisch-diätetische Höhen-Kuranstalt wird zum „Grand Semmering“.

Künstler auf Kur

Max Reinhardt war hier ebenso zu Gast wie Gerhart Hauptmann und Franz Werfel, den der Anblick erlegter Schnepfen „traurig“ stimmte.

Der Schauspieler Josef Kainz verbrachte hier im Sommer 1910 nach einer Darmkrebs-Operation die letzten Wochen seines Lebens, besucht von seinem Arzt Julius Schnitzler, dem jüngeren Bruder des Schriftstellers Arthur Schnitzler.

Als Peter Altenberg, Wiener Original und König der Schnorrer, eines Tages am Semmering erkrankt, lassen Freunde trotz seiner Abneigung gegen Ärzte eigens einen Doktor aus Wien kommen. Zum Erstaunen aller ist der Poet darüber keineswegs ungehalten, sondern ruft dem Mediziner vergnügt zu: „Servus, Doktor, was zahlen Sie mir, wenn ich mich von Ihnen behandeln lasse?“

Alma Mahler-Werfel, die in der Nähe in Breitenstein ihr Sommerhaus besitzt, quartiert im Kurhaus 1929 ihre an Gelbsucht erkrankte Tochter Anna ein, was zu ihrer dritten von insgesamt fünf Ehen führt: Paul von Zsolnay, der mit Franz Werfels Roman „Verdi“ zum Senkrechtstarter als Verleger wurde.

Leo Slezak gab im alpinen Ambiente seinen Stimmbändern an der frischen Luft eine Aus-Zeit und trug ein Schild mit sich: „Darf nicht sprechen.“

Alma Mahler-Werfel, Genie-Sammlerin und Femme fatale, kehrte 2007 in Joshua Sobols „Alma – a Show Biz ans Ende“, inszeniert von Paulus Manker, noch einmal zurück ins Kurhaus. Wo zuletzt das Festival „Kultur.Sommer.Semmering“ unter Florian Krumpöck gastierte. „Für Kunstsinnige und Naturliebhaber“ als Gäste will Weitzer das Gebäude unter Denkmalschutz jetzt um 40 bis 50 Millionen Euro wieder revitalisieren: „Wenn man es gut macht, wird man die Leute begeistern können.“

Zur Zeit sind die Gremien von Naturschutz und Unesco-Weltkulturerbe am Zug. Was dauert. „Der Umbau selbst wird die geringste Zeit beanspruchen. Wesentlich länger dauern die notwendigen Bewilligungen und Genehmigungen“, sagt der Grazer.

Pandemie beschleunigt

Wann können wir ein Zimmer buchen im „Grand Semmering“? In drei Jahren. Hoffentlich, heißt es. Verzögert Corona den Fortschritt? Die Antwort kommt prompt: „Im Gegenteil, die Pandemie hat uns dazu bewogen, dass wir das Projekt noch schneller umsetzen werden.“

Ein Hotel mit besonderer Strahlkraft soll es werden. „Die muss durch die Konzeption und die Architektur unterstrichen werden, Großartiges gab es in der Vergangenheit am Semmering. Und unser Auftrag ist jetzt, dass dort wieder etwas Außergewöhnliches entsteht.“

Wie Weitzers Hotel Grand Ferdinand am Wiener Schubertring mit dem – präparierten – Pferd im Foyer könnte auch das Grand Semmering werden: Elegant, aber modern, traditionell, aber ein bisschen anders.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Aber dass das Boutique-Hotel Topazz beim Hohen Markt mit seiner Bullaugen-Optik und der mit Glasmosaik gestalteten dunklen Fassadenoberfläche (Entwurf: BWM Architekten) ein schwerer Anschlag auf das Wiener Stadtbild ist, und wie die Faust aufs Auge in die historisch geprägte Umgebung passt, steht wohl außer Streit.

Kein Einzelfall, wie auch das vom Star-Architekten David Chipperfield als „Haus der Fenster“ apostrophierte „Wiener Weltstadthaus“ von Peek & Cloppenburg auf der Kärntner Straße zeigt. Und an Karl Kraus erinnert: „Wien wird jetzt zur Grossstadt demolirt ...“

Letztlich zu groß, zu wuchtig wie auch das total überdimensionierte Projekt Wien-Mitte samt dem Gerichtsturm nebenan.

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