© APA/dpa/Maurizio Gambarini

Prozess
12/23/2020

Frauen verletzt: Polizei-Chefarzt muss auf die Anklagebank

Nach Prügelei in Bar muss sich hochrangiger Polizeiarzt wegen Körperverletzung und anderer Delikte verantworten.

von Patrick Wammerl

Das brutale Ende eines feuchtfröhlichen Partyabends hat für einen hochrangigen Polizeiarzt ein gerichtliches Nachspiel. Der 48-jährige Mediziner und Chefarzt einer Landespolizeidirektion muss am 21. Jänner am Landesgericht Wiener Neustadt auf der Anklagebank Platz nehmen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Mediziner einen Strafantrag wegen zweifacher Körperverletzung, Nötigung, gefährlicher Drohung und Sachbeschädigung eingebracht, bestätigt Sprecher Erich Habitzl dem KURIER. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Mediziner auch dienstrechtliche Konsequenzen bei der Polizei. Die Landespolizeidirektion will aber zunächst den Ausgang des Verfahrens abwarten.

Es war am 16. Oktober, als der angesehene Notfallmediziner, ärztliche Sachverständige und Gemeindearzt mit zwei Praxen in Niederösterreich mit 1,9 Promille Alkohol im Blut in einer Bar in Traiskirchen zu später Stunde die Nerven verloren haben soll. In seiner Einvernahme gestand er gegenüber der Polizei einen tätlichen Angriff gegen zwei Besucherinnen der Bar ein. Seine Schilderungen über den Tathergang unterscheiden sich jedoch deutlich von den Aussagen der beiden Opfer und des anwesenden Kellners. Ihren Angaben nach sei der Arzt völlig „ausgetickt“.

Haken in Boxmanier

Die zweifache Mutter Olga P. (32) war gegen 22 Uhr noch zusammen mit einer Freundin in der Bar anwesend. Wie Videoaufnahmen zeigen, kamen der Arzt und die Frau an der Bar ins Gespräch. Plötzlich bekamen sich die beiden in die Haare. Laut Aussage des Kellners und der 32-jährigen Olga P., soll der Arzt der Frau mehrmals zu nahe gekommen sein.

Danach eskalierte die Lage. Das Video zeigt, wie Olga P. den Mann wegstößt und ihm mit den Händen ins Gesicht fasst. „Plötzlich, ohne ersichtlichen Grund, schlug er ihr mit der Faust gegen die rechte Seite des Gesichts. Es war ein richtig wuchtiger, harter Schlag“, so die Aussage des Barkeepers.

Schlag mit der schwachen Hand

Die Version des Mediziners lautet so: Nachdem er sich in der Männlichkeit beleidigt gefühlt hatte, verlor er nach eigenen Angaben die Selbstbeherrschung und schlug der Frau mit der Faust ins Gesicht. „Ich möchte anmerken, dass die linke Hand nicht meine starke Hand ist. Es tat mir in der Sekunde leid“, so seine Aussage bei der Einvernahme.

Die wüste Rangelei verlagerte sich in den hinteren Teil des Lokals. Als die Freundin Olga P. zu Hilfe kommen wollte, sei auch sie gegen eine Mauer gedrückt und niedergestoßen worden. Die 32-Jährige sperrte sich aus Angst im Lager ein. Der Polizeiarzt trat aus Wut ein Loch in die Türe, gab er selbst zu Protokoll. Es sollen Worte wie „Ich bring dich um“ gefallen sein. Die Lage beruhigte sich nicht.

„Dr. ... nahm einen Sessel und wollte damit die Tür einschlagen“, so der Kellner. Olga P. nahm aus Angst und zur Verteidigung einen Schraubenzieher zur Hand, sagt ihr Rechtsanwalt Michael Dohr. Der Polizeiarzt habe sich dadurch selbst bedroht gefühlt. Kurz darauf schritt die alarmierte Streifenbesatzung ein.

Beide Frauen und auch der Mediziner erlitten bei der Prügelei Hämatome. Nach Aussage des 48-Jährigen habe sich die Situation so hochgeschaukelt, nachdem er provoziert worden sei.

Weil er die Frau „veräppelt und scherzhaft in die Rippen geboxt hätte“, habe sie ihn attackiert und in die Genitalien getreten. Er sei dann von ihr am Hals gepackt worden, wobei sie gemeint hätte, dass das ein „russischer Spezialgriff“ wäre.

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