© Schiebel

Chronik Österreich
10/25/2021

Fliegendes Auge bereit für den Grenzschutz

Im Kampf gegen das Schlepperwesen wird jetzt erstmals geprüft, Camcopter aus NÖ an der Grenze einzusetzen.

von Patrick Wammerl

Aus 500 Metern Höhe erkennt die hochauflösende Kamera Dinge in der Größe eines Handys – selbst bei Nacht. Kein Wunder, dass das fliegende Auge aus der Hightech-Schmiede der Firma Schiebel – Pionier und Weltmarktführer beim Bau unbemannter Hubschrauber in Wiener Neustadt – plötzlich auch zur Überwachung der österreichischen Grenze in aller Munde ist.

Es gibt im Innenministerium Überlegungen, mit dem drei Meter langen Camcopter S-100 die Flüchtlingssituation beispielsweise im Burgenland aus der Luft zu überwachen. „Schiebel-Drohnen sind weltweit einzigartig und setzen internationale Benchmarks. Das Innenministerium beobachtet die Entwicklungen der Firma mit großem Interesse – vor allem für Zwecke der Schlepperbekämpfung im grenznahen Raum“, heißt es auf Anfrage des KURIER aus dem Büro von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP).

Geschichte
Schiebel Elektronische Geräte wurde 1951 in Wien gegründet. Das Unternehmen wurde ursprünglich mit dem Bau von Minensuchgeräten groß.

300 Mitarbeiter
und 90 Millionen Euro Umsatz zählt Schiebel heute. 1994 hatte Eigentümer H.G. Schiebel die Idee für ein unbemanntes Flugsystem. 2006 wurde der Standort Wiener Neustadt eröffnet. Seither wurden dort 450 Camcopter S-100  gebaut.

Selbst die Bedenken des Ministeriums betreffend der luftfahrtrechtlichen Voraussetzungen sind keine Hürde mehr. Immerhin hat Schiebel heuer einen Meilenstein erreicht und als europaweit erster Drohnen-Hersteller das „Light Unmanned Operator Certificate“ (LUC) für die unbemannte Luftfahrt der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA erhalten. „Es berechtigt uns in allen europäischen Ländern, in einem zugewiesenen Bereich im zivilen Luftraum zu fliegen“, sagt Schiebel-Geschäftsführer Hannes Hecher. Man halte alle Regeln der bemannten Luftfahrt ein.

200 Kilo schwer

Zum heuer 70-jährigen Jubiläum des Unternehmens würde Schiebel freilich ein Auftrag der eigenen Bundesregierung riesig freuen.

Obwohl bereits 350 Stück des 200 Kilogramm schweren und bis zu 240 km/h schnellen Camcopters an 33 Kunden auf fünf Kontinenten ausgeliefert wurden, fehlt bislang ein Auftrag aus dem eigenen Land.

„Wir bieten mit unserem Camcopter eine Plattform, die wichtige Sensoren trägt. Unsere Kunden wollen meist Daten, die dann über eine große Distanz übertragen werden“, sagt Hecher. Die australische Navy oder die britische HM Coastguard überwachen mit den unbemannten Hubschraubern ihre Küsten. Bei Seenot-Rettungen im Mittelmeer wurden damit mehr als 25.000 Flüchtlinge auf ihren Booten aufgespürt.

Die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) setzt die Hubschrauber-Drohnen „Made in Wiener Neustadt“ sogar für den Umweltschutz ein. „Wir fliegen damit durch die Abgase von Hochseeschiffen und detektieren die Emissionen. Damit wird überprüft, ob die erlaubten Schadstoff-Grenzwerte auch eingehalten werden“, erklärt Hecher.

Auch zur Kontrolle von Pipelines, Gasleitungen oder zur Grenzüberwachung werden die Helikopter weltweit in die Luft geschickt. Gesteuert wird der Camcopter S-100 von einem Piloten am Laptop, ähnlich einem Computerspiel. Acht Wochen dauert die Ausbildung dafür. „Bilder der Kamera oder Daten können in Echtzeit an jeden beliebigen Ort übertragen werden“, schildert Hecher.

Wer sich ein System, bestehend aus Hubschrauber, Steuerung, den Antennen zur Datenübertragung plus die Ausbildung eines Piloten für etwa 5 Millionen Euro nicht leisten kann oder will, der kann auch ein Servicepaket mieten.

80 Prozent der Aufträge bekommt Schiebel aus dem staatlichen Bereich, den Rest von Privatpersonen.

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