Chronik | Österreich
14.01.2019

Auch in Bus und Bim: Essverbot für alle Öffis gefordert

Ab morgen gilt es erst einmal in allen U-Bahnen. Dem Fahrgastbeirat geht das aber nicht weit genug.

Was Fahrgäste der U6 bereits seit vier Monaten kennen, gilt ab morgen, Dienstag, auch auf allen anderen Wiener U-Bahn-Linien: das Essverbot. Und so wie es aussieht, dürfte in dieser Hinsicht das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Laut Wiener Linien ist eine Ausweitung der Regelung auf Straßenbahnen und Busse „nicht ausgeschlossen“. Einen konkreten Zeitplan gebe es allerdings noch nicht.

Beim seit Jahresbeginn neu besetzten Fahrgastbeirat würde man ein Essverbot in allen Öffis jedenfalls begrüßen. Wie dessen Vorsitzender, Josef Michael Schopf – seines Zeichens pensionierter Professor für Verkehrsplanung und -technik an der TU Wien – betont, gebe „es in dieser Hinsicht keinen logischen Unterschied zwischen U-Bahnen und allen anderen öffentlichen Verkehrsmitteln“. Wer A sagt, müsse auch B sagen.

Das Fahrverhalten eines Busses sei schließlich noch unvorhersehbarer als das einer U-Bahn-Garnitur. Plötzliche Vollbremsungen seien im Straßenverkehr wahrscheinlicher als im U-Bahn-Tunnel – was das Risiko, als Fahrgast den Kaffee des Sitznachbarn abzubekommen, deutlich erhöhe.

„Augenmaß“

Morgen sind aber erst einmal die U-Bahnen dran. Wie auch schon in der U6 zielt die Maßnahme auf die Vermeidung unangenehmer Gerüche und verschmutzter Waggons ab. Und wie beim Pilotversuch sind auch auf den anderen Linien vorerst keine Strafen vorgesehen. Stattdessen setzt man auf Information und Überzeugungsarbeit.

Untersagt ist ab morgen (neben dem Rauchen) also der Konsum alkoholischer Getränke sowie jeglicher Speisen. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Kebab, eine Pizzaschnitte, ein Eis oder einen Apfel handelt. Es gelte eben ein „generelles Essverbot“, stellt eine Sprecherin der Wiener Linien klar.

Davon ausgenommen seien bloß Kleinkinder, denen man sicher nicht ihr Kipferl wegnehme, wie auch Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) im Vorfeld versichert hatte. Um Tränen (und lautstarken Protest) zu vermeiden, agiere das Security-Personal in solchen Fällen „mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl“.

Nicht verboten ist übrigens das Transportieren zubereiteter Speisen – sofern sie verpackt sind.

Weniger Müll

In der U6 habe sich das Essverbot jedenfalls bewährt, vermeldeten die Wiener Linien vor Kurzem. Seit Einführung mussten nur 61 Personen vom Servicepersonal auf die Regelung hingewiesen werden. Das sei „bei 250.000 Fahrgästen täglich auf der U6 ein verschwindend kleiner Anteil“. Zum überwiegenden Teil falle das Feedback aus der Bevölkerung positiv aus.

In puncto Sauberkeit ließen sich deutliche Unterschiede erkennen. So sei der Müll in den Waggons weniger geworden. Die Reinigungskräfte müssten weniger Essensreste auf Sitzen und Böden einsammeln, was zu einer Reduktion der Reinigungskosten geführt habe.

 

Das Essverbot, über das im Vorjahr rund 50.000 Menschen online abstimmten (zwei Drittel sprachen sich dafür aus), ist Teil eines Maßnahmenpakets zur Attraktivierung der U6. Neben Klima-Nachrüstung, Sonnenschutzfolien und Lüftungskiemen für die heißen Sommermonate wurden auch Bodenmarkierungen auf den Bahnsteigen angebracht, um ein schnelleres Ein- und Aussteigen zu gewährleisten. Zudem wurden Stationen und Fahrzeuge modernisiert.