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Chronik | Österreich
04/29/2019

So viel kostet uns die Bundesliga: 10 Millionen Euro für Polizeieinsätze

Im Vorjahr musste die Exekutive deswegen fast 200.000 Überstunden leisten, ergab eine Auswertung des Innenministeriums.

Mehr als zehn Millionen Euro mussten die heimischen Steuerzahler im Vorjahr für Einsätze der Polizei bei Fußballmatches in Österreich bezahlen. Das Innenministerium hat auf KURIER-Anfrage erstmals konkrete Zahlen ausgehoben – und diese werden die Diskussion über eine höhere Beteiligung der Fußballvereine wohl noch weiter anheizen. Die Angst vor Ausschreitungen scheint jedenfalls einen sehr hohen Preis zu haben.

Wie im März berichtet, hat die ÖVP Niederösterreich gefordert, dass die Vereine dafür (mehr) bezahlen sollen. Mittlerweile hat auch ÖVP-Staatssekretärin Karoline Edtstadler ähnliche Forderungen erhoben. Die Clubs und der ÖFB reagierten alles andere als erfreut auf derartige Begehrlichkeiten: „Für den ÖFB und den Profifußball wäre das eine schwierige Situation, weil finanzielle Belastungen drohen. Es ist in unserem großen Interesse, dass die Situation so bleibt, wie sie ist“, sagte ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold.

Doch auch für die Polizei sind die Einsätze eine starke Belastung: „Insgesamt 248 Einsätze musste die Exekutive im Vorjahr für Fußballmatches in Österreich leisten“, erklärt Ministeriumssprecher Christoph Pölzl. Die meisten davon, nämlich 67, fanden in Wien statt und betrafen somit die Austria und Rapid. Die Vereine zahlen dabei nur für die vergleichsweise geringen Kosten für den Einsatz innerhalb des Stadions – das sind rund 200.000 bis 300.000 Euro pro Jahr.

Millionenschwere Abrechnung

Auf das gesamte Jahr gerechnet wurden 300.320 Einsatzstunden geleistet, zwei Drittel davon als Überstunden. Laut Rechnungshof wird eine Beamtenstunde mit 30,60 Euro berechnet. Da hier aber eine sehr hohe Zahl an Überstunden zur Abrechnung kommt, dürfte der Betrag höher als ein die so hochgerechneten 9,2 Millionen Euro. In Deutschland etwa werden Polizisten sogar mit 54 Euro pro Stunde eingeschätzt.

Hinzugerechnet werden müssen weiters Kosten für Einsatzfahrzeuge (Kilometerkosten) und den oder die Hubschrauber des Innenministeriums, für den 53 Euro pro Minute fällig werden. Eine Gesamtsumme für den Steuerzahler von über zehn Millionen Euro schätzt man im Innenministerium jedenfalls als „realistisch“ ein.

Diese Zahlen sind Wasser auf den Mühlen von Niederösterreichs ÖVP. Diese hatte schwer kritisiert, dass der Steuerzahler die Gesamtkosten für polizeiliche Einsätze bei Risiko-Fußballspielen tragen müsse. Gemeinsam mit der FPÖ wurde im Landtag sogar ein Antrag beschlossen, dass der Bund in dieser Frage das Verursacherprinzip ändern soll.

ÖVP will Änderungen

Die gesamten Polizeieinsätze bei Risikospielen, wie etwa dem Wiener Derby, würden dann künftig den betroffenen Vereinen verrechnet werden. Wobei im Antrag alle Großveranstaltungen, bei denen „Veranstalter überwiegend kommerziell motivierte Interessen“ haben inkludiert sind. Explizit wird aber die Überwachung von Fanmärschen erwähnt. Bislang ist im Büro von ÖVP-Klubobmann Klaus Schneeberger noch keine Antwort der Bundesregierung eingetroffen.

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