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Chronik Österreich
03/20/2019

Fußballvereine verärgert: „Wir zahlen bereits jetzt viel für Polizeieinsätze“

Die Klubs und der ÖFB kritisieren, dass sie für Einsätze der Polizei bei Matches (mehr) zahlen sollen.

von Dominik Schreiber, Martin Gebhart , Alexander Strecha

Die Deutsche Fußball-Liga bekam vor einigen Monaten ungewöhnliche Post von der Polizei. Der Inhalt war ein saftiger Gebührenbescheid. 425.718 Euro und 11 Cent stellte die Bremer Exekutive für Einsatzkosten bei einem „Hochrisikospiel“ zwischen Werder Bremen und dem HSV in Rechnung. Seither wird vor den Gerichten über diese Rechnung gestritten.

Auch in Österreich wünscht sich die ÖVP Niederösterreich, dass die Klubs zur Kasse gebeten werden. Seit der KURIER darüber berichtet hat, gehen die Wogen hoch, hinter den Kulissen ist das aktuell ein großes Thema. Die Klubs und der ÖFB zeigen sich „not amused“.

Millionenkosten

„Die Leute glauben, wir zahlen nichts für die Polizeieinsätze. Aber das ist ein weit verbreiteter Irrtum, wir zahlen bereits jetzt viel“, sagt Rapid-Sprecher Peter Klinglmüller. Er verweist darauf, dass der Verein für die Einsatzkosten innerhalb des Stadions aufkommen müsse. Rapid habe allein in der vergangenen Saison für Polizei und Securitys rund 1,2 Millionen Euro ausgegeben.

Die „Rechtshilfe Rapid“ kritisiert auf Facebook gar überbordende Einsätze, so sei selbst bei „harmlosen Spielen“ ein Räumungspanzer oder ein Hubschrauber im Einsatz.

Zusätzliche Kosten in der Höhe von rund 200.000 Euro für ein durchschnittliches Derby in Wien würden aber für Österreichs Vereine durchaus ins Gewicht fallen, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

„Noch sind wir offiziell nicht kontaktiert worden“, betont ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold. „Für den ÖFB und den Profifußball wäre das aber eine schwierige Situation, weil finanzielle Belastungen drohen. Es ist in unserem großen Interesse, dass die Situation so bleibt wie sie ist.“ Die Exekutive definiere nach eigenem Ermessen ihre Einheiten, das Zusammenspiel des ÖFB mit der Exekutive habe bisher an allen Länderspiel-Standorten gut funktioniert.

„Wir wollen, dass das operative Geschäft und die Rahmenbedingungen so bleiben. Der ÖFB möchte in Sachen Sicherheit eine Vorbildfunktion einnehmen, beim Polen-Länderspiel am Donnerstag beispielsweise investieren wir einen sechsstelligen Euro-Betrag in die Exekutive und den Sicherheitsdienst. Das ist eine echte Hausnummer. Daher würde uns eine zusätzliche finanzielle Belastung nicht erfreuen.“

„Was ist mit Eishockey?“

„Wir haben lange über dieses Thema in der Klubkonferenz der Bundesliga diskutiert. Das Thema gilt offensichtlich für den Fußball, aber was ist mit Eishockey oder Konzerten“, fragt Austria AG-Vorstand Markus Kraetschmer. „Darüber hinaus zahlen die Vereine heute schon viel Geld. Austria Wien zahlt für die Polizei pro Saison rund 200.000 Euro, mit Europacup sogar rund 300.000 Euro. Pro Saison müssen wir für den Bereich Sicherheit einen siebenstelligen Betrag aufwenden.“