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Kein Futter wegen Dürre: Viele Bauern müssen Tiere verkaufen

Gesunde Kühe müssen geschlachtet werden, weil kein Futter wächst. Der Kuhpreis sinkt wegen hohen Angebots und schwacher Nachfrage.
++THEMENBILD++ HITZE/TROCKENHEIT/KLIMA

Zusammenfassung

  • Die anhaltende Dürre bringt viele Viehbetriebe in eine äußerst prekäre Lage, weil Futter und teils auch Wasser fehlen und bereits Winterreserven angegriffen werden.
  • Viele Landwirte müssen deshalb Bestände abbauen und Tiere verkaufen, während die hohe Angebotsmenge die Kuhpreise drückt und die wirtschaftliche sowie psychische Belastung steigt.
  • Die Folgen reichen über das laufende Jahr hinaus, weil kleinere Bestände künftige Produktion mindern und auch andere Bereiche wie Schweinehaltung, Futterzukauf und Wasserversorgung unter Druck geraten.

Die Rekord-Trockenheit bringe die Viehwirtschaft in eine „äußerst prekäre Situation“, sagte Michael Wöckinger, Abteilungsleiter Tierhaltung in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, im Gespräch mit der APA. 

Viele Landwirte müssten bereits auf die Winterreserven zurückgreifen oder Vieh verkaufen, weil es an Futter - und teils auch an Wasser - mangelt. Der Preis für Kühe sinke, verkleinerte Bestände könnten auch noch in den nächsten Jahren negative Effekte nach sich ziehen.

„Nur wenige werden sich erinnern können, so etwas schon einmal erlebt zu haben“, sieht Wöckinger eine Ausnahmesituation. Normalerweise liefern im Grünland der erste und zweite Schnitt 60 bis 70 Prozent des Jahresbedarfs, aber heuer seien die Futterernten bereits im Frühjahr überschaubar gewesen, weil es im Juni eine erste Trockenheitswelle gegeben habe. 

Selbst wenn es jetzt regnen würde, sei fraglich, ob noch größere Mengen oder gute Qualitäten zusammenkommen würden. „Es ist staubtrocken.“ Wenn jetzt plötzlich größere Niederschlagsmengen auf den ausgedörrten Boden treffen würden, könnte dieser das gar nicht aufnehmen. Nötig wäre ein ruhiger, länger andauernder Regen.

Viele müssen schon auf Reserven zurückgreifen

Da 2025 ein gutes Futterjahr war, haben manche noch Reserven aus dem Vorjahr, aber auch diese Vorräte würden zur Neige gehen. „Mancherorts müssen Betriebe schon auf das für den kommenden Winter eingelagerte Futter zurückgreifen. Das heißt, viele Betriebe sind dabei Bestände abzustocken, sprich Tiere zu verkaufen, weil schlichtweg die Futtergrundlage fehlt.“

Das bedeutet, dass gesunde Tiere geschlachtet werden müssen, weil kein Futter wächst. „Eine gesunde Kuh, die Milch gibt, die wächst, die gesund ist, gibt man ja nicht einfach so her. Das ist auch eine psychische Belastung.“ Wirtschaftlich sei das natürlich auch unerfreulich, denn „der Kuhpreis tendiert aufgrund des hohen Angebots und einer schwächelnden Nachfrage stark nach unten“. Bisher sei die Schweiz immer ein guter Exportmarkt gewesen, aber auch die Eidgenossen haben mit Trockenheit zu kämpfen. „Das heißt, die haben selber sehr viele Kühe beim Schlachten und haben daher auch die Import-Kontingente reduziert.“

Negative Nachzieheffekte drohen

Nicht unterschätzen dürfe man auch die mittelfristigen Nachzieheffekte: „Jetzt weniger Tiere zu haben, heißt auch irgendwann weniger Kälber. Da kommt also noch etwas nach, das man jetzt noch gar nicht so am Schirm hat“, warnt Wöckinger. Silomais könne für einige Betriebe die Situation etwas abfedern, „aber der ist in manchen Regionen, gerade bei seichtgründigen Böden, auch zum Teil verdorrt“. Futter zu importieren sei teuer, weil die Preise durch das mangelnde Angebot steigen, hinzu kommen die Transportkosten. Auch die Qualitäten seien fraglich, zudem haben alle rundherum das gleiche Problem.

Auch Schweineproduktion unter Druck

Betroffen seien alle Betriebe querbeet, so Wöckinger, Biolandwirte „vielleicht einen Tick mehr“, weil sie auch oft Weidesysteme haben. Viele Landwirte würden ihre Tiere von den Almen holen. Hinzu komme, dass es stellenweise auch Probleme mit der Wasserversorgung gebe „und so eine Kuh braucht halt an einem Tag mit diesen Temperaturen 120 bis 150 Liter Wasser. Das kann man dann hochrechnen, was das für so einen Betrieb heißt.“ Aber auch Schweineproduzenten stehen vor Herausforderungen, weil „das Thema Mais wird ja letztendlich in der Schweineproduktion auch irgendwann aufschlagen“.

Es gebe zwar eine Futtermittelplattform auf der Website der Kammer, aber auch eine - zuletzt von der IG Milch geforderte - Futtermittelbörse brauche Angebot und an dem fehle es. Es würden auch bereits Unterstützungsmaßnahmen auf nationaler Ebene geprüft, Versicherungen oder Stundungen von Zahlungen könnten ebenfalls hilfreich sein. „Aber wenn es kein Futter zum Kaufen gibt, nutzt das Geld auch nur bedingt etwas“, sagt Wöckinger, „das Wichtigste wäre einfach der Segen von oben“.

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