„Ich hoffe auf ein Unwetter“: Niederösterreichs Landwirte schlagen Alarm
Landesweit das selbe Bild: staubtrockene Böden. Im Bild: Ackerarbeit im Mostviertel.
Zusammenfassung
- Die anhaltende Trockenheit in Niederösterreich, besonders im Weinviertel, führt bereits zu massiven Ernteausfällen und gefährdet vor allem Herbstkulturen wie Soja, Mais und Kürbis.
- Neben der Dürre belasten steigende Kosten für Energie, Treibstoff und Dünger sowie niedrige Erzeugerpreise die landwirtschaftlichen Betriebe zunehmend.
- Die Landwirtschaft fordert daher rasche Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels, mehr Wasserversorgung und bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
„Es ist furchtbar, alles ist braun – die Wiesen, die Felder. Es ist zum Verzweifeln. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Landwirt Richard Auer-Welsbach aus Schwadorf (Bezirk Bruck an der Leitha). Alles sei verdörrt und schaue „furchtbar“ aus.
Die seit Jahresbeginn anhaltende Trockenheit setzt der Landwirtschaft zu. „Uns berichten Betriebe aus dem Weinviertel, dass dort rund 50 Prozent weniger Niederschlag gefallen ist als in durchschnittlichen Jahren“, sagt Konrad Mylius, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.
Zu wenig Niederschlag
Daten der GeoSphere Austria bestätigen das Ausmaß: In Hohenau an der March fielen von Jänner bis Mitte Juli lediglich 143 Millimeter Niederschlag. Im langjährigen Mittel wären es 269 Millimeter gewesen. Klimatologe Alexander Orlik spricht von einem fehlenden Niederschlag „von einem gesamten und einem weiteren Drittel eines Sommermonats“.
Auf den Feldern zeigt sich die Dürre bereits: Sojablüten vertrocknen und fallen ab, bevor sich Bohnen bilden können. Maispflanzen bleiben klein und entwickeln kaum Kolben, Kürbispflanzen verlieren ihre Früchte.
„Alles, was im Herbst geerntet wird, ist gefährdet“, sagt Mylius. Das Getreide wurde bereits geerntet. Bei Weizen und Gerste habe es, mit regionalen Unterschieden, Ertragseinbußen von rund 20 Prozent gegeben. Besonders betroffen von den Ernteausfällen war das Weinviertel - die „Kornkammer Österreichs“.
Kostendruck
Doch nicht nur die Trockenheit macht den Betrieben zu schaffen. Steigende Kosten für Treibstoff, Energie und Düngemittel treffen auf niedrige Erzeugerpreise. „Ich spüre das jeden Tag“, sagt Auer-Welsbach. „Die laufenden Kosten steigen ständig, gleichzeitig bekommen wir für unsere Produkte kaum mehr Geld.“ Doch er sei froh über seinen Bio-Betrieb, die gestiegenen Kosten für Düngemittel müsse er so zumindest nicht tragen.
Zusätzliche Unsicherheit bringt die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union. Im Zuge der derzeitigen Verhandlungen schlägt die EU-Kommission vor, das Budget für die GAP um rund 20 Prozent zu kürzen. Die Land&Forst Betriebe warnen vor den Folgen. „Es droht eine massive Schwächung der produzierenden und leistungsstarken Haupterwerbsbetriebe“, sagt Markus Hoyos, Obmann der Land&Forst Betriebe Niederösterreich.
Die Kürzungen würden alle landwirtschaftlichen Betriebe treffen. Für viele der 23.000 niederösterreichischen Betriebe werde sich das wirtschaftlich kaum noch ausgehen, warnt Mylius.
Forderung: Sicherheit
Für Auer-Welsbach ist die Situation auch persönlich belastend: „Man ist so ohnmächtig. Ich kann nichts tun, außer zuschauen und warten.“
Außerdem plage ihn die Sorge um die Zukunft seines Betriebs. „Die Rahmenbedingungen sind nicht gut, der Aufwand ist hoch. So ein Jahr wie heuer wird noch öfter kommen.“
Durch den Klimawandel häufen sich Dürreperiode wie diese. „Auch die Missernten werden damit immer häufiger werden“ warnt Hoyos: „Den produzierenden Haupterwerbsbetrieben geht nicht nur das Wasser aus, sondern auch die Luft zum Atmen.“
Maßnahmen gefordert
Die Land- und Forstbetriebe fordern darum Maßnahmen zur Klimawandelanpassung. Dies solle beispielsweise durch Infrastrukturprojekte passieren. Besonders im Weinviertel brauche es aus Sicht der Interessenvertretung rasche Lösungen, um die Landwirtschaft langfristig widerstandsfähiger gegen Trockenperioden zu machen. Als Beispiel wird das Projekt „Donauwasser ins Weinviertel“ genannt, das die Versorgung der Region mit Wasser verbessern soll.
Gleichzeitig müsse auch die wirtschaftliche Situation der Betriebe verbessert werden. „Es braucht gleiche Wettbewerbsbedingungen, bessere Erzeugerpreise und einen fairen Anteil der Landwirtschaft an der Wertschöpfungskette“, fordert Mylius. Hoyos wettert: „Es kann nicht sein, dass der Landwirt für seine Urprodukte in 1-Kilogramm-Laib Brot nur 20 Cent erhält. Das sind sechs Prozent des Verkaufspreises. Mit dieser Preisgestaltung setzt man die Versorgungssicherheit aufs Spiel.“
Auer-Welsbach hofft derweil auf Regen. Doch der Wetterbericht macht ihm zu schaffen : „Wenn ich da zehn Tage nach vorne schaue, ist da nichts.“ Mit nichts meint er: Es kommt kein Regen. Dafür kommt heißer, trockener Wind. „Das ist wie ein Föhn“, seufzt er. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das einmal sage, aber ich hoffe auf ein Unwetter.“
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