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Massive Trockenheit in Österreichs Kornkammer: Bauern schlagen Alarm

Fehlt das Wasser, stellt die Pflanze das Wachstum ein, der Ernteertrag wird geringer. Weil die Preise im Keller sind, zahlt sich bei manchen Kulturen das Bewässern nicht aus - ein Lokalaugenschein.
Trockenheit in lassee

Jeder zweite Acker Österreichs liegt in Niederösterreich. Die vier Weinviertler Bezirke Hollabrunn, Korneuburg, Mistelbach und Gänserndorf haben zusammen so viel Ackerfläche wie ganz Oberösterreich. Das Marchfeld im Bezirk Gänserndorf gilt als die Kornkammer Österreichs. 

Diese Fakten zeigen, wie wichtig die Region als Lebensmittelproduzent ist. Genau diese Region leidet derzeit unter der extremen Trockenheit. „Es hat im Marchfeld um bis zu 40 Prozent weniger geregnet, als in normalen Jahren. Das ist für viele Betriebe existenzbedrohend“, sagt Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) bei einem Lokalaugenschein in Lassee (Bezirk Gänserndorf).

Dort am Sommerdurumfeld ist zu sehen, wovon die Bauern sprechen: Die Weizensorte sollte um diese Zeit hüfthoch sein, aktuell ist sie gerade einmal kniehoch, im besten Fall. Das Getreide stellt das Wachstum bei Hitze ein. Die Ernteerträge fallen viel geringer aus. Etwa die Hälfte in normalen Jahren, wie Bauernkammerrat Christian Gasselich für den Sommerdurum prognostiziert. 

Totschnig in Lassee

Zusätzlich seien die Preise auf einem Tiefpunkt. Ein Grund dafür ist die Überproduktion im Vorjahr. Zudem sind die Kosten für die Betriebsmittel - egal, ob Energie oder Dünger - gestiegen. „Die Landwirtschaft braucht mehr Unterstützung und nicht weniger“, sagt Pernkopf. Darum ist er froh, dass Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) ebenfalls nach Lassee gekommen war, um sich ein Bild zu machen.

trockenes Feld

Der Sommerdurum sollte doppelt oder dreifach so hoch sein. Doch durch die Trockenheit hat die Pflanze das Wachstum eingestellt. Bewässern rentiert sich bei den niedrigen Verkaufspreisen nicht.

Er kennt die Situation und spricht von zwei Phänomenen, die die Landwirte betreffen: Die schlechten Produktpreise stehen den sehr hohen Energiepreisen gegenüber. Deswegen werde es keine Kürzung bei der Unterstützung der Bauern geben. „Bewässerung ist ein Muss, sonst hat man keinen Ertrag“, weiß der Minister.

Bei manchen Kulturen rentiert sich Bewässerung nicht mehr

Bewässerung ist dank des Marchfeldkanals möglich. Aber: „Die Preise sind derzeit so niedrig, dass sich eine Bewässerung bei manchen Kulturen wirtschaftlich nicht auszahlt“, betont Gasselich und blickt erneut auf den Sommerdurum. Nachsatz: „Wir sind Unternehmer, wir müssen knallhart kalkulieren.“

Pernkopf nickt: „Bewässern setzt voraus, dass Wasser vorhanden ist und man es sich leisten kann.“ Bei Feldgemüse würde es sich derzeit noch rechnen, so der LH-Stellvertreter. In normalen Jahren wird im Marchfeld im Mai mit der Bewässerung begonnen; heuer war es der März.

trockenheit

Lorenz Mayr, Norbert Totschnig, Stephan Pernkopf und Christian Gasselich beim Lokalaugenschein auf einem Durumfeld in Lassee.

Was tun Regionen, in denen das Bewässern noch nicht möglich ist? „Zwei Drittel der Getreideflächen liegen im trockenen Osten“, weiß Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ. 

Bewässerung in anderen Regionen

Darum gibt es Projekte, Wasser in diese Regionen zu bringen. Etwa Donauwasser in den Bezirk Hollabrunn. „Im Herbst startet ein Projekt, welche Regionen wie erschlossen werden können“, sagt Mayr. Doch eine Umsetzung werde zehn bis 15 Jahre dauern. Halten die Bauern so lange durch? „Hoffentlich.“

Der Landwirtschaftsminister nickt: „Diese Region braucht langfristige Perspektiven.“ 

Er spricht zudem von einem Wasserentnahmeregister, das derzeit erarbeitet wird. Totschnig ist sicher, dass Landwirte sorgsam und verantwortlich mit dem Wasserverbrauch umgehen werden. 

Hohe Standards müssen für alle gelten

Pernkopf spricht sogar von einem Importstopp für alle landwirtschaftlichen Produkte aus dem Ausland, die nicht die hohen Standards erfüllen, die den heimischen Bauern auferlegt werden.

Von den über 700.000 Hektar Ackerland in Niederösterreich können 135.000 bewässert werden.

Wie sehr die aktuelle Situation den Landwirten zusetzt, wissen die örtlichen Bauern: „Die Grundverkäufe werden immer mehr und sie werden noch steigen.“ Die Standards sind auch im sozialen Bereich hoch; bei den Erntehelfern: „Früher hatten wir Slowaken oder Rumänen. Jetzt haben wir Vietnamesen, die kommen besser mit der Hitze zurecht“,  so ein Lasseer Landwirt.

„Kauft regionale Produkte“

Gasselich, der auch Obmann des Lasseer Gemeindeortsbauernrats ist, nutzt den Medientermin mit den Politikern für einen Appell an die Konsumenten: „Kauft regionale Produkte, um uns zu unterstützen. So haben die heimischen Betriebe Zukunft.“ 

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