Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Trockenheit: Lobau ist erstmals im Frühling zweigeteilt

Trockenheit führt zu Wassermangel, deshalb teilt sich zum ersten Mal das Eberschüttwasser in der Unteren Lobau. Umweltschützer fordern eine Wasserzuführung aus der Oberen Lobau, die Stadt prüft.
Lobau Austrocknung

Österreich erlebt derzeit eine Frühjahrsdürre, wie selten zuvor. Besonders der April war in diesem Jahr von Trockenheit geprägt: Nur viermal verlief der April seit 1858 trockener, so Geosphere Austria.

Die anhaltende Trockenheit verschärft die Wasserkrise in der Auenlandschaft, speziell in der Unteren Lobau, warnt die Naturschutzorganisation WWF. Wie prekär die Situation wirklich ist, zeigen aktuelle Beobachtungen: Demnach teilte sich das Eberschüttwasser, das eines der größten Gewässer im Nationalpark Donau-Auen ist, erstmals im Frühjahr dank des Wassermangels in zwei Teile.

Niedriges Grundwasser

Aber anders als in der biblischen Erzählung über die Teilung des Schilfmeers in Ägypten ist nicht Moses dafür verantwortlich, sondern eine Kombination aus niedrigen Grundwasserständen, der nur wenig Wasser führenden Donau sowie den generell niedrigen Niederschlagsmengen der vergangenen Monate. Bislang sei ein vergleichbarer Fall laut WWF nur einmal während eines außergewöhnlich kalten Winters im Jänner 2017 dokumentiert worden. Bis heuer zählte das rund zwei Kilometer lange Eberschütterwasser zu den größten zusammenhängenden Gewässern der Unteren Lobau.

„Gerade im Frühjahr sollte der Wasserstand an diesen Stellen mehr als einen Meter hoch sein. Nur damit wären auch ausreichend Reserven für die trockenen Sommermonate gewährleistet“, so WWF-Experte Michael Stelzhammer in einer Aussendung. Ökologische Veränderungen, die dazu führen, dass der Lebensraum für zahlreiche Fisch-, Vogel- und Insektenarten zunehmend verloren geht, seien die Folge. Die Grundproblematik des niedrigen Wasserstands und welche Maßnahmen zur Rettung der Au ergriffen werden können, sind seit langem Diskussionspunkte in der Stadt. Ohne Zuleitung von Donauwasser verliert die Aulandschaft ihren Charakter – und mit ihm wertvolle Artenvielfalt.

Karte zeigt den Nationalpark Donau-Auen zwischen Wien und Bratislava mit umliegenden Orten und Flussverlauf der Donau.

Prüfung durch Modell

In Wien will man aber seit Jahrzehnten kein Donauwasser in die Untere Lobau zuführen, aus Sorge, dass das Grundwasser verunreinigt werden könnte. Im Vorjahr wurde – nach Forderungen von Experten und Umweltschutzorganisationen – erstmals die Prüfung einer solchen Möglichkeit in die Wege geleitet. Anhand eines Modells könne dann festgelegt werden, ob und mit welchen Vorkehrungen ein Versuch zur Weiterleitung von Wasser ohne Risiko für die Trinkwasserversorgung durchgeführt werden kann. Das heißt: Künftig könnte Wasser von der Oberen in die Untere Lobau geleitet werden.

Dotierung erneut gefordert

Eine solche Dotierung, also eine gezielte Wasserzufuhr, aus der Oberen in die untere Lobau wird aufgrund der aktuellen Dürreperiode deshalb erneut vom WWF eingefordert. Eine Wasserzuleitung in die Obere Lobau werde bereits seit zwei Jahren als Maßnahme ergriffen, um den Wasserhaushalt zu stabilisieren; für die Untere Lobau würden derzeit fachliche Prüfungen laufen, teilt die Stadt Wien mit.

Experten arbeiten an einem Grundwasserströmungsmodell, auf dessen Grundlage entschieden wird, welche weiteren Maßnahmen wirksam gesetzt werden können. „Der Schutz und die langfristige Sicherung der Lobau haben hohe Priorität“, so ein Sprecher der MA 49 (Forst- und Landwirtschaftsbetrieb).

Kommentare