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Trockenheit im Nationalpark Thayatal: "Vielfalt ist der Schlüssel"

Der Wald ist im Wandel - das ist der Trockenheit geschuldet. Bäume vergesellschaften sich mit Pilzen, um zu überleben. Die, die nicht hitzeresistent sind, sterben.
Nationalpark Thayatal

"Die Natur puffert viel ab", sagt Christian Übl, Direktor des  Nationalparks Thayatal, als er in seinem Büro im Nationalparkhaus in Merkersdorf (Bezirk Hollabrunn) sitzt. Auch dort ist es entsprechend heiß, wie überall in diesen Tagen. "Wir fahren dann runter an die Thaya, da ist es kühler", versichert er. 

Und tatsächlich: Im nicht einmal zu Kilometer entfernten Hardegg ist es deutlich angenehmer. Der Grund dafür ist die Natur: Die kleinste Stadt Österreichs ist umringt von Felsen und Wäldern, durch die tief eingeschnitten die Thaya fließt. "Der Wald und der Fluss bringen Frische und Kühle", weiß Übl.

Das Wasser des Grenzflusses, der Österreich und Tschechien trennt, wird nie wärmer als 12 Grad Celsius. Auf tschechischer Seite, in Vranov, wird die Thaya aufgestaut. Abgelassen wird nur das Tiefenwasser mit 4 Grad. Genau das bringt die "schöne Kühle" in die Stadt Hardegg. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Gewässerökologie. Durch das kalte Wasser war es mit einem Schlag vorbei mit den Perlmuttmuscheln in der Thaya. Die Fischpopulation hat ebenfalls gelitten. "Man hat dann die Schwallspitzen reduziert. Da hat sich die Population verdoppelt", weiß Übl.

Die Vegetation verändert sich

Trotz dieser natürlichen Kühlung, gehen die vermehrten Hitze-  und Trockenperioden nicht spurlos am Nationalpark vorüber: "Die Veränderungen sind in der Vegetation sichtbar. Bäume sterben aufgrund der Trockenheit ab", nennt der Nationalparkdirektor die Rotföhren als Beispiel. Die Fichten verschwinden ebenfalls immer mehr aus dem Hardegger Nationalpark, weil sie nicht hitzeresistent sind. Dafür kommen andere Bäume nach. Die Eiche, die Hainbuche oder die Sommerlinde.

Nationalpark Thayatal

Hardegg

Nationalpark Thayatal

Nationalpark Thayatal

Thayabrücke

Nationalpark Thayatal

Nationalpark Thayatal

Christian Übl

Nationalpark Thayatal

Nationalpark Thayatal

Nationalpark Thayatal

Burg Hardegg

Hardegg

Was Christian Übl besonders freut: Entlang der Thaya gibt es Vielfalt. Pannonisches (Weinviertel) und mitteleuropäisches Klima (Waldviertel) findet sich entlang des Flusses. Das macht die Landschaft nicht nur optisch bunt. "Die Vielfalt ist der Schlüssel, dass der aktuelle Wandel gut gemeistert wird", blickt er der Veränderung in den Wäldern positiv entgegen. Es gebe immer wieder "Spezialisten", also Pflanzenarten, die sogar auf steilen, heißen Felsen wachsen. 

Natur antwortet auf Veränderung

"Das ist das Besondere an einem Nationalpark: Dort ist es möglich, dass die Antworten der Natur auf Veränderungen zugelassen werden", sagt Übl mit hörbarem Stolz, dass dies auch im Thayatal gelingt. In einem reinen Wirtschaftswald, der zur Holzproduktion verwendet wird, sei das nicht möglich. Dort werde, im Gegensatz zu den Nationalparks, kein Totholz liegen gelassen. "Das sorgt ebenfalls dafür, dass sich die Umgebung langsamer erwärmt." Außerdem dient es als Unterschlupf für Tiere und Insekten.

Ein Naturschauspiel, das durch die Trockenheit sichtbar wurde, ist die Vergesellschaftung der Bäume mit Pilzen. Einfach erklärt holen sich Bäume Pilze, die wiederum Wasser bringen. "Wer den besseren Pilzpartner hat, überlebt", fasst Übl diese Symbiose mit einem Schmunzeln zusammen. Beide Kulturen profitieren von dieser Partnerschaft. 

Thayatal als Hotspot der Artenvielfalt

Auf einer neuen Aussichtswarte hoch über den Bäumen hat man einen guten Überblick über die Mäander der Thaya und wie sich der Grenzfluss in das Tal eingetieft hat. Bei diesem Anblick wird deutlich, wie wichtig die Zusammenarbeit der Nationalparks auf beiden Seiten der Thaya ist. "Wir haben mit dem Nationalpark Podyjí gemeinsam 0,1 Prozent der Fläche von Österreich. Trotzdem sind wir ein Hotspot der Artenvielfalt", berichtet Übl. 50 Prozent aller heimischen Reptilien, Säugetiere und Amphibien sowie 40 Prozent aller heimischen Gefäßpflanzen sind auf der 7.700 Hektar großen Fläche zu finden. 

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