Massive Ernteausfälle durch anhaltende Dürre
„Schlechte Erzeugerpreise und jetzt noch die Dürre gefährden viele bäuerliche Existenzen.“ Josef Moosbrugger Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident
Beim Bearbeiten der Felder muss die Wiener Getreidelandwirtin Irene Maria Trunner oft anhalten. „Es staubt teilweise so stark, dass man nichts sieht. Dieser Staub belastet auch die schwerarbeitenden Maschinen.“ Die Dürre setzt den heimischen Landwirten zu – und die Situation scheint sich nicht zu verbessern. In der ersten Jahreshälfte spricht man bereits von einer Rekordtrockenheit.
Laut Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, ist eine Getreideernte wie in den Dürrejahren 2017 und 2018 zu erwarten. Gegenüber dem Vorjahr rechnet man mit einem Minus von 15 bis 20 Prozent. Betroffen sind auch Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln, Soja, Sonnenblumen, Kürbisse – und Obst. Die LK rechnet mit einer um zumindest 20 bis 25 Prozent geringeren Obsternte.
Irene Maria Trunner hat die Ernte gerade hinter sich gebracht. „Sie hat ungewöhnlich früh begonnen – gut 20 Tage früher. Das Getreide ist notreif geworden, weil es schon so lange zu wenig geregnet hat. Es ist eine Lotterie, was man am Ende des Tages bekommt.“ Wie die Ernte ausfällt, unterscheide sich von Betrieb zu Betrieb, im Schnitt seien es aber 15 Prozent weniger Ertrag pro Hektar.
„Eine Minute vor zwölf“
Auch der Wein- und Ackerlandwirt Gerhard Pfneisl aus dem Burgenland verzeichnet bei der heurigen Getreideernte ein Minus von 30 Prozent. „Sehr dramatisch“, sagt er. Das Minus sei damit noch höher ausgefallen als in den Jahren 2017 und 2018. „Wir haben in unserem Betrieb noch Zuckerrüben und Sojabohnen, die wären vielleicht noch zu retten, sofern noch vor der nächsten Hitzeperiode ausgiebiger Regen fällt. Ansonsten wird auch diese Ernte sehr gering ausfallen.“ Um weitere Dürreschäden zu vermeiden, bewirtschaftet er seine Felder besonders wassersparend – pfluglos und mit Zwischenbegrünung.
Besonders wenig Niederschlag gab es heuer neben dem Burgenland auch im niederösterreichischen Weinviertel. Davon kann Getreidelandwirt Johann Wimmer aus Ladendorf ein Lied singen. Rund 40 bis 50 Prozent der Ernte werden heuer fehlen, berichtet er dem KURIER. Vielleicht sogar mehr.
Was den Schaden zumindest etwas abfedert, seien Hagel- und Trockenversicherungen. Trotzdem: „Die Landwirtschaft und die Landwirte werden sich darauf einstellen müssen, dass es in Zukunft trockener wird und man die Produktion anpassen muss.“ Etwa, indem man Produkte anbaut, die klimawandeltauglich sind.
„Wenn man überlegt, was auf einem Hektar einer so wertvollen Fläche passiert und wie wenig dabei monetär herauskommt, ist das eigentlich eine Beleidigung für den Acker. Man muss Landwirten eine Zukunftsperspektive geben. Und die Landwirte müssen sich überlegen, was sie im kommenden Jahr machen.“ Die Dürre könne zu einer Beschleunigung des Bauernsterbens führen, warnt Wimmer: „Noch ist die Situation nicht hoffnungslos, aber es ist eine Minute vor zwölf.“
Zu hohe Kosten
Österreich ist damit nicht allein. Auch in anderen Ländern fällt die Getreideernte aktuell schwach aus. Das trägt wiederum zum Anstieg des Weizenpreises an der Pariser Warenterminbörse bei. Laut APA ist dieser seit Anfang Juli um rund 20 Prozent auf 245 Euro pro Tonne gestiegen.
Im heimischen Getreidehandel sei der Preisanstieg noch nicht angekommen, sagt LK-Präsident Moosbrugger. Die Preise hätten hier in den vergangenen Jahren zwischen 170 und 270 Euro pro Tonne geschwankt. Ein Preisanstieg wäre aber dringend notwendig, „um die gestiegenen und nach wie vor steigenden Dünger-, Treibstoff- und Energiepreise decken zu können“.
So berichtet auch Irene Maria Trunner, dass man mehr investieren müsse, um der Dürre entgegenzuwirken. Man setzt etwa verstärkt auf Bewässerung: „Das schlägt sich aber auf die Produktionskosten nieder.“
Zudem sei der Dieselpreis ein großes Thema. „Wir sind darauf angewiesen. Ich habe heuer so viel für den Mähdrescher bezahlen müssen wie noch nie. Jeden zweiten Tag muss man allein in den Drescher um tausend Euro Diesel tanken. Und da hat man noch keinen Cent für das bekommen, was man geerntet hat“, sagt Trunner.
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