APA11454892 - 14022013 - WIEN - ÖSTERREICH: THEMENBILD - Illustration zum Thema Drogensubstitution: Im Bild: Eine Apothekerin in Wien rührt am Donnerstag, 14. Februar 2013, im Rahmen eines Fototermins mit der Austria Presse Agentur (APA) ein Heroinersatzmittel mit Methadon an. APA-FOTO: GEORG HOCHMUTH

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Drogen-Report
04/23/2013

Das Millionengeschäft mit der Sucht

Das "weltweite Mittel Nummer eins" in der Therapie wird nur zu 20 Prozent verschrieben.

von Dominik Schreiber

Die Sache wäre theoretisch einfach: Wer heroinsüchtig ist und ärztlich behandelt wird, erhält Methadon. Das Medikament kann in anderen Flüssigkeiten aufgelöst werden. Die Missbrauchsmöglichkeiten sind beschränkt. „Es ist weltweit das Mittel Nummer eins“, sagt Gabriele Fischer, Leiterin der Drogenambulanz am Wiener AKH. In Österreich ist es als „Mittel erster Wahl“ vorgeschrieben.

Tatsächlich nehmen es allerdings nur 20 Prozent der Süchtigen.

Würden alle rund 17.000 in Therapie Befindlichen mit Methadon behandelt werden, würde sich das Drogenersatzprogramm mit rund 14 Millionen Euro zu Buche schlagen. Tatsächlich kostet es aber 34 Millionen Euro pro Jahr. Denn nicht das billigste Medikament, sondern teurere werden in den anderen 80 Prozent der Therapiefälle eingesetzt.

Um diesen Millionenbetrag wird im Hintergrund Politik gemacht, die Pharmaunternehmen veranstalten Kongresse und finanzieren Vorträge. Ehemalige Minister wie Martin Bartenstein (als Miteigentümer einer Herstellerfirma) und Andrea Kdolsky (über eine Internet-Initiative) sind ebenfalls involviert. Es gibt auch kaum Suchtexperten, die nicht in irgendeiner Beziehung zu einem der Pharmariesen stehen.

Vor allem in Wien wird Substitol, das teuerste Mittel, verschrieben. Es darf eigentlich nur eingesetzt werden, wenn jemand Unverträglichkeiten bei Methadon hat. Süchtige erzählen, dass sie es dennoch oft gleich verschrieben bekommen. „Die Wiener Gebietskrankenkassa finanziert so den Schwarzmarkt in ganz Österreich“, sagt der Kriminalpsychologe Walter Hauptmann. Denn die Morphine werden über ein weit verzweigtes Netz in Österreich verteilt und immer teurer verkauft, je weiter man nach Westen kommt. In Tirol kostet eine Tablette bereits so viel wie ein Schuss Heroin. Dort wird Substitol nicht verschrieben, weil 80 Prozent der Süchtigen sich dies missbräuchlich gespritzt haben. Zahlreiche Experten bis hin zu Psychiater Reinhard Haller warnen deshalb vor den retardierten Morphinen.

Die Wahl des richtigen Medikamentes sei „eine ärztliche Entscheidung, da haben wir größtes Vertrauen“, heißt es hingegen aus dem Büro von Gesundheitsminister Alois Stöger. „Es ist halt so bei Medikamenten, dass nicht das billigste das beste ist“, sagt Wiens Drogenkoordinator Michael Dressel. „Nichtärzte sollten sich in dieser Diskussion ohnehin vornehm zurückhalten.“

Lesen Sie morgen: Wie sich die Drogenszene in kurzer Zeit komplett gewandelt hat.

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