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Chronik Österreich
08/13/2021

Die vierte Welle: Im Westen steigt die Kurve am stärksten

Die Hotspots – wie der Bezirk Lienz – finden sich fast ausschließlich in den westlichen Bundesländern und schlagen auf die Zahlen.

von Christian Willim

In keiner anderen Region kocht das Infektionsgeschehen derzeit auf ähnlich hoher Flamme, wie in Osttirol. Die Inzidenzzahlen – im Bezirk Lienz aktuell bei 352,4 – sind zwar nicht mehr der alleinige Maßstab der Dinge, da doch eine Mehrheit der österreichischen Bevölkerung geimpft ist.

Wie zuletzt berichtet, gehen Szenarien davon aus, dass das Gesundheitssystem 3.000 bis 10.000 Neuinfektionen täglich verträgt, ohne an den Anschlag zu kommen. „Aber die Inzidenz spiegelt trotzdem das Infektionsgeschehen wieder“, sagt Elmar Rizzoli, Leiter des Tiroler Corona-Einsatzstabes.

Frühzeitige Maßnahmen

Darum hat das Land in Osttirol zuletzt die Maskenpflicht verschärft, neue Kapazitätsgrenzen für Veranstaltungen eingezogen und über zwei Gemeinden eine Ausreistestpflicht verhängt. „Bei einer exponentiellen Steigerung muss man frühzeitig Maßnahmen setzen“, gilt für Rizzoli nach wie vor.

Die Hotspotregion ist laut ihm auch der Grund, warum Tirol bei der 7-Tage-Inzidenz klar über dem Österreichschnitt liegt. Das trifft außerdem noch auf Vorarlberg, Salzburg und Oberösterreich – also den gesamten Westen – und Wien zu.

Praktisch alle Hotspot-Bezirke finden sich in diesen Ländern. Die 7-Tage-Inzidenzen bewegen sich in diesen Regionen aber auf deutlich niedrigerem Niveau als im Tiroler Sorgenkind Osttirol – nämlich zwischen Werten um die 60 in Dornbirn (Vorarlberg) bis knapp unter 120 in Kirchdorf an der Krems (OÖ).

Welle hebt sich früher

Die steigenden Zahlen sind klarer Beleg dafür, dass die vierte Welle bereits begonnen hat. Und wie zuletzt berichtet, startet sie früher, als im Herbst des Vorjahres. Die Belegung der Intensivbetten ist bereits auf einem Niveau, das 2020 erst im September erreicht wurde. Ohne Impfungen wäre die Situation wohl bereits wieder massiv angespannt. Denn die Zahl der aktiv positiven Fälle ist um ein Vielfaches höher.

„Die Verbindung, wie viele Infektionsfälle in schwere Verläufe übersetzen, die hat sich verschoben“, erklärt Simulationsexperte Peter Klimek vom Complexity Science Hub Vienna den Hintergrund.

Am Freitag wurden erstmals seit drei Monaten wieder über 1.000 Neuinfektionen registriert. „Es ist ein Weckruf, dass wir die Kurve schon noch abflachen müssen“, sagt Klimek zu den zuletzt wieder in Sprüngen gestiegenen Zahlen – ein Phänomen, das bereits den Beginn der zweiten Welle im Vorjahr geprägt hat.

Einige Unwägbarkeiten

Für den Forscher ist klar, dass es Richtung Herbst noch geboten ist, die Kurve abzuflachen. Ob „milde Maßnahmen“ – wie etwa eine Ausweitung des Maskentragens oder ein Nachschärfen bei der 3-G-Regel – dazu reichen, sei „schwer abzusehen.“ Genauso sei es „nicht vorhersehbar, wie steil die Kurve im Herbst wird.“ Es gibt also noch einige Unwägbarkeiten.

Die Impfungen, so der Grundtenor unter Experten, haben aber in jedem Fall die Ausgangslage verbessert. Das scheint sich etwa in Tirol zu bestätigen. „Wir haben auf den Normalstationen eine einzige geimpfte Person, auf den Intensivstationen keine“, sagt Rizzoli.

Dass der Westen und Wien derzeit das negative Spitzenfeld bei den Neuinfektionen anführen, ist eine Momentaufnahme. Die Pandemie hat gezeigt, solche Rankings können sich schnell drehen. Gerade auf dem derzeit noch niedrigen Niveau werden Statistiken rasch durcheinandergewirbelt, wenn regionale Maßnahmen in Problemregionen greifen.

„Die Tiroler Zahlen sind stark vom Bezirk Lienz geprägt. Ein Drittel der täglichen Neuinfektionen kommt von dort“, erklärt der Leiter des Corona-Einsatzstabes.

Die Corona-Ampelkommission stuft auf ihrer vierfarbigen Skala die vier westlichen Bundesländer gelb (mittleres Risiko) und den Rest des Landes gelbgrün (Stufe 2 von 5; geringes Risiko) ein.

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