Chronik | Österreich
02.07.2018

Der Wolf ist vor den Toren Wiens

© Bild: APA/AFP/VALERY HACHE

In Mauerbach im Wienerwald riss ein Wolf auf einer umzäunten Weide ein Schaf, ein weiteres starb am Schock

So nahe an der Bundeshauptstadt hat noch nie ein Wolf zugeschlagen: Wie erst jetzt bekannt wurde, hat bereits Mitte Juni ein Wolf auf einer Weide in Mauerbach (Bezirk St. Pölten) am Rande des Wienerwaldes ein Schaf gerissen. Eine DNA-Analyse hat das bestätigt. Ursprünglich vermutete man wegen untypischer Verletzung, dass das Schaf Opfer eines Hundes wurde.

Ein zweites Schaf dürfte am Schreck gestorben sein, ein drittes hat sich in der Panik vermutlich selber derart schwer verletzt, dass es eingeschläfert werden musste.

„Die Weide war mit einem mehr als 130 Zentimeter hohen Weidezaun mit zwei Elektrodrähten gesichert, einer über der Oberkante angebracht. Deshalb vermuten wir, dass sich der Wolf beim Tor durchgezwängt hat“, erzählt die Besitzerin der getöteten Schafe, Claudia Radbauer, die am Rande von Mauerbach einen Bauernhof mit vielen Tieren betreibt und unter anderem verschiedene Arten von Ponys züchtet. Jetzt hat sie die verbliebenen Tiere von der Weide näher zum Haus geholt. Sie ist jedenfalls beunruhigt.

Auffällig

„In der letzten Zeit haben mir auffällig viele Besitzer erzählt, dass ihre Katzen verschwunden sind“, erzählt Tierärztin Marietta Turecek, die im nahen Katzelsdorf eine Praxis betreibt und Besitzer per Facebook aufgerufen hat, derzeit besonders auf ihre Tiere zu achten.

„Laut der DNA-Probe, die wir nehmen konnten, gehört der Wolf zu einer Population, die aus den Westalpen stammt“, sagt Wolfsbeauftragter Georg Rauer. Man könne vermuten, dass es sich um ein Jungtier handelt, das auf der Suche nach einem Revier umherstreift. Ob dieser Wolf auch für Risse bei Weyer in der Steiermark und im Raum Waidhofen/Ybbs in NÖ verantwortlich ist, werde soll eine weitere Untersuchung klären.

Bei der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) „Wolf“ von Landwirtschaftskammer und Jägerschaft sieht man die Risse vor den Toren Wiens als äußert bedenklich. Es sei passiert, wovor schon immer gewarnt wurde. „Der Wolf schreckt auch vor dicht besiedelten Gebieten nicht zurück“, so Daniel Heindl von der Landwirtschaftskammer und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Wolf. Die Besichtigung mehrere Herdenschutzprojekte im Ausland habe gezeigt, dass die Idee von Herdenschutz-Hunden eine Fantasiegebilde ist, dass in der Realität kaum umsetzbar sei. „Man braucht zehn Hunde zum Schutz einer Herde, wobei ein fertig ausgebildeter Hund 5000 Euro kostet. Wer soll sich das leisten“, sagt Werner Spinka, der für den nö. Landesjagdverband ebenfalls in der ARGE Wolf sitzt.

„Der Wienerwald ist ein riesiges und beliebtes Ausflugs- und Wandergebiet. Es sollten dort in nächster Zeit Hunde ausschließlich an der Leine geführt werden. Wölfe greifen gerne Hunde an“, so Daniel Heindl.

 

 

Auch im Oberen Mühlviertel ist die Wolfsdebatte wieder aufgeflammt. Hier sind auf einer umzäunten Weide ebenfalls Tiere getötete worden. Bei Weitersfelden im Bezirk Freistadt fand ein Landwirt am vergangenen Samstag ein gerissenes Mutterschaf und zwei schwer verletzte Lämmer. Diese musste er notschlachten. Zwei Lämmer fehlten. Die Weide liegt nahe dem Hof des Bauers in Wienau.

Es herrscht Verunsicherung, berichtet Bürgermeister Franz Xaver Hölzl: „Wir wissen nicht ob es der Wolf war, die Ergebnisse der DNA-Proben sind noch nicht da“, sagt er. Doch die psychische Belastung sei groß. „Da geht es nicht um Ablöse. Das ist auch eine emotionale Sache, wenn die Bauern jede Nacht um Tiere bangen müssen“, schildert Hölzl.

Claudia Radbauer züchtet in Mauerbach unter anderem verschiedene Ponyarten. Ihre Schafe sind besonders zutraulich. © Bild: Privat