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Analyse
06/17/2020

Der ewige Zweite füllt die erste Reihe

2015 wurde Hermann Schützenhöfer erstmals Landeshauptmann. Amtsmüde wirkt er nicht.

von Elisabeth Holzer

Irgendwie glaubt man es nicht. Erst fünf Jahre? Ja, wirklich erst seit fünf Jahren ist Hermann Schützenhöfer steirischer Landeshauptmann.

Es fühlt sich länger an. Dass Schützenhöfer seit den 1990er-Jahren zu den Vertretern der vorderen Spitze der steirischen ÖVP gehörte (Abgeordneter, Klubobmann, Landesrat, Vizelandeshauptmann), mag diesen Gewöhnungseffekt erklären: Egal, wie oft in Wien seither die ÖVP-Obleute, Minister oder gar Kanzler wechselten  - Schützenhöfer ist geblieben.

Schmach getilgt

Kontinuität ist ohnedies eine Schützenhöfer’sche Usance. Mögen in Wien noch so viele neue Türkise mit Blau oder Grün harmonieren, der Steirer vor dem Semmering bleibt beharrlich ein alter Schwarzer. Das bewies er auch nach den Wahlen 2019, als Schützenhöfer erneut mit der SPÖ die Regierung bildete. Wenn auch unter anderen Vorzeichen: ÖVP Erster, SPÖ Zweiter. Damit war die schwarze Schmach aus 2005 getilgt, den Landeshauptmann an die Sozialdemokratie verloren zu haben.

Schützenhöfer konnte sich 2019 als Wahlsieger feiern lassen  - erstmals in seinem langen politischen Leben.

Vermutlich dürfte ihm seine zweite Kür zum Landeshauptmann am 17. Dezember 2019 mehr Genugtuung verschafft haben als seine erste knapp viereinhalb Jahre zuvor. An der Landeshauptmannwahl vom 16. Juni 2015 klebt immer noch der Nimbus des Geschenks über alle Parteigrenzen hinweg: SPÖ-Chef Franz Voves überließ Schützenhöfer damals nach für beide „Reformpartner“ verlorenen Wahlen das Amt.

Nicht im Lebenslauf vorgesehen

Ein Umstand, auf den Schützenhöfer damals replizierte: Landeshauptmann zu werden sei in seinem „Lebenslauf gar nicht mehr vorgesehen“ gewesen.

Immerhin schickt sich Schützenhöfer nun an, sich unter den längstdienenden ÖVP-Länderchefs einzureihen. Seit 14 Jahren steht er den steirischen Schwarzen vor, die er als waidwunde Truppe übernahm. 2005 hatte die ÖVP unter Waltraud Klasnic die Landtagswahlen verloren, die erste Frau im Amt eines Länderchefs trat von der Parteispitze zurück. Der „gute Zuarbeiter und gute Zweite“, wie sich Schützenhöfer in Interviews zuvor selbst gerne aus der ersten Reihe nahm, musste 2006 als Parteichef in die erste Reihe.

Wenn auch vorerst innerhalb des Landes wieder nur als Zweiter: Er war zehn Jahre lang neben Franz Voves Landeshauptmannstellvertreter, die letzten fünf gemeinsamen Jahre und darüber hinaus dann auch in persönlicher Freundschaft verbunden.

Kalkül ging auf

Was Schützenhöfer, nunmehr selbst Landeshauptmann, aber nicht hinderte, gegen den Widerstand der SPÖ im Vorjahr die Tür für Neuwahlen weit aufzumachen, die die FPÖ sachte angestoßen hatte. Zu gut schien die Gelegenheit, auch die türkise Beliebtheitswelle der Bundespartei unter Sebastian Kurz zu nützen. Das Kalkül ging auf.

Am Dienstag feierte Schützenhöfer nun fünf Jahre im Amt. Die Rolle als bedächtigen Landes(groß)vaters gefällt ihm und sie liegt ihm auch, so viel ist offensichtlich.

Die fruchtbaren Jahre nach 65

Über mögliche Nachfolger lässt sich Schützenhöfer nichts entlocken und schweigt dazu, doch vielsagend ist sein Stehsatz, er sei sowieso für fünf Jahre gewählt. Die fruchtbarsten Jahre in der Politik seien die nach 65, kontert der nunmehr 68-Jährige dann auch gern auf Journalistenfragen – und überhaupt: Jetzt habe er doch wieder mehr Wähler als Nachfolgekandidaten.

Nach Amtsmüdigkeit hört sich das nicht an.

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