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Chronik Österreich
11/11/2021

Der Countdown zum Lockdown für Ungeimpfte

In zwölf Tagen sind auf den Intensivstationen die Betten voll. Wieder Debatte über Impfpflicht. Oberösterreich und Salzburg legen sich gegen Verschärfungen quer.

von Daniela Kittner, Anja Kröll

Am Mittwoch ließ das Prognosekonsortium der Bundesregierung eine Bombe platzen: In zwölf Tagen wird die kritische Grenze von 600 Intensivbetten erreicht sein. Im schlimmsten Fall könnten in zwei Wochen bereits mehr als 900 Patienten auf den Intensivstationen liegen.

Spätestens dann kommt der Lockdown für Ungeimpfte: Sie dürfen dann nur noch für lebenswichtige Wege und zum Arbeiten (mit 3-G-Regel) die Wohnung verlassen.

Krisen-Chaos droht

Falls es nicht früher schon so weit ist. Denn es überschlagen sich die negativen Pandemie-Nachrichten, Österreich treibt auf eine chaotische Krisensituation zu. Erstmals seit dem Ausbruch der Pandemie war an diesem Mittwoch die Zahl der Neuinfizierten fünfstellig: sie betrug 11.398 Personen.

Auch eine Premiere: Alle Gesundheitsberufe protestierten gemeinsam – 400.000 Personen – gegen die Überlastung in den Spitälern und die Säumigkeit der Politiker.

Die Experten sind sich nicht einig, was am dringendsten zu tun wäre: Die einen forcieren die Erstimpfungen, die anderen sagen, es brauche Wochen, bis der Immunschutz aufgebaut sei, das komme für die vierte Welle zu spät. Diese Experten setzen auf Drittstiche, um die Zahl der Impfdurchbrüche zu reduzieren.

Salzburg und Oberösterreich

Zwischen Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein und zwei ÖVP-regierten Bundesländern kam es zu Differenzen. Wegen der besonders hohen Infiziertenzahlen und der angespannten Lage in den Spitälern drängt Mückstein Oberösterreich und Salzburg zu scharfen Maßnahmen. Im Gespräch ist, die letzte Stufe in diesen Bundesländern vorzuziehen: den Lockdown für Ungeimpfte. Auch ein Ausweiten der FFP2-Maskenpflicht oder PCR-Tests mit kürzerer Geltungsdauer waren Thema beim Video-Krisengipfel zwischen Mückstein und den Landeshauptleuten Thomas Stelzer und Wilfried Haslauer.

Ein genereller harter Lockdown nur für diese beiden Bundesländer wird von den Landeshauptleuten strikt abgelehnt. Sogar einen Lockdown für Ungeimpfte wollen die beiden Länder nicht haben: Mückstein will das, wir nicht, sagt Haslauer.

Hinter den Kulissen unterstellen ÖVP-Exponenten den Grünen parteipolitische Motive: Die Grünen würden bei Oberösterreich deswegen besonders streng vorgehen, weil sie dort nicht in die Landesregierung genommen wurden. Bekanntlich hat Stelzer wieder mit der FPÖ eine Koalition abgeschlossen.

Dramatische Prognose

Laut dem Prognosekonsortium der Bundesregierung ist Oberösterreich aber tatsächlich der dramatischste Fall der Republik: Am kommenden Mittwoch, dem 17. November, rechnen die Experten bundesweit mit einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 909 und 1.250, in Oberösterreich und Salzburg könnte sie 1.500 bis 2.000 betragen. Derzeit werden darum bereits Zusatzbetten und Container-Spitäler organisiert, war aus der Gesundheitsholding des Landes Oberösterreich zu erfahren.

Auch bei den täglichen Neuinfektionen liegt Oberösterreich an der Spitze der Bundesländer: Zwischen 2.606 und 4.145 Oberösterreicher werden sich in der kommenden Woche täglich neu infizieren. Bundesweit wird ein Wert zwischen 13.300, im schlimmsten Fall von 16.000 erwartet. Daher muss man sich auch österreichweit auf einiges gefasst machen. "Wir haben in der Pandemie gelernt, dass man nichts ausschließen kann", sagt der Gesundheitsminister auf die Frage, ob bei einer Überlastung der Intensivstationen mit einem allgemeinen Lockdown – auch für Geimpfte – zu rechnen sei.

Rekordwert Erstmals seit Pandemiebeginn gab es in Österreich innerhalb von 24 Stunden mehr als 10.000 Neuinfektionen. Konkret sind es von Dienstag auf Mittwoch 11.398.

1.020 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen gibt es aktuell in Oberösterreich. Das ist die höchste 7-Tage-Inzidenz im Land. Österreichweit liegt die Inzidenz derzeit bei 716.

Aktive Fälle gibt es momentan 85.611. Das ist der höchste Wert an gleichzeitig mit Covid-19 infizierten Personen, den es in Österreich bis dato gab.

Teilweise Impfpflicht

Kanzler Alexander Schallenberg hingegen schließt einen Lockdown für Geimpfte weiterhin aus, stößt aber die Debatte über eine Impfpflicht neu an: Er wolle eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen diskutieren. Konkret spricht sich der Regierungschef für eine Impfpflicht für Gesundheitsberufe aus.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger bringt einen Lockdown für Ungeimpfte ins Spiel: "Die Zeit der Solidarität mit jenen, die sich aus fadenscheinigen Gründen nicht impfen lassen wollen, ist abgelaufen."

Geimpfte verschonen

Es könne nicht sein, "dass mutwillige Impfverweigerer die Mehrheit der Bevölkerung in Geiselhaft nehmen".

Aber so dramatisch kann die Lage gar nicht sein, dass sich die Politik beeilt. Das Ergebnis des Krisengesprächs zwischen Mückstein und den Landeshauptleuten ist: Am Freitag reden wir weiter …

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