Die Technologie wird am Innsbrucker Fischmarkt getestet

© LIEBL Daniel | zeitungsfoto.at

Chronik Österreich
08/08/2020

Corona-Pilotprojekt: Videoüberwachter Testlauf für Christkindlmärkte

Am Innsbrucker Fischmarkt werden mithilfe von Videoüberwachung Besucherströme gemessen.

von Christian Willim, Petra Stacher, Nikolaus Tuschar

Der Urfahraner Herbstmarkt in Linz: abgesagt. Der Altausseer Kirtag im September im steirischen Salzkammergut: abgesagt. Der Wiesenmarkt im Kärntner St. Veit an der Glan: abgesagt. Der Kollmitzberger Kirtag in Niederösterreich: abgesagt.

In ganz Österreich fielen heuer traditionelle Märkte und Brauchtumsveranstaltungen der Corona-Pandemie zum Opfer. Der Kampf gegen die Ausbreitung des Virus mag sich mit fast unkontrollierten Massenaufläufen – wenn auch im Freien – nicht vertragen.

Kameras haben Besucher im Auge

Doch die Christkindlmärkte und Silvesterfeiern wollen die Stadttouristiker noch nicht abschreiben. Und sie blicken umso gespannter auf ein Pilotprojekt in Innsbruck, das bei der Umsetzung helfen könnte. Das kleine Hamburger Fischvergnügen am Innsbrucker Marktplatz, das am Freitag in die 25. Auflage ging, dient als Versuchslabor.

Kameras überwachen das Marktreiben. Eine Technologie des Innsbrucker Start-ups Swarm Analytics soll mithilfe der Aufnahmen Besucheraufkommen und -ströme in Echtzeit auswerten.

„Das ist ein Pilotprojekt im Freien, das vielleicht bei den Christkindlmärkten zum Einsatz kommen könnte“, sagt Bernhard Vettorazzi vom Stadtmarketing, der versichert, dass die aufgenommen Bilder nach Analyse sofort wieder gelöscht werden.

Die Idee hinter dem Experiment: Mit einem Echtzeitüberblick über die Gästebewegungen könnte auch ein Ampelsystem installiert werden, das bei zu viel Andrang auf Rot schaltet.

Vier Städte - ein Problem

So will man auf etwaige Behördenauflagen vorbereitet sein. Und steht damit nicht alleine: „Wir sind im regen Austausch mit Salzburg, Graz und Wien“, sagt Vettorazzi. Christkindlmärkte, aber auch Silvesterfeiern sind in diesen Städten große Wirtschaftsfaktoren.

Allein in Innsbruck beträgt die Wertschöpfung durch die Bergweihnacht jährlich rund 40 Millionen Euro. Innsbrucks Stadtregierung hat rasch nach dem Lockdown klargemacht, dass man auf dieses Geschäft nicht verzichten will. In der Altstadt wird eine große Baustelle in der Weihnachtszeit extra unterbrochen.

„Wir müssen Erfahrungen sammeln, was im geltenden Rahmen möglich ist“, sagt Innsbrucks Vize-Bürgermeister Johannes Anzengruber zu dem Versuch am Fischmarkt. Erfahrungen will auch Swarm Analytics sammeln, weshalb der Testballon vorerst für die Stadt kostenlos sei.

Bundesweite Regelung

Im Dachverband von Österreichs Stadtmarketings ist man sich laut Vettorazzi aber einig: „Es braucht eine bundesweite Regelung für die Christkindlmärkte.“ Das Handling der Besucherströme könnte der größte Knackpunkt bei Auflagen sein.

Für die Christkindl- und Weihnachtsmärkte in Linz laufen ebenfalls schon die Vorbereitungen. „Hier stehen nicht die Belustigung, sondern die Waren im Vordergrund“, sagt Bernhard Baier (ÖVP), Vizebürgermeister und Wirtschaftsreferent von Linz. Somit gelten sie als Märkte, weshalb die Verordnung nicht so streng ist. Ob dort technische Hilfsmittel zum Einsatz kommen, ist aber noch ungewiss.

Die kann sich auch nicht jede Kommune leisten. „Wir haben uns hinsichtlich des St. Veiter Wiesenmarktes mit mehreren Möglichkeiten beschäftigt“, erzählt Andreas Reisenbauer, Sprecher der Stadt. „ Am ehesten wären für uns Infrarotzähler infrage gekommen. Jedoch ist das alles eine Kostenfrage und für so eine kleine Stadt wie St. Veit finanziell nicht stemmbar.“

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