© Kurier / Gerhard Deutsch

Chronik Österreich
12/05/2020

"Massen" fehlen bei Teststationen: Wien ändert Zugangsregeln

Angemeldete können nun auch Angehörige mitbringen. An Tag zwei macht sich mancherorts Ernüchterung breit. Die Testwilligen fehlen.

von Kevin Kada

Wien ändert seine Testabläufe bei den Massentests. Bisher durften nur angemeldete Personen zu einer der drei Massentest-Stationen kommen, um sich dort testen zu lassen.

Ab morgen, Sonntag, können Personen, die angemeldet sind, ihre Familienangehörigen mit zum Testen bringen, obwohl diese keine eigenen Termine haben, kündigte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am späten Nachmittag im APA-Gespräch an. Das war bisher nicht möglich. Die neue Regelung gilt für den Test-Standort Messe Wien, der relativ gering ausgelastet ist.

"Ab morgen kann Jeder, der angemeldet ist, seine Angehörigen in die Messehalle mitnehmen. Auch wenn die Anmeldung in einer anderen Halle war", erklärte Hacker. In der Messe Wien könne man dann gemeinsam mit seinen Angehörigen - etwa Lebenspartnern, Eltern, Kindern oder Schwiegereltern - die Tests durchführen.

Ernüchterung am zweiten Tag

Das neue Vorgehen in Wien könnte wohl auch damit zu tun haben, dass der große Ansturm auf die Teststationen bereits am zweiten Tag ausgeblieben ist. So zum Beispiel in Tirol, dort ist am Samstag in den zweiten Tag der Corona-Massentests gestartet. Nachdem sich die politisch Verantwortlichen über Ablauf und Andrang bisher "erfreut" gezeigt hatten, kommen nun auch andere Töne auf. Der Kufsteiner Bürgermeister Martin Krumschnabel zeigte sich gegenüber der APA "enttäuscht". Am zweiten Tag sei an allen sechs Teststandorten bisher "ganz wenig Betrieb", die Testwilligen "tröpfeln" nur ein. Woran das liege, sei ihm "schleierhaft".

Mit rund 20.000 Einwohnern ist Kufstein die zweitgrößte Stadt in Tirol. Am Freitag ließen sich 2.582 Personen testen. "Gestern war ein relativ guter Tag, nur sechs Personen wurden positiv auf das Coronavirus getestet", bemühte sich Krumschnabel um Optimismus in Hinblick auf den ersten Tag der Massentests. Dass am Samstag die Testwilligen vorerst ausbleiben, verstehe er indes nicht. "Wir haben mit einem größeren Andrang über das Wochenende gerechnet und extra auf 20 Teststraßen an den fünf Standorten aufgestockt", argumentierte der Bürgermeister. 

Für 18.000 Testungen gerüstet

Für 15.000 bis 18.000 Personen habe man sich gerüstet, die Kapazitäten würden reichen, um bis zu 75 Prozent der Bevölkerung zu testen. Seit 7.00 Uhr sei er unterwegs, erzählte Krumschnabel, nach seinem Lokalaugenschein halte er es für "unwahrscheinlich, dass wir überhaupt auf 10.000 Personen kommen".

Worauf der geringe Andrang zurückzuführen ist, sei ihm "schleierhaft". Man habe sich nach dem Südtiroler Vorbild "bestens vorbereitet", es komme zu keinen Wartezeiten und alles funktioniere "wie am Schnürchen". 

"Es ist enttäuschend", räumte Krumschnabel ein. Er halte "solche Aktionen für notwendig", vor allem im Hinblick auf eine möglichst baldige Öffnung des Handels und einer Rehabilitierung der Tourismuswirtschaft. "Es gibt zwei Sachen: Den Lockdown und aktiv etwas dagegen zu unternehmen", meinte der Stadtchef.

"Der Bundeskanzler ist ja anscheinend auch mit 30 Prozent Auslastung zufrieden, ich hätte schon mit deutlich über 50 Prozent gerechnet, vor allem nach der hohen Beteiligung in Südtirol", machte der Bürgermeister klar.

Ernüchterung in Innsbruck

Relativ Ernüchterndes hörte man am Samstag - im Gegensatz zum Freitag - auch aus der Landeshauptstadt Innsbruck. "Der Zulauf ist bisher gering, mau", sagte die Sprecherin von Bürgermeister Georg Willi (Grüne) der APA. Es tröpfle eher nur so dahin. Bisher seien nur 2.000 Menschen zu den Teststationen gekommen. Zum Vergleich: Am Freitag waren es zum selben Zeitpunkt 6.000. Man appelliere an die Menschen, die Möglichkeit wahrzunehmen und sich testen zu lassen.

Die Verantwortlichen in Innsbruck hofften, dass die geringe Teilnahme damit zusammenhängt, dass sich die Testwilligen an einem (regnerischen) Samstag zunächst noch Zeit lassen und dann ab Mittag in die Lokale strömen. Vielleicht kommt der große Ansturm morgen, gab auch der Kufsteiner Bürgermeister die Hoffnung noch nicht auf: "Wir wären jedenfalls gerüstet".

Bis Samstagmittag haben in Vorarlberg 75.034 Personen an den Corona-Massentests teilgenommen. 277 der Tests (0,37 Prozent) erbrachten ein positives Ergebnis. Bis Samstagabend standen über 10.000 weitere Testungen an. Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) appellierte ein weiteres Mal an die Bevölkerung, die Testmöglichkeit wahrzunehmen.

"Wir haben gesehen, dass die Testungen schnell und effizient funktionieren. Ich bitte deshalb noch einmal: Nutzen Sie die Möglichkeit, sich testen zu lassen", sagte Wallner. Es seien am Samstag und Sonntag landesweit noch genügend Testplätze frei.

Am Samstag waren vorerst über 33.300 Personen zur Testung angemeldet, nachdem sich am Freitag schon mehr als 52.000 Personen hatten testen lassen. Für Sonntag standen knapp 9.000 Anmeldungen zu Buche - getestet wird bis Sonntag, 17.00 Uhr. Die Anmeldequote für alle drei Tage lag Samstagmittag bei 27,7 Prozent (95.619 Personen).

Tests für Pädagogen

Während in Tirol und Vorarlberg bereits die Bevölkerung flächendeckend getestet wird, sind in Niederösterreich und der Steiermark vor allem die Pädagogen aufgerufen, sich testen zu lassen.

"In der Steiermark läuft bei den Massentests für Pädagogen und Kindergarten-Personal alles ruhig und ohne Zwischenfälle", sagte Harald Eitner, Leiter der steirischen Fachabteilung für Katastrophenschutz am Samstag in Graz. Die elektronische Anmeldung habe funktioniert, es sei ein guter Testlauf für die Massentests für die Bevölkerung nächstes Wochenende. Vor Beginn des Testens am Krampustag seien alle rund 700 steirischen Helfer auf Covid-19 getestet worden, alle negativ.

Rund 20.000 Angehörige von Bildungsberufen hätten sich angemeldet, sagte Eitner. Es herrsche ein Kommen und Gehen, er hoffe, das bleibe so, sagte Eitner. Der Andrang war am Vormittag des Krampustages dennoch überschau- und bewältigbar: Wer gegen 11.00 Uhr eintraf, kam auch gleich dran.

CORONA: PRÄSENTATION BUNDESHEER "CORONA-TESTSTRASSE"

Das elektronische Anmeldesystem habe gut funktioniert, sagte Landesrettungskommandant Peter Hansak. Alle ab 6.30 Uhr getesteten Helfer seien negativ, was sehr erfreulich sei. In Graz würden am Samstag und Sonntag rund 7.500 Pädagogen und Kindergärtner getestet.

Anmeldesystem läuft problemlos

In Niederösterreich haben am heutigen Samstag ebenfalls die Tests für Pädagogen und Pädagoginnen begonnen. Wie Oberst Jürgen Schlechter, der Kommandant der ABC-Abwehr des Bundesheeres, dem KURIER berichtet, ist in der Teststraße in Korneuburg alles gut angelaufen.

"Das vielfach kritisierte Online-Tool funktioniert stabil und schnell. Unsere Soldaten und die freiwilligen Helfer sind motiviert und es gibt kaum Wartezeiten", so Schlechter. 

Etwa 900 Soldaten und zivile Bedienstete des Militärs waren gemeinsam mit Freiwilligen und Sanitätern der Rettungsorganisationen an 29 Standorten mit insgesamt 71 Teststraßen im Einsatz, teilte das Bundesheer am Samstag mit. Mit Stand Samstagfrüh hatten sich 24.730 der rund 36.000 Schul- und Kindergarten-Mitarbeiter für eine Untersuchung angemeldet.

Der gleich zu Beginn große Andrang in den Teststationen blieb laut Sebastian Schubert vom Militärkommando Niederösterreich an allen Standorten stets "bewältigbar" und habe sich mittlerweile beruhigt. Die Testungen finden am (heutigen) Samstag und Sonntag von 7 bis 19 Uhr statt, zur Untersuchung kann man sich online für ein Zeitfenster in der gewünschten Teststation anmelden.

Sollte eine Registrierung online nicht möglich sein, kann sie an diesem Wochenende auch an Ort und Stelle auf dem Papier nachgeholt werden. Die Testergebnisse liegen nach Angaben des Bundesheeres nach etwa 15 bis 20 Minuten vor und werden den Untersuchten per SMS mitgeteilt.

"Hunderte Infektionsketten unterbrochen"

Unterdessen zieht Verteidigungsministerin Klaudia Tanner Bilanz über die ersten Testungen: „Ich bin froh bestätigen zu können, dass die Tests gut laufen. Rund 200.000 Menschen haben sich bereits testen lassen und bei hunderten Menschen hat der Antigen-Test positiv angeschlagen."

Nachdem es sich bei den Massentests um Schnelltests handelt,  wird mittels PCR-Test erneut getestet.

"Laut Experten ist davon auszugehen, dass bei rund einem Drittel bis zur Hälfte der positiven Ersttests Entwarnung gegeben werden kann. Wir konnten so bereits etliche Menschen rechtzeitig in Isolation schicken, die ohne diese Massentests nicht gewusst hätten, dass sie positiv sind. Damit wurden an einem Tag bereits hunderte Infektionsketten unterbrochen", so Tanner.

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