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Chronik Österreich
03/16/2021

Corona-Cluster nach Tiroler Busfahrt zu Demos in Wien?

In Arzl im Pitztal steigen die Zahlen. Von dort fuhr am 6. März ein Bus mit Demo-Touristen nach Wien. Der Busbetreiber weist die Vorwürfe zurück.

von Kevin Kada

Zwei vollbesetzte Reisebusse machte sich am 6. März aus dem Tiroler Pitztal auf den Weg nach Wien. In den Bussen waren Demonstranten, die extra für die Anti-Corona-Demo in die Bundeshauptstadt gereist sind. Ausgangspunkt war Arzl im Pitztal (Bezirk Imst) und zehn Tage später gibt es genau dort einen massiven Anstieg an Neuinfektionen, wie das Ö1 Morgenjournal berichtet.

"Schnell steigende Zahl"

Wie die Gemeinde Arzl auf ihrer Website mitteilt, gäbe es aktuell einen massiven Anstieg: "Die Gemeinde Arzl i.P. macht darauf aufmerksam, dass es momentan eine schnell ansteigende Zahl an aktiven COVID-19-Fällen in der Gemeinde gibt und Arzl im Pitztal dabei ungeachtet der Bevölkerungsanzahl sogar in absoluten Zahlen an der 7. Stelle tirolweit ist."

Ein Corona-Cluster aus Wien nach Tirol importiert? Für den Organisator der Reise, Busunternehmer Andreas Thurner ist das nicht belegt, wie er gegenüber Ö1 erklärt.: "Bei uns ist jeder getestet und es war kein einziger Pitztaler dabei. Es waren ein paar aus dem Außerfern im Bus, aber die haben die niedrigsten Infektionszahlen in ganz Tirol. Der einzige Kontakt den wir hatten, war mit der Polizei, die uns bei der Ausfahrt aus der Garage hindern wollte."

Der Busunternehmer selbst hat zu der Demo-Busfahrt auch ein Video auf seinen Social Media Kanal hochgeladen. Von Masken und Abstand war in dem Bus nichts zu sehen. Wie die zahlreichen Anzeigen bei der Demo in Wien zeigen, haben es die Demonstranten auch dort mit den Corona-Maßnahmen nicht so genau genommen.

Mair: "Demoteilnahme eine der Ursachen"

Für Gebhard Mair, Grüner Klubobmann im Tiroler Landtag, ist der Fall klar: "Die Demoteilnahme in Wien ist eine der großen Ursachen, warum es zu dem Ausbruch gekommen ist und warum die Zahlen so steigen. Ich wünsche allen das Beste, aber das wäre nicht notwendig gewesen."

Contact Tracing verweigert?

Laut den Tiroler Behörden könne man zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigen noch ausschließen, ob die Demo-Fahrt zu den sprunghaften Anstiegen geführt hat. Die Ermittlungen würden bereits laufen, sie gestalten sich jedoch als schwierig. Wie Mitarbeiter der Behörde gegenüber Ö1 mitteilten, sollen die Infizierten die Mitarbeit beim Contact Tracing verweigern.

Kritik an Demo-Touristen gibt es nicht erst seit der Demo Anfang März. Schon im Februar bei einer der Anti-Corona-Demos waren Busse aus ganz Österreich nach Wien gefahren, um die Demonstranten zu den Demos zu bringen. Da die Versammlungsfreiheit nicht eingeschränkt werden darf, bleibt von Seiten der Behörde nur ein Appell, wie Gebhard Mair ihn formuliert: "Ich finde es richtig, wenn Menschen sich an politischen Versammlungen beteiligen. Aber auch dort gibt es Regeln und die heißen: Abstand halten und Maske tragen. Und wenn man sich die Bilder der Reise ansieht, dann kann jeder beobachten, dass es nicht so war."

Musterformulare

Für den Tiroler Bus gab es laut Ö1 350 Anzeigen wegen verschiedener Delikte. Das scheine die Teilnehmer aber nicht zu stören. In öffentlichen Chatgruppen gibt es bereits zahlreiche Musterformulare, um Einspruch gegen die Anzeigen einzulegen. Ob der Tiroler Busunternehmer auch für den kommenden Samstag wieder eine Fahrt organisiert ist noch unklar.

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