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Chronik Österreich
02/09/2021

Commerzialbank: Gläubiger wollen von Pucher 713 Millionen Euro

Ex-Bankchef und Co-Vorständin in Privatkonkurs, sie erhalten derzeit eine Pension beziehungsweise Arbeitslosengeld.

von Thomas Orovits, Kid Möchel

Als ein Häufchen Elend saß Martin Pucher in der Vorwoche im Untersuchungsausschuss des burgenländischen Landtags zur Aufklärung der politischen Hintergründe des Commerzialbank-Skandals.

Am Schluss der Befragung entschuldigte sich der Gründer und Ex-Vorstandschef der Pleitebank bei den Tausenden geschädigten Kunden. Sie sollten „zumindest wissen, dass ich die volle Verantwortung für mein Handeln übernehme“, stieß der bald 65-Jährige unter heftigem Schluchzen hervor.

Eine Wiedergutmachung des Schadens dürfte Pucher, der Ende August 2020 – sechs Wochen nach der Schließung „seiner“ Bank – Privatkonkurs anmelden musste, freilich nicht einmal ansatzweise gelingen.

600 Millionen Forderungen an Co-Vorständin

Denn mittlerweile haben bereits knapp 100 Gläubiger Forderungen an Pucher im Gesamtausmaß von 713 Millionen Euro angemeldet (allein 490 Millionen Euro entfallen davon auf die Einlagensicherung, die in der Vorwoche die Republik geklagt hat). Diese Zahlen erfuhr der KURIER von Georg Rupprecht, Rechtsanwalt in Baden und vom Bezirksgericht Mattersburg zum Masseverwalter im Privatkonkursverfahren von Pucher und dessen ehemaliger rechter Hand, Franziska Klikovits, bestellt.

Bei Klikovits, Puchers langjähriger Co-Vorständin, haben bis dato 66 Gläubiger Forderungen über 600 Millionen Euro angemeldet (auch hier werden 490 Millionen von der Einlagensicherung beansprucht).

Halbes Haus

Pucher und Klikovits gelten auch als Hauptbeschuldigte im Ermittlungsverfahren der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), die den beiden u. a. Untreue und betrügerische Krida vorwirft.

Wovon leben die beiden seit Sommer 2020? Pucher bekommt eine Alterspension, Klikovits Arbeitslosengeld. Ein tiefer Fall, denn noch 2018 hatten die Aufwendungen für den Dreiervorstand insgesamt fast 1,3 Millionen Euro betragen.

Neben Puchers Vermögen hatte die WKStA auch das Wohnhaus der Familie in Hirm beschlagnahmt. Auf Antrag des Masseverwalters wurde das wieder aufgehoben. Der Hälfteanteil Puchers (die zweite Hälfte gehört Puchers Ehefrau) soll aber zu Geld gemacht werden, es gibt bereits Interessenten.

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