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Chronik Österreich
08/26/2019

Blockabfertigung für Rapidler bei Fanmarsch zum Wiener Derby

Die Fans sollen in 20er-Gruppen über eine Fußgängerbrücke gelotst werden. Außerdem startet der Marsch nicht vom Reumannplatz.

von Birgit Seiser, Alexander Strecha

In sieben Tagen steigt in der Generali Arena am Horr-Platz das 329. Wiener Derby. Es ist das erste große Aufeinandertreffen der Stadtrivalen seit dem umstrittenen Fanmarsch Dezember 2018.

Damals zogen knapp 1.300 Grün-Weiße in Polizeibegleitung vom Reumannplatz in Favoriten Richtung Stadion der Konkurrenz. Schneebälle an Fensterscheiben und das Zünden von Pyrotechnik waren schon von Anfang an ein Problem bei diesem Marsch. Kurz vor dem Ziel dann die Eskalation: Weil Gegenstände von der Laaer-Berg-Brücke auf die Südosttangente (A23) flogen, musste auf der meistbefahrenen Autobahn Österreichs kurzfristig der Verkehr angehalten werden. Die Polizei kesselte den Fantross schließlich ein. Die 1.300 Rapidler mussten bis zu sechs Stunden lang in der Kälte ausharren, bis die Polizei alle Personen überprüft hatte. Im Einsatzbericht sollte als Beschreibung der Situation später stehen: Die Straße gehört ihnen, die Polizei kann nichts tun.

Danach waren die Fronten zwischen Polizei und Rapid verhärtet. 28 Fans legten erfolgreich vorm Verwaltungsgericht Beschwerde ein. Das Gericht kritisierte den Einsatz, aber auch die Fans hätten zur Eskalation beigetragen. Um die Wiederholung eines derartigen Konflikts zu verhindern, setzt die Exekutive für das Derby am Sonntag auf eine neue Route. Der Sicherheitsbeauftragte des FK Austria, Andreas Trimmel, verriet dem KURIER vorab, wo diese starten soll und was noch geplant ist.

Treffpunkt Troststraße

Demnach hätte es bereits ein Treffen zwischen Vertretern des FK Austria und der Polizei gegeben. Das Ergebnis: Anders als im vergangenen Dezember startet der Fanmarsch diesmal nicht am Reumannplatz, da dieser renoviert wird. Los geht es daher bei der U-Bahn-Station Troststraße, von wo aus man über die Favoritenstraße über den Alfred-Böhm-Park weiterzieht. Erst dann steht die große Veränderung an. Anstatt über die mehrspurige Laaer-Berg-Brücke zu ziehen, sollen die Fans die A23 über die Absbergbrücke queren, welche allerdings nur eine Fußgängerbrücke ist.

Dort will die Polizei die Rapidler blockabfertigen. Das heißt: In Gruppen von 20 bis 30 Personen sollen sie langsam in Richtung Stadion gehen dürfen. Ein Rückstau ist zu erwarten. Die Fans könnten die Wartezeit aber im Alfred-Böhm-Park überbrücken. Final beschlossen werden soll die alternative Route am Dienstag bei einer Einsatzbesprechung der Polizei, bei der auch Vertreter beider Klubs, des Innenministeriums und der Sicherheitsfirma Securitas anwesend sein werden.

Bewährte Route

Dieser Zugang für Gästefans zur Generali Arena ist grundsätzlich nicht neu. Bisher ist auf dieser Strecke auch bei Gastspielen von Sturm und dem LASK – die abgesehen von Rapid traditionell die meisten Fans mitbringen – nie etwas vorgefallen.

Auch bei internationalen Testspielen, einem Europacupspiel und einem freundschaftlichen Länderspiel wurden das Stadion und der Zugang für die Gästefans von der UEFA kommissioniert und genehmigt. In Rapid-Fanforen ist die Stimmung bis dato ruhig. Zwar wird der Polizeikessel vom letzten Derby besprochen, diesmal hofft die Mehrheit aber auf Sieg und Frieden.

Nicht zuletzt ist dafür ein tragischer Todesfall aus den Reihen der Austria-Fans verantwortlich. Fritz Duras war am 19. August in Wien-Simmering gestorben. Ein 17-Jähriger mit psychischen Problemen soll ihn erschlagen haben. Damals zeigten sich auch viele Rapidler vom Tod der Fan-Ikone betroffen. In Situationen wie diesen zeigt sich violett-grüne Einigkeit. Schon aus Respekt wolle man beim Derby keine Ausschreitungen provozieren, schreiben Fans in den Foren. Wie es am Sonntag vor der Generali Arena steht, wird von der Öffentlichkeit wohl ebenso beachtet werden, wie der Spielstand. Die Polizei rechnet mit 1.400 Rapid-Fans.