© Konstantin Auer

Chronik Wien
08/21/2019

"Ober-Austrianer" tot: Geständnis bei Psychiater

Nach dem Mord an Fritz Duras gibt die Beziehung zwischen Opfer und Verdächtigem Rätsel auf.

von Birgit Seiser, Konstantin Auer

Über WhatsApp verabredete sich ein 17-Jähriger in der Nacht auf Dienstag für den nächsten Vormittag mit seinem Psychiater. Man traf sich in einem Park auf der Wiener Wieden. Dort soll der Teenager die Gewalttat an dem 57-jährigen Fritz Duras gestanden haben. Die Polizei fand kurze Zeit später seine Leiche in einem Wohnhaus in der Mühlsangergasse in Wien-Simmering.

„Bei uns hier ist es ja wie in einem Dorf. Die Leute kennen sich und tratschen auch miteinander“, sagt ein Bewohner des Grätzels. Der Mann möchte nicht namentlich genannt werden, denn er kennt auch die Familie von gegenüber, aus der der Mordverdächtige stammt. Zum Zeitpunkt des KURIER-Lokalaugenscheins in Kaiserebersdorf ist es keine 48 Stunden her, dass Fritz Duras dort getötet wurde.

Im Gegensatz zu der Familie war er in der Nachbarschaft ein Unbekannter. „Der muss zu Besuch gewesen sein. Mir sagt weder das Bild noch der Name etwas“, erklärt eine Nachbarin, die neben dem Tatort einen Bauernhof betreibt. Auch das Haus, in dem die Tat stattgefunden hat, war einst ein landwirtschaftlicher Betrieb.

Bewohnt wird der riesige Gebäudekomplex von mehreren Mitgliedern einer alteingesessenen Kaiserebersdorfer Familie – darunter jener 17-jährige, der den Mord laut Polizei gestanden hat. Mit einem Schlag auf den Kopf soll er Fritz Duras getötet haben.

Anders als zunächst spekuliert, bestand zwischen Opfer und Täter kein verwandtschaftliches Verhältnis. Duras soll laut Angaben des Verdächtigen ein Bekannter gewesen sein. Gewohnt hatte Duras zuletzt in Wien-Liesing. Was er am Montag in Simmering gemacht hat, gibt Rätsel auf.

Austria Fans trauern

Auch für Fans des Fußballklubs Austria Wien (FAK) – denn das Opfer war unter ihnen eine Ikone. In Foren wird er als „Ober-Austrianer“ bezeichnet. Der Klub selbst nannte ihn in einem Nachruf „Jahrhundert-Anhänger“.

Fritz Duras

Duras organisierte seit Jahrzehnten einen Fanclub, auf dessen Homepage über 900.000 Fotos der Spiele des FAK zu finden sind. Dementsprechend viele FAK-Anhänger kannten den Kult-Fan und sind nach der Gewalttat ebenso fassungslos wie die Nachbarschaft.

„Wir fragen uns, wie das genau passiert ist. Was der Auslöser war“, sagt eine Anrainerin. Diese Frage beschäftigt auch die Polizei.

In der Einvernahme gab der mordverdächtige Teenager an, dass er sich seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung befindet. Er neige zu Gewaltausbrüchen. Ein solcher soll am Montag Franz Duras das Leben gekostet haben.