Blackout in Berlin: Wie gut ist Österreich vorbereitet?

Eine Person geht nachts auf einem verschneiten Gehweg zwischen parkenden Autos und Häusern.
Städte gelten als vulnerabler als ländliche Regionen. Experten raten, dass jeder Haushalt Vorräte anlegt und sich nicht nur auf staatliche Hilfe verlässt.

Zusammenfassung

  • Großflächiger Stromausfall in Berlin betraf 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen, ausgelöst durch einen Anschlag einer linksextremen Gruppe.
  • Österreichs Städte gelten als vulnerabler bei Blackouts, wobei Experten zu mehr Eigenverantwortung und Vorratshaltung raten; am Land ist man oft besser vorbereitet.
  • Die Steiermark und Graz verfügen über detaillierte Notfallpläne mit Maßnahmen für Wasserversorgung, Bargeld, Lebensmittel, Verkehr und die Einrichtung von Sicherheitsinseln.

Bis zu 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen waren von dem großflächigen Stromausfall in Berlin betroffen, nachdem ein Teil des Stromnetzes lahmgelegt wurde: Eine linke Extremistengruppe hat sich zu dem Anschlag bekannt.

Wie gut vorbereitet ist Österreich?

In der deutschen Hauptstadt wurden Notmaßnahmen hochgefahren: Die Stadt Berlin übernahm Hotelkosten für jene, die ein freies Zimmer buchen konnten, es gibt Massenunterkünfte und Wärmestuben.

Doch wie sind Österreichs Städte für so einen Fall gerüstet? Der KURIER fragte nach.

Ganz grundsätzlich gilt im Falle solcher großen Ausfälle: "Städte sind vulnerabler", sagt der österreichische Blackout-Experte Herbert Saurugg. Zum einen wohnen in urbanen Regionen schlicht mehr Menschen auf engem Raum, was eine große Zahl an Betroffenen bedingt. Bei einem Ereignis wie in Berlin wäre z.B. jeder zweite Innsbrucker Haushalt ohne Strom.

Herbert Saurugg

Herbert Saurugg war 15 Jahre lang Berufsoffizier und gilt als Experte für das Thema Blackout

"Außerdem hat man in einer kleinen Stadtwohnung nicht solche Möglichkeiten, wie vielleicht in einem Einfamilienhaus am Land, wo man vielleicht über einen Kachelofen verfügt", spicht Saurugg, Initiator der zivilgesellschaftlichen Initiative "Plötzlich Blackout!", das Thema Heizen an, das im Fall Berlin mitten im Winter ein großes war.

Am Land besser gerüstet

Während es in Österreich insbesondere in alpinen Lagen Talschaften gibt, die bei Extremwetterereignissen wie starken Schneefällen immer wieder mal über Tage vom Strom abgeschnitten sind, "kennt man sich in Städten mit solchen Ereignissen nicht so aus", weist der Experte auf ein weiteres Problem hin.

Sich dann nur auf den Staat zu verlassen, wenn der Ernstfall eintritt, "wird nicht reichen. Es gibt aber eine falsche Erwartung in der Bevölkerung. Auch das hat man in Berlin gesehen. Die Politik muss viel stärker die persönliche Verantwortung adressieren", fordert Saurugg. 

Lebensmittel für 14 Tage

So müsse etwa jeder Haushalt Lebensmittel für 14 Tage Eigenversorgung eingelagert haben. "Das bringt man auch in einer kleinen Stadtwohnung unter." Dass so etwas wie in Berlin auch in Österreich passiert, sei aber "nur in sehr eingeschränktem Ausmaß zu erwarten", sieht Saurugg die Strukturen grundsätzlich besser aufgestellt.

Er ist auch überzeugt: "In der Hilfe und der Geschwindigkeit, mit der sie geleistet wird, würden wir das besser machen."

Mit dem Thema Blackout befasst sich die öffentliche Hand im ganzen Land schon seit Längerem, wie man etwa am Beispiel der Steiermark sieht.

Steiermark: 111 Maßnahmen, eigenes Konzept für Graz

Die steirische Landesregierung hat eineinhalb Jahre lang an ihrem Blackout-Plan gefeilt; Expertinnen und Experten des Landes sprachen mit Hunderten potenziell Betroffenen. Das reicht von den Blaulichtorganisationen über Pflegeheim- und Spitalsbetreiber bis hin zu Tankstellen- und Supermarktbesitzern, Abfallentsorgungs-  und Wasserversorgungsbetriebe und Banken sowie Bestattungsunternehmen.

Das Ergebnis war der im Herbst 2024 präsentierte Vorsorgeplan mit 111 Maßnahmen in 48 Kapiteln. Die Stadt Graz verfügt über einen eigenen Notfallplan.

Die Situation wird im Ernstfall so beschrieben: 

  • Wasser und Abwasser: In der Steiermark gibt es 590 Kläranlagen für kommunale Abwässer, nur ein geringer Teil verfügt über Notstromaggregate - die Entsorgung funktinioniert also nicht mehr. 95 Prozent der steirischen Bevölkerung sind an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen - darunter rund 4.000 Brunnen und 2.400 Hochbehälter, die Trinkwasserleitungen sind 16.000 Kilometer lang. Mehr als die Hälfte der Wasserverbände kann die Versorgung durch Notstrom für 72 Stunden aufrecht erhalten.

In der Stadt Graz sind Wasserversorgung und Abwasserentsorgung für mindestens 72 Stunden gewährleistet.

  • Bargeld: In den 67 Bank- und Kreditinstituten mit 670 Geschäftsstellen ist kein Zugriff mehr auf Bankkonten oder Geldautomaten möglich, der elektronische Zahlungsverkehr bricht zusammen. Das Land empfiehlt daher, eine gewisse Menge an Bargeld in kleinen Scheinen zu Hause zu haben (pro Person an die 200 Euro).
  • Lebensmittel: Die Supermärkte können nicht mehr öffnen (Türen), Kassen und Kühlsysteme funktionieren nicht mehr. Empfohlen wird, Vorräte für 14 Tage anzulegen, darunter zwei Liter Wasser pro Person und Tag sowie sämtliche nötige Medikamente.
  • Verkehr: Betroffen sind als erstes die Züge, die höchstens noch bis zur nächsten Haltestelle kommen. Die Ampeln fallen aus. In Graz bleiben Straßenbahnen stehen, der Busverkehr kann aufrecht erhalten werden, solange die Notbetankung funktioniert. Jene Tunnels, die über keine Notstromaggregate verfügen, werden gesperrt, dazu gehören etwa der Südgürtel in Graz oder die Unterflurtrasse in Voitsberg.

Wo gibt es Hilfe?

In den Gemeinden müssen "Sicherheitsinseln" eingerichtet werden, die mit Notstrom versorgt werden können und beheizbar sind. Das sind meist die örtlichen Rüsthäuser der Freiwilligen Feuerwehren: Sie dienen zur vorübergehenden Aufnahme und Betreuung jener Menschen, die nicht mehr in ihren Wohnungen bleiben können.

In Graz werden im Ernstfall "Krisen-Leuchttürme" und "Krisen-Infopunkte" eingerichtet, sechs bei Pfarren, fünf bei städtischen Standorten. Um den Krisenstab sicher mit Informationen versorgen zu können, wird sogar auf Radfahrer zurückgegriffen: Die "Blackout-Cycler", gebildet aus Freiwilligen, würden aber auch kleinere Lieferdienste (z. B. wichtige Medikamente) zu den "Krisen-Leuchttürmen" bringen. Dieses Konzept gibt es auch in Oberösterreich: Personen sollen im Notfall persönlich die Informationen überbringen, zu Fuß oder auf Fahrrädern.

Auch in OÖ wird stark auf die Sensibilisierung der Bevölkerung gesetzt: "Jeder Haushalt soll für mindestens 10 bis 14 Tage autark sein", heißt es im Notfallplan Blackout des Landes OÖ. Broschüren, Infoblätter, Beiträge in sozialen Medien sowie in den Gemeindezeitungen sollen für entsprechendes Bewusstsein sorgen. 

Wien: Wieder versorgt binnen 90 Minuten

In Wien können im Fall eines großflächigen Stromausfalls im Schnitt alle Kundinnen und Kunden innerhalb von 90 Minuten wieder mit Strom versorgt werden, erklärt Manuela Gutenbrunner von den Wiener Stadtwerken auf Nachfrage. "Das ist wegen der n-1 Sicherheit möglich: Das heißt, quasi jedes Betriebsmittel hat einen Ersatz, der bei Bedarf aktiviert werden kann. Fällt ein Kabel aus, können die Kundinnen und Kunden von einem anderen Kabel aus wieder versorgt werden. Das ist durch Umschaltungen – oft bereits digital von der Zentrale aus _ möglich", ergänzt Gutenbrunner. Krankenhäuser und andere kritische Infrastruktur verfügen über eigene Notstromanlagen. 

Selbst im Fall eines Blackouts könne die Energieversorgung in Wien dank schwarzstartfähiger Kraftwerke im Netzgebiet wieder aufgebaut werden. Generell gelte: Wien verfüge im internationalen Vergleich über eines der sichersten Versorgungsnetze, betonen die Wiener Stadtwerke.

St. Pölten: Vorsorge gegen den Blackout

„Eine der größten Herausforderungen liegt darin, die Bevölkerung stärker für das Thema Blackout und Krisenvorsorge zu sensibilisieren.“ heißt es von Seiten der Stadt St. Pölten. Genau hier setzten die Informationsmaßnahmen an. Die städtischen Blackout-Broschüren erreichen Haushalte als Beilage im „St. Pölten Konkret“, liegen in öffentlichen Einrichtungen auf und werden zusätzlich über Newsletter und Sozialen Medien beworben.  In der Landeshauptstadt setzt man auf breite Information und lokale Krisenkooperationen. Für den Ernstfall existieren Krisen- und Notfallpläne mit definierten Zuständigkeiten, Kommunikationswegen und Prioritäten für kritische Infrastruktur. Die enge Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Rettungsdiensten und Netzbetreibern ist ein zentraler Bestandteil der Blackout Vorsorge. Übungen mit dem Krisenstab sollen sicherstellen, dass die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Einsatzorganisationen im Notfall reibungslos funktioniert. 

2026 liegt der Schwerpunkt auf dem Ausbau regionaler Selbsthilfebasen, vor allem in Ortsteilen, mit medizinischer Ausstattung zur lokalen Versorgung. Die größte Herausforderung bleibt, das Bewusstsein der Bevölkerung für Eigenvorsorge zu stärken und die Krisenkommunikation weiter auszubauen.

Kommentare